Sozialverband in Delmenhorst Neuer VdK-Chef kritisiert Flut an Formularen

Von Birgit Stamerjohanns

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Blumen zum Amtsantritt: Die VdK-Kreisvorsitzende Dorothea Stelljes-Szukalski begrüßt den neuen Geschäftsführer Frank Ullenboom vor der Geschäftsstelle. Foto: Birgis StamerjohannsBlumen zum Amtsantritt: Die VdK-Kreisvorsitzende Dorothea Stelljes-Szukalski begrüßt den neuen Geschäftsführer Frank Ullenboom vor der Geschäftsstelle. Foto: Birgis Stamerjohanns

Delmenhorst. Viele Bürger werden von ihren Ansprüchen auf Sozialleistungen abgehalten. Ein Grund ist, dass oftmals eine komplexe Bewältigung von Formularen nötig ist. „Wenig bürgerfreundlich“ findet das Frank Ullenboom, neuer Geschäftsführer des Delmenhorster VdK. Im Interview spricht er über den Wert von sozialer Beratung.

Frank Ullenboom ist neuer Geschäftsführer der VdK-Geschäftsstelle in Delmenhorst. Wenn es um eine wichtige Sache geht, wolle er gelegentlich mit dem Kopf durch die Wand und sei recht verbissen, sagt Frank Ullenboom von sich. Der 42-jährige Volljurist kommt gebürtig aus dem Sauerland und hat in Essen als Fachanwalt für Sozialrecht gearbeitet. Vor seinem Wechsel in die Geschäftsstelle des VdK, dessen Mitgliederzahl stetig wächst, war er beim Sozialverband Deutschland (SoVD) in Syke angestellt. Das dk hat mit dem neuen Geschäftsführer gesprochen.

dk: Der Sozialverband VdK ist als Anlaufstelle für Kriegsversehrte und Kriegswitwen gegründet worden. Wer kommt heute zu Ihnen?

Ullenboom: Unsere Klientel ist bunter und gemischter geworden. Wir helfen Menschen, die kurz vor dem Renteneintritt stehen und Fragen haben. Viele Ältere brauchen Beratung zu Themen wie Pflege oder Schwerbehinderung. Aber oft kommen auch junge Leute, die mitten im Berufsleben stehen und die eine neue Situation meistern müssen: Hartz IV, eine Umschulung wegen Berufsunfähigkeit, ein Unfall. Auch Jugendliche oder junge Erwachsene zählen zu unseren Mitgliedern, wenn sie zum Beispiel um die Anerkennung einer Schwerbehinderung kämpfen.

Wie entwickeln sich Ihre Mitgliederzahlen?

Es ist ein kontinuierlicher Anstieg zu erkennen. Allein in diesem Monat sind in unserem Kreisverband ungefähr 50 Mitglieder dazugekommen. Der Kreisverband Delmenhorst betreut 14 Ortsverbände und mehr als 5000 Mitglieder. Wir sind der mitgliederstärkste Kreisverband im Landesverband.

Wie erklären Sie sich den Anstieg?

Die Anforderungen, den Formular-Dschungel bei Behördengängen zu meistern, sind in den vergangenen Jahren viel höher geworden. Die Leute sind auf unsere Unterstützung angewiesen. Die Flut an Formularen überfordert viele, manches ist auch unklar formuliert. Wo muss ich was eintragen, was wollen die von mir wissen, warum soll ich alle Angaben wieder und wieder machen? Gerade bei der Rente muss man viele Daten, die eigentlich vorliegen, mehrfach in Formulare eintragen. Das ist nicht bürgerfreundlich und für viele eine große Hürde. Ich bin überzeugt, dass dadurch viele Menschen von Leistungen, die ihnen eigentlich zustehen, abgehalten werden.

Wie wollen Sie als Geschäftsführer die Zukunft des VdK gestalten? Was haben Sie sich vorgenommen?

Wir haben uns in den vergangenen 70 Jahren zu einem modernen Sozialdienstleister entwickelt. Für mich ist wichtig, dass wir in Delmenhorst als Ansprechpartner in Sozialfragen wahrgenommen werden. Wir wollen den Verband in seiner Tradition bewahren, dafür müssen wir auch jüngeren Nachwuchs im Ehrenamt finden. Ich bin als Geschäftsführer auf die ehrenamtlichen Helfer angewiesen, die für unsere Mitglieder Ausflüge, Klönnachmittage und Vorträge zu sozialpolitischen Themen vorbereiten. Für uns als Sozialverband ist die Beratung wichtig, aber eben auch der gesellige Aspekt.

In der Vergangenheit hat es Probleme in der Geschäftsstelle gegeben. Es mussten Sprechstunden ausfallen.

Wir hatten Probleme mit Krankheit und Arbeitsüberlastung. Nun bieten wir offene Sprechstunden am Montag und am Mittwoch in der Zeit von 9 bis 11.30 Uhr an. Da können Mitglieder ohne Termin zu uns kommen, wenn sie eine kurze Frage haben oder Unterstützung bei einer fristgebundenen Angelegenheit brauchen. Termine lassen sich für die Sprechstunden am Mittwoch von 15 bis 18 Uhr und am Donnerstag von 9 bis 12.30 Uhr vereinbaren. Da beraten wir auch zu komplexeren Themen.


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