Psychische Probleme nehmen zu Delmenhorster Selbsthilfe will auch junge Leute auffangen

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Machen sich für Selbsthilfe stark: Sophia Kliemisch, Ulrich Gödel und Renate Muhs (v. l.) setzen sich für eine größere Wahrnehmung von Selbsthilfe in der Gesellschaft ein. Foto: Bettina Dogs-PrößlerMachen sich für Selbsthilfe stark: Sophia Kliemisch, Ulrich Gödel und Renate Muhs (v. l.) setzen sich für eine größere Wahrnehmung von Selbsthilfe in der Gesellschaft ein. Foto: Bettina Dogs-Prößler

Delmenhorst. Wer von schwerer Krankheit oder besonderen Lebensumständen betroffen ist, findet oft in Selbsthilfegruppen Unterstützung. Beim Sommerfest am Samstag wurde noch einmal deutlich, welche Gruppen in Delmenhorst aktiv sind.

In Delmenhorst sind zahlreiche Menschen in Selbsthilfegruppen organisiert, an die 60 unterschiedliche Gemeinschaften existieren derzeit. Mehr als die Hälfte davon trifft sich regelmäßig im Schaar-Haus an der Bremer Straße – einem Bürgertreffpunkt, der 1990 von der Stadt zur Unterstützung der Selbsthilfe eingerichtet wurde.

Psychische Probleme nehmen zu

Dass die organisierten Treffen von Betroffenen nicht an Aktualität verloren haben, zeigen jüngste Entwicklungen. „Vor allem im psychischen Bereich haben wir in den vergangenen zwei, drei Jahren eine deutliche Zunahme“, schilderte Ulrich Gödel, Leiter der Kontaktstelle Selbsthilfe der Stadt, beim Sommerfest der Selbsthilfegruppen am Samstagnachmittag. Davon suchten besonders im Bereich Depressionen immer mehr Menschen Hilfe.

Selbsthilfe will auch junge Leute auffangen

In Delmenhorst trifft die Selbsthilfe auf besonders günstige Voraussetzungen. „Es gibt niedersachsenweit nur drei Häuser wie das Schaar-Haus, das ausschließlich den Selbsthilfegruppen zur Verfügung steht“, schilderte Gödel. Dem Kontaktstellenleiter steht zudem seit November 2017 Sophie Kliemisch als neue Kollegin zur Seite, die sich um den Bereich „junge Selbsthilfe“ für 18- bis etwa 35-Jährige kümmert. „Das Durchschnittsalter in den Selbsthilfegruppen beträgt 55 Jahre. Junge Leute fühlen sich da nicht aufgefangen“, erklärte Renate Muhs, Vorsitzende des Delmenhorster Arbeitskreises der Selbsthilfegruppen. Die neue Ausrichtung mit Blick speziell auf junge Erwachsene soll diese Lücke schließen.

Seltene Krankheiten, Alkoholiker, Anststörungen und noch vieles mehr

In Selbsthilfegruppen kommen Betroffene mit derselben, mitunter seltenen Krankheit, einem gleichen Problem oder den gleichen schwierigen Lebensbedingungen zusammen, aber auch Angehörige von Menschen, die mit unterschiedlichen Krankheiten zu kämpfen haben. Neben der wohl bekanntesten Gruppe der Anonymen Alkoholiker gibt es auch in Delmenhorst mehrere Gruppen, die eine seltene Krankheit als Grundlage haben, wie etwa die Myasthenie-Gruppe für Betroffene einer besonderen Art der Muskelschwäche oder die Gruppe für Hereditäre Spastische Paralyse (HSP), einer langsam fortschreitenden Nervenkrankheit, die zu Lähmungen in den Beinen führt. Darüber hinaus gibt es unter anderem auch Treffen von Menschen mit Angst- und Panikstörungen, Mulitpler Sklerose, Parkinson oder Histaminintoleranz.

Informationen über das gesamte Angebot an Selbsthilfe

„Die Gruppen geben den Betroffenen das Gefühl, mit seinem Problem oder seiner Erkrankung nicht alleine zu sein. Das empfinden viele als Entlastung“, erklärte Renate Muhs. Mit dem jährlichen Sommerfest laden die Organisatoren deshalb nicht nur zu einem zwanglosen Zusammenkommen ein, das Fest informiert gleichzeitig über das gesamte Angebot an Selbsthilfe in Delmenhorst. In den unterschiedlichen Gruppen gibt es übrigens eine große Gemeinsamkeit: Was in der Gruppe besprochen wird, bleibt auch in der Gruppe.

Eine Übersicht über das Selbsthilfeangebot in Delmenhorst findet sich hier.


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