Leuchtturm-Medizin in Delmenhorst JHD soll künftig führend bei Herzbehandlungen sein

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JHD-Geschäftsführer Florian Friedel, Dr. Klaus Gutberlet, Dr. Götz Buchwalsky und Dr. Matthias Viemann stellten die Kooperation mit der Elektrophysiologie Bremen vor. Foto: Kai HasseJHD-Geschäftsführer Florian Friedel, Dr. Klaus Gutberlet, Dr. Götz Buchwalsky und Dr. Matthias Viemann stellten die Kooperation mit der Elektrophysiologie Bremen vor. Foto: Kai Hasse

Delmenhorst. Das JHD in Delmenhorst und eine spezialisierte Ärztegemeinschaft aus Bremen zur Elektrophysiologie werden kooperieren. Das berichteten beide Unternehmen am heutigen Donnerstag, 29. August. Damit soll eine Art „Leuchtturm“ der Herzbehandlung in Delmenhorst entstehen mit europaweiter Zielgruppe.

Das JHD soll ab Herbst ein neues Behandlungsgebiet hinzugewinnen. Dafür kooperiert die städtische Klinik mit dem Ärztezusammenschluss Elektrophysiologie Bremen. Deren Fachgebiet ist die Behandlung von Herzrhythmusstörungen. Die Behandlung mit elektrischen Reizen, um angeborene Herzfehler oder beispielsweise Vorhofflimmern zu beseitigen, sei ein massiv wachsender medizinischer Bereich. Klinik-Geschäftsführer Florian Friedel spricht davon, dass dadurch ein medizinischer Leuchtturm in Delmenhorst entstehe, der überregionale Bedeutung habe.

Korrektur von angeborenen Herzfehlern

Götz Buchwalsky, Arzt der Elektrophysiologie, erklärte bei einem Termin im JHD kurz die Funktionsweise und Bedeutung: Bestehe ein Herzfehler, sei es möglich, einen Katheter von der Leiste zum Herzen zu legen, dort einen Muskelbereich zu identifizieren, der aus dem Takt schlägt, und auf ihn dann einen Impuls zu geben, der seinen Schlag korrigiert. Was simpel klingt, bedeute zum Teil eine große Verbesserung: Patienten müssten beispielsweise keine Medikamente nehmen und sich nicht einschränken. Zudem sei in Delmenhorst die Kinderklinik so gut ausgebaut, dass hier die Korrektur von angeborenen Herzfehlern möglich ist. Ein Team von etwa fünf Ärzten um den Arzt Joachim Hebe würde in Delmenhorst arbeiten.

Technik im Förderbescheid enthalten

Entscheidend für die Elektrophysiologie sein in Delmenhorst die gute begleitende Kompetenz, die die Spezialisten aus Bremen unbedingt brauchen. Um Kinderklinik-Chef Matthias Viemann und den Chef der Klinik für Innere Medizin, Klaus Gutberlet, sei diese fachliche Kompetenz geboten. Zudem gebe es in Delmenhorst die Technik – zumindest laut Plan ab dem 1. Januar 2019. Dann werde es einen Linksherzkathetermessplatz in Delmenhorst geben: komplizierte Technik, die rund 400.000 Euro kostet. Und deren Finanzierung im Förderbescheid des Landes fürs JHD steckt, wie Friedel erklärt. Steht das Gerät, können Rhythmusstörungen bei Kindern behandelt werden – und dafür kämen nach Erfahrungen von Buchwalsky Patienten aus ganz Europa. „Wenn sie nach einem Leuchtturm in diesem Bereich suchen“, so Friedel, „der ist dann hier.“ Etwa 280 Behandlungen an Kindern mit der neuen Methode könnten dann im Jahr in Delmenhorst möglich sein. Das sei mehr als in jedem anderen Krankenhaus in Deutschland.

Liegekapazität in Kinderklinik gegeben

Der Vertrag mit der Elektrophysiologie gelte ab dem 1. Oktober. Er ist gerade erst unterschrieben worden. Kinderklinik-Chef Viemann erklärt, dass sich der zusätzlich benötigte Platz in der Kinderklinik durchaus ergebe: Eltern seien dazu geneigt, ihre Kinder möglichst schnell nach Hause zu bringen, weshalb die Liegekapazität da sei. Buchwalsky betont, dass die neue Methode der Elekrophysiologie bei Herzrhythmusbehandlungen von Kindern eine Erfolgsquote von bis zu 98 Prozent habe. Herzfehler bei Kindern würden oft zu schlechter Belastbarkeit führen und zu vielen Folgeproblemen – wie auch bei Herzfehlern von Erwachsenen. „Eine Unterversorgung bei Kindern,“ so Buchwalsky, „ist grausam.“ Das soll sich durch das Team in Delmenhorst, das bisher weitere Kooperationen mit drei weiteren Kliniken der Region hat, ändern.


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