Lebensbilder: Lucia Schmolke Delmenhorster Malerin schuf rätselhafte Bilder

Von Paul Wilhelm Glöckner

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Delmenhorst. Lucia Schmolkes Kunst ist ebenso faszinierend wie rätselhaft. Die Werke der Delmenhorster Malerin sind der Öffentlichkeit nicht mehr zugänglich.

Ihr Leben war nach eigenen Worten von der Suche „nach dem Woher und Wohin“, nach „dem Geheimnis des Ich-Seins“ erfüllt. Viele Wege musste Lucia Schmolke dazu beschreiten, sich in vielen Aufgaben bewähren, um schließlich in ihrer Malerei Antworten auf diese Fragen zu finden.

Am 26. Mai 1923 erblickte sie im damals schon polnischen Bromberg das Licht dieser Welt. In einem begüterten Elternhaus aufgewachsen, besuchte sie nach einer Privatschule bis 1939 ein polnisches Mädchengymnasium. Die Wiedereingliederung ihrer Heimat in das Deutsche Reich brachte Probleme für die Familie mit sich. Der elterliche Laden wurde beschlagnahmt, erst die Zuerkennung der deutschen Staatsangehörigkeit im November 1940 brachte die Wende.

Privat Zeichenunterricht genommen

Aber wegen mangelnder Deutschkenntnisse war für Lucia ein weiterer Schulbesuch nicht mehr möglich. „Ich lernte also Deutsch in eigener Regie, arbeitete im Geschäft mit und nahm privat Zeichenunterricht.“ 1941 in den Bund Deutscher Mädel in der Hitler-Jugend eingetreten, wurde die „Kriegshilfsdienstmaid“ 1942 zum Arbeitsdienst und kurze Zeit später als Hilfskraft in einer Luftwaffeneinheit verpflichtet. Mit einer Wehrmachtskolonne gelang dann am 20. Januar 1945 in letzter Minute die Flucht nach Westen, wo sie schließlich nach Ost-Berlin gelangte.

Schreckliche Erlebnisse in der Charité

Dort besuchte sie eine Fachschule für Textilindustrie und Mode und begann nach deren Abschluss 1947 mit dem Studium an der Hochschule für Bildende Künste. Doch nach fünf Semestern gab es kein Stipendium mehr, und Lucia Schmolke sattelte wieder um. Als wissenschaftliche Fotografin in der Charité hatte sie für eine Buchveröffentlichung Hautverletzungen Verstorbener aufzunehmen. Jene schrecklichen Erlebnisse mögen sich bei ihr so eingeprägt haben, dass sie diese später in ihren Bildern zu verarbeiten suchte.

Als Werkerzieherin Existenz gesichert

Kurz vor dem Mauerbau gelang dann die Flucht in den Westen. In Bremen arbeitete sie in einer Galerie mit, erfuhr dort von der Möglichkeit, in Niedersachsen sich noch zur Lehrerin ausbilden zu lassen und wurde schließlich 1963 Werkerzieherin, zuletzt an der OS der Hermann-Allmers-Schule. „Erst jetzt, da meine Existenz gesichert war, konnte ich mich in Ruhe der Aufgabe widmen, das darzustellen, was mich im Innersten bewegte.“ Werke entstanden, die dem Phantastischen Realismus zugeordnet werden können und auch in gewisser Weise an Hieronymus Bosch erinnern. Deren Symbolik ist nicht leicht zu enträtseln. 1971, 1977, 1982 und zuletzt 1987 – mit Albrecht Fürg, Hans Meyerholz und Erika Melzer – konnte das breite Publikum sich bei Ausstellungen im Haus Coburg daran versuchen.

Bilder sollen nie mehr gezeigt werden

Die Malerin, die nach ihrer Pensionierung 1983 in Deichhorst lebte, kehrte im Jahr 1993 noch einmal kurz für eine Präsentation von Federzeichnungen und Mischtechnik in ihr Bromberger Geburtshaus zurück, in dem sich eine Galerie befindet. Immer mehr in ihre Gedanken versponnen, immer mehr vereinsamt, wollte sie ihre Bilder und Zeichnungen der Städtischen Galerie Delmenhorst zur Verfügung stellen, stieß dort aber auf Ablehnung. Also ordnete sie an, dass ihre Bilder nie mehr gezeigt werden sollten. Diese befinden sich heute in Privatbesitz. Lucia Schmolke ist am 2. März 2015 verstorben.


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