Tag des Handwerks in Delmenhorst Betriebe würdigen Bemühen und Einsatzbereitschaft

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Azubi Dennis Lekat von Feinmetall Höhling zeigt BBS II-Schüler Janrasut Jamali die Maschinerie des Betriebes. Foto: Kai HasseAzubi Dennis Lekat von Feinmetall Höhling zeigt BBS II-Schüler Janrasut Jamali die Maschinerie des Betriebes. Foto: Kai Hasse

Delmenhorst/Ganderkesee. Beim Tag des Offenen Handwerks am Donnerstag, 6. Oktober, hatten Schüler und junge Erwachsene bei vielen Betrieben der Region die Chance, sich einen Einblick in mögliche Ausbildungsbetriebe zu verschaffen. Dabei machten sich auch Neubürger ein Bild des Handwerks.

Beim Tag des offenen Handwerks haben Schüler Delmenhorsts die Handwerkerbetriebe ihrer Heimat besucht. Auch im Landkreis Oldenburg öffneten viele Betriebe ihre Türen für alle Interessierten. Die wollten sich informieren über die Möglichkeiten des Handwerks und die Voraussetzungen, die dafür gelten.

Einer der jungen Menschen in den Betrieben erkundete kurz nach Beginn der nachmittäglichen Aktion die Produktionshallen beim Feinmechanikwerk Höhling: Janrasut Jamali aus der Nähe von Kabul in Afghanistan kam vor zweieinhalb Jahren nach Deutschland. Sein Deutsch ist gut. Für den Chef des Betriebs, Timo Höhling, ein echter Trumpf. „Die Sprache ist der Schlüssel. Ohne geht es nicht“, sagt er. Und noch etwas sagt ihm die gute Ausdrucksfähigkeit des 19-Jährigen: Er bemüht sich. Und das will Höhling sehen. Sich bemühen lohnt sich, meint er.

Schweden oder Afghanistan egal

Jamali ist interessiert. Gerade ist er in der BBS II und will seinen Hauptschulabschluss machen. „Dann will ich arbeiten, eine Ausbildung machen, und gern Geselle werden“, erklärt er. Und augenzwinkernd: „Und irgendwann Chef werden.“ Dass Jamali aus Afghanistan stammt – für den derzeitigen Chef Höhling ist das Nebensache. „Es ist mir egal, ob die Leute aus Deutschland kommen, aus Schweden oder aus Afghanistan, oder ob sie diesen oder jenen Gott anbeten.“ Denn er will Geld verdienen, und damit braucht er im Betrieb Einsatzbereitschaft. Höhling verteilt seine Visitenkarte: „Damit Sie wissen, wo Sie die Bewerbung hinschicken müssen.“

Ausbildungsvergütung versus Perspektive

Höhling ist Mitglied im Vorstand der Metall-Innung. Er weiß: Alle brauchen hier guten Nachwuchs. Sein Bereich sei dabei noch recht gut aufgestellt: Es gebe noch Bewerber, und Höhling bildet sie am liebsten auch selbst aus, weil er weiß, dass die dann draufhaben, was verlangt wird im Job. Andere Bereiche, wie etwa das Bäcker-Handwerk, sei von Azubimangel betroffen. Was Höhling gelegentlich unangenehm auffällt, ist, dass junge Arbeitnehmer gern auf die Höhe der Ausbildungsvergütung schauen, anstatt zunächst die Chance und Perspektive wertzuschätzen, die eine gute Ausbildung mit sich bringt.

Tischler suchen sich die Azubis aus

Einige Straßen weiter, im Tischlereibetrieb Reiner von Seggern, sind eine Stunde nach Beginn der Zeit des Tags des offenen Handwerks bereits etwa zehn junge Menschen gewesen, erzählt dort Geselle Stellan Bleydorn. Er und sein Azubi Torben Maskow haben den jungen Menschen die Produktion gezeigt. Die Ausbeute ist gut, und im Tischlerhandwerk laufe es durchaus gut mit der Ausbildung. „Wir können uns unsere Azubis aussuchen“, sagt Bleydorn. Und die jungen Menschen müssen durchaus vor dem Vertrag schon Einsatz und Bereitschaft zeigen: So wird beispielsweise ein freiwilliges Praktikum in der Ferienzeit vorausgesetzt. Man müsse Begeisterung für den Beruf und das Handwerk mitbringen – und die Fähigkeit, sich mit Kollegen und Kunden gut auszutauschen. Von Azubis werde im dritten Lehrjahr verlangt, dass sie Aufträge vom Zuschnitt bis zum Einbau beispielsweise einer Küche umsetzen.


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