Demografischer Wandel Delmenhorster wohnen immer öfter alleine

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Immer mehr Delmenhorster leben allein. Symbolfoto: Julian Stratenschulte/dpaImmer mehr Delmenhorster leben allein. Symbolfoto: Julian Stratenschulte/dpa

Delmenhorst . Weil immer mehr Menschen in Delmenhorst alleine leben, steigt der Bedarf an Wohnungen. Bis 2035 soll fast in jedem zweiten Haushalt nur eine Person leben.

Noch nie haben laut Statistischem Landesamt so viele Menschen in Niedersachsen alleine gelebt, wie im Jahr 2017. 42,4 Prozent der Privathaushalte waren Einpersonenhaushalte. Der Mensch wird älter, lebt lieber getrennt von den Eltern und auch Scheidungen gibt es öfter als früher. Dadurch werden in Zukunft mehr Wohnungen für Alleinstehende gebraucht. In Delmenhorst ist die Anzahl der Alleinlebenden noch höher. Laut Prognosewerten der N-Bank im aktuellen Wohnungsmarktbericht wohnen in 43 Prozent der Haushalte Alleinlebende und damit etwas mehr als im Landesschnitt. Bis zum Jahr 2035 soll ihr Anteil in Delmenhorst auf 47 Prozent steigen. Für Deutschland wird nur ein Anteil von 44 Prozent prognostiziert.

Bedarf wächst weiter

Die statistische Haushaltsgröße sinkt in Delmenhorst seit Jahrzehnten. Von 2,17 im Jahr 2000 auf prognostizierte 1,92 im Jahr 2035. „Diese Entwicklung hat hier noch nicht die Größenordnung wie in Großstädten“, betont Stadtbaurätin Bianca Urban. In Bremen und Hamburg sind die Zahlen niedriger. Dennoch müsse Delmenhorst dafür sorgen, dass entsprechende Wohnungen für Alleinstehende zur Verfügung stünden. „Wir brauchen auf jeden Fall mehr kleinere Wohnungen.“ Gleichzeitig würden aber auch größere Wohnungen und Häuser für Familien mit Kindern oder auch Alleinstehende gebraucht. „Zum Beispiel zur Gründung von Wohngemeinschaften.“ Eine Stadt brauche beides: kleine und große Wohnungen. In den nächsten 14 Jahren wird laut Wohnungsmarktbericht ein Zuwachs von über 3000 privaten Haushalten für Delmenhorst prognostiziert.

Nutzergruppe sehr unterschiedlich

Problematisch bei der Schaffung von Wohnraum für Alleinlebende sind die unterschiedlichen Ansprüche dieser Gruppe: Vor allem junge Männer, Geschiedene zwischen 55 und 65 und verwitwete Frauen über 65 Jahre brauchen Wohnraum. „Für die zunehmende Anzahl der Single-Haushalte werden barrierefreie, günstige, kleinere Wohnungen zunehmend benötigt“, heißt es im Wohnungsmarktbericht. Bis zur Gruppe der 55- bis 65-Jährigen wohnen laut Landesstatistik außerdem meistens Männer allein, danach Frauen, bedingt durch die geringere Lebenserwartung von Männern. Bei Singles spielen laut Urban die Lage und das Wohnumfeld, beziehungsweise die Nachbarschaft zum Erhalt und der Schaffung sozialer Kontakte wahrscheinlich eine größere Rolle als die Wohnform selber. Zentrale Lagen in der Nähe von Versorgungseinrichtungen wie Innenstädten oder Nahversorgungszentren seien diesbezüglich als vorteilhaft einzustufen.

Neue Wohnanlagen geplant

„Das ist ein Thema, vor allem für Ältere“, sagt auch die Stadtbaurätin. Kleinere, bezahlbare und barrierefreie Wohnungen seien als Bedarf ausgemacht worden. Neue Wohnangebote im Geschosswohnungsbau sollen aktuell in den Stadtteilen Deichhorst und Heidkrug, an der Delmodstraße und an der Langenwischstraße, realisiert werden. Ebenso sieht der städtebauliche Rahmenplan den Wohnungsbau für diese Nachfrage an der Stedinger Straße vor. „Da entsteht ein gutes, neues Angebot“, betont Urban. Ein Mangel an Wohnraum für Alleinstehende bestehe nicht.

Anteil von Singles an Arbeitssuchenden noch höher

Die Bundesagentur für Arbeit verzeichnete in Delmenhorst zuletzt 2681 alleinstehende Arbeitssuchende, die Grundsicherung erhalten. Das entspricht sogar einem Anteil von 49,1 Prozent der sogenannten Bedarfsgemeinschaften der Agentur.

Selten mehr als zwei Personen im Haushalt

Die Anzahl von sogenannten kleinen Haushalten mit einer oder zwei Personen soll bis 2035 um 3484 anwachsen und hat bereits einen Anteil von mehr als 75 Prozent. Das entspricht laut Wohnungsmarktbericht einer Steigerung von 12,3 Prozent. Gleichzeitig soll die Anzahl der größeren Haushalte mit mehr als drei Personen im selben Zeitraum um 609 oder 6,2 Prozent abnehmen. Die Bereitstellung von kleineren Wohnungen kann laut Wohnungsmarkt auch den Mangel an Einfamilienhäusern in Delmenhorst abfedern. Es sei wohnungspolitische Aufgabe, seniorengerechte Wohnungen mit einer guten Versorgungslage bereit zu stellen, Umzüge zu ermöglichen, damit in Folge dessen, große Bestandswohnungen für Familien frei werden.


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