Delmenhorster vor Gericht Entzugserscheinungen verhindern Prozessstart

Von Ole Rosenbohm

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Weil der Angeklagte wegen seiner Sucht nicht verhandlungsfähig war, musste das Landgericht Oldenburg eine Verhandlung verschieben. Symbolfoto: dpaWeil der Angeklagte wegen seiner Sucht nicht verhandlungsfähig war, musste das Landgericht Oldenburg eine Verhandlung verschieben. Symbolfoto: dpa

Oldenburg/Delmenhorst. Richterin, Staatsanwältin, zwei Schöffen, Gutachterin, Verteidiger, vier Zeugen aus Delmenhorst, auch der Angeklagte – alle waren sie da in Saal 2 des Landgerichts Oldenburg. Der Prozess wegen mehrfachen Diebstahls und Waffenbesitz aber konnte trotzdem nicht starten: Denn der Angeklagte befand sich nicht im Zustand, dem Prozess folgen zu können.

Wegen Diebstahl und Waffenbesitz stand nun ein 34-jähriger Delmenhorster vor dem Landgericht Oldenburg. Der jetzt in Leer wohnhafte Mann ist stark heroinabhängig. Zurzeit wird er substituiert. Seine Ersatzdroge muss er sich jeden Morgen als Tagesdosis bei seinem Substitutionsarzt abholen. Dienstag aber schaffte er das wegen des frühen Verhandlungstermins nicht, gab er an, und litt deshalb unter starken Entzugserscheinungen.

Kein Zweifel an Verhandlungsunfähigkeit

„Ich bin neben der Spur“, sagte er fahrig, bleich und stark schwitzend. An der Verhandlungsunfähigkeit des Angeklagten hatte kein Prozessbeteiligter Zweifel. Also verlegte die Richterin das Verfahren, sparte aber nicht mit deutlichen Worten: „Sie hätten schon gestern Bescheid sagen können“, sagte sie dem Angeklagten: „Passiert das nochmal, nehme ich Sie in Haft. Das hätte ich jetzt schon machen können.“

Delmenhorster Gericht mit milder Strafe

Der 34-Jährige war in erster Instanz wegen eines Diebstahls mit einer Waffe sowie weiteren Diebstählen vom Amtsgericht Delmenhorst zu elf Monaten Haft auf Bewährung verurteilt worden. Weil der Staatsanwaltschaft das Strafmaß aber nicht ausreichte, sie zudem der Bewährung widersprach, legte sie Berufung ein. Entschieden wird darüber nun am 23. Oktober.


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