Viel Sprachförderung notwendig Viele Delmenhorster Schulanfänger sind grobmotorisch und dick

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Schulärzte haben bei den Schuleingangsuntersuchungen niedersachsenweit mehr Sprachprobleme festgestellt. In Delmenhorst sind viele Kinder deshalb bereits in Behandlung. Symbolfoto: Markus Scholz/dpaSchulärzte haben bei den Schuleingangsuntersuchungen niedersachsenweit mehr Sprachprobleme festgestellt. In Delmenhorst sind viele Kinder deshalb bereits in Behandlung. Symbolfoto: Markus Scholz/dpa

Delmenhorst/ Landkreis Oldenburg. Was sprachliche Auffälligkeiten angeht, stehen Delmenhorster ABC-Schützen besser da als der Landesschnitt, obwohl 40 Prozent von ihnen einen Migrationshintergrund haben. Allerdings bekommen auch mehr Kinder bereits Sprachförderung als im Landesschnitt. Negativ fallen die jungen Delmenhorster bei Grobmotorik und Gewicht auf, positiv bei der Feinmotorik.

Über 40 Prozent der Kinder im Einschulungsalter haben Sprachprobleme –diese Erkenntnis sticht für das Niedersächsische Landesgesundheitsamt (NLGA) aus den jetzt vorgelegten Ergebnissen der Schuleingangsuntersuchung 2017 heraus. Zum Vergleich: 2010 hatten nur 35 Prozent der Kinder sprachliche Auffälligkeiten. Das entspricht etwa der Situation in Delmenhorst, wo gut 63 Prozent der 673 untersuchten Kinder sprachlich unauffällig sind. Der Landkreis Oldenburg steht mit fast 70 Prozent sprachlich fitten von den 1206 untersuchten Kindern noch besser da.

Ein Fünftel hat Wurzeln in Osteuropa

Diese Zahlen überraschen vor allem in Delmenhorst positiv, wo 40 Prozent (Landkreis Oldenburg: knapp 33 Prozent, Niedersachsen: gut 28 Prozent) der Schulanfänger einen Migrationshintergrund haben – der vierthöchste Wert in ganz Niedersachsen. Gut 21 Prozent der Delmenhorster Kinder haben Wurzeln in Osteuropa, über elf Prozent im Nahen Osten und bei gut fünf Prozent hatte mindestens ein Elternteil bei der Geburt einen türkischen Pass. Nicht nur, dass die Kinder in der Regel mehrsprachig aufwachsen, der NLGA-Abschlussbericht folgert aus seinen Daten allgemein, „dass Kinder mit Migrationshintergrund hinsichtlich ihrer Entwicklungschancen schwierigere Ausgangsbedingungen haben“.

17 Prozent erhalten Sprachförderung

Aber in Delmenhorst bekommen auch überdurchschnittlich viele Kinder bereits sprachliche Förderung: Fast 17 Prozent der untersuchten Kinder sind schon in Behandlung – im Landkreis Oldenburg sind es 14 Prozent, niedersachsenweit 14,6 Prozent. Bei gut neun Prozent der Delmenhorster Kinder empfahl der Schularzt eine ärztliche Abklärung der Sprachprobleme, im Nachbarlandkreis sowie landesweit sind es nur gut sieben Prozent. Lediglich leichte Sprachprobleme, die aus schulärztlicher Sicht keine Behandlung erfordern, gibt es in Delmenhorst (knapp elf Prozent) und im Landkreis Oldenburg (gut sechs Prozent) deutlich seltener als auf Landesebene (knapp 19 Prozent).

Schlechte Quote beim Kindergartenbesuch

Bei vielen Kindern fällt der Förderbedarf schon im Kindergarten auf, bis zum Schulstart haben manche dann schon den Stand ihrer Altersgenossen erreicht. „Kinder, die einen Kindergarten besuchen, sind häufiger unauffällig und altersgerecht entwickelt“, heißt es dazu im NLGA-Bericht. Aber: Nur drei Städte landesweit stehen beim Kindergartenbesuch schlechter da als Delmenhorst, über fünf Prozent der Schulanfänger haben hier keinen Kindergarten besucht. Im Landkreis Oldenburg gilt dies nur für 3,5 Prozent, landesweit sogar für nur zwei Prozent der Kinder.

Doppelt so viele Kinder adipös wie im Landesschnitt

Auch die körperlichen Voraussetzungen der Delmenhorster Kinder erreichen negative Spitzenwerte: Während in Niedersachsen insgesamt zehn Prozent der Kinder leicht bis schwer übergewichtig waren, sind es in Delmenhorst 16,7 Prozent: 7,6 Prozent der Kinder wiegen etwas zu viel, 9,1 Prozent sind sogar adipös, also stark übergewichtig. Letzteren Wert toppt nur Wilhelmshaven, der Landesschnitt liegt bei 4,3 Prozent. Untergewichtige Kinder sind dafür in Delmenhorst vergleichsweise selten, während der Landkreis Oldenburg hier mit 11,5 Prozent leicht bis stark untergewichtigen Kindern den Landesschnitt überschreitet.

Gute Feinmotorik, aber Probleme bei Grobmotorik

Beim Hör- und Sehvermögen der ABC-Schützen liegen Delmenhorst und der Landkreis relativ dicht am Landesschnitt, genauso beim Verhalten, wo gut ein Viertel der Untersuchten leicht oder stark auffällig und zum Teil schon in Behandlung ist. Bei der Feinmotorik sind die kleinen Delmenhorster besser gestellt als der Landesschnitt, rund 81 Prozent brauchen hier keine Unterstützung, im Landkreis und landesweit kommen nur gut 73 Prozent ohne Hilfen aus. Bei der Grobmotorik wiederum ist es umgekehrt: In der Delme-Stadt ist gut ein Zehntel der Schulanwärter schon wegen Auffälligkeiten in Behandlung im Landkreis wie in Niedersachsen insgesamt betrifft dies nur rund fünf Prozent.


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