Seit zehn Jahren in Delmenhorst Bei Wellcome können Eltern wieder Kraft tanken

Von Birgit Stamerjohanns

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Sie verhelfen jungen Eltern zu einer Auszeit: Die Ehrenamtliche Gabriele Ahlers, wellcome-Koordinatorin Anke Grade und die Leiterin der Familienbildungsstätte, Christine Peters (von links). Foto: Birgit StamerjohannsSie verhelfen jungen Eltern zu einer Auszeit: Die Ehrenamtliche Gabriele Ahlers, wellcome-Koordinatorin Anke Grade und die Leiterin der Familienbildungsstätte, Christine Peters (von links). Foto: Birgit Stamerjohanns

Delmenhorst. Seit zehn Jahren unterstützen in Delmenhorst ehrenamtliche Helfer des Projektes Wellcome junge Familien im Alltag. Die Macher müssen allerdings jedes Jahr um Zuschüsse bangen und sind auf Spenden angewiesen.

Die vergangene Nacht war einmal mehr viel zu kurz, das schmutzige Geschirr und die Wäscheberge türmen sich, der Kühlschrank ist leer – und das Baby schreit schon wieder. Junge Eltern kennen diese Situation. „Die ersten Wochen und Monate sind für Eltern eine krisenhafte Situation“, bringt es Christine Peters, Leiterin der evangelischen Familienbildungsstätte, auf den Punkt. „Und zwar für alle, unabhängig von Herkunft und Bildungsgrad.“ Genau dort setzt Wellcome an: Seit zehn Jahren unterstützen ehrenamtliche Helfer Familien im ersten Jahr nach der Geburt ihres Kindes.

Zeit für Hobbys

Gabriele Ahlers ist selbst Mutter von vier Kindern. Seit sechs Jahren arbeitet sie als Ehrenamtliche bei Wellcome. Pro Woche besucht sie für zwei bis drei Stunden eine Familie und kümmert sich um das Baby. „Die Mütter nutzen die Zeit für das, was sie erledigen müssen oder was ihnen guttut“, so Gabriele Ahlers. Sie hat eine Zwillingsmutter betreut, die sich Zeit für das ältere Geschwisterkind nehmen wollte. Andere nutzen die Zeit, um in Ruhe zu putzen und zu kochen, aber auch für Hobbys: „Wir hatten Mütter, die häkeln, joggen oder reiten wollten“, sagt Wellcome-Koordinatorin Anke Grade. Wichtig sei, dass die Eltern Kraft schöpfen, um dann wieder gut für das Kind sorgen zu können. In der Regel versuchten die Eltern erst einmal, sich allein zu helfen und als Paar gegenseitig zu unterstützen. Viele würden aber nach drei bis sechs Monaten merken, dass sie dringend Hilfe von außen brauchen. Oft fehlen jungen Eltern Familienangehörige vor Ort, oder das Verhältnis zu den eigenen Eltern oder anderen Angehörigen ist problematisch.

Akademiker geraten oft aus der Bahn

Wellcome betreut Flüchtlings- ebenso wie Akademikerfamilien. Letztere wirft die Geburt eines Kindes oft besonders aus der Bahn: „Die haben alles genau geplant und vorbereitet und scheitern dann an ihren eigenen Ansprüchen“, hat Christine Peters beobachtet. „Häufig sind die Mütter überfordert und leben permanent mit einem schlechten Gewissen.“ Wellcome-Mitarbeiter nehmen sich nicht nur Zeit für die Kinder, sondern auch für Gespräche, denn häufig fehlt jungen Eltern auch der Austausch. Viele Eltern nutzen nach ihrem Kontakt mit Wellcome weitere Angebote der Familienbildungsstätte.

Projekt wieder auf der Kippe

Wer kann, zahlt für eine Betreuungsstunde fünf Euro. Das Projekt finanziert sich zum größten Teil aus Spenden. Aus öffentlicher Hand erhält Wellcome maximal ein Viertel des Etats, weitere 30 Prozent kommen von der Kirche. „Leider steht das Projekt in jedem Jahr wieder auf der Kippe“, beklagt Christine Peters, „es ist traurig, dass die öffentliche Förderung so gering ist.“

Am Freitag wollen Mitarbeiter und Ehrenamtliche den zehnten Wellcome-Geburtstag mit geladenen Gästen in der Familienbildungsstätte feiern.


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