Palliativstation Delmenhorst Rosenduft und Mandarine helfen in den schwersten Stunden

Meine Nachrichten

Um das Thema Delmenhorst Ihren Nachrichten hinzuzufügen, müssen Sie sich anmelden oder registrieren.

Düfte spielen auf der Palliativstation Delmenhorst eine große Rolle. Foto: Bettina Dogs-PrößlerDüfte spielen auf der Palliativstation Delmenhorst eine große Rolle. Foto: Bettina Dogs-Prößler

Delmenhorst. Es sind nicht immer nur Medikamente, die helfen: Auch mit unkonventionellen Behandlungsmethoden werden auf der Palliativstation in Delmenhorst beachtliche Erfolge erzielt. Duftöle und Pflanzen kommen dort zum Einsatz, wo man normalerweise mit Tabletten und Infusionen rechnet.

Seit zehn Jahren engagieren sich auf der Palliativstation des Josef-Hospitals Menschen verschiedene Fachrichtungen dafür, die Lebensqualität von Schwerstkranken zu verbessern. Wofür auf anderen Stationen kaum Zeit bleibt, gehört hier zum pflegerischen Alltag: Zeit zum Zuhören, Massagen zur Stärkung des Wohlbefindens, das Anschalten der Lieblingsmusik, der Einsatz von Duftölen. Mit beachtlichen Ergebnissen: „Wir erzielen wirklich gute Erfolge damit“, schildert Petra Kondratzki, stellvertretende Stationsleitung der Palliativstation.

Aromapflege Teil des Angebots

Vieles läuft auf dieser besonderen Station anders. Das fängt damit an, dass hier nicht die Krankheit zählt, sondern das Leben mit ihr unter den bestmöglichen Umständen. Verschiedene Fachbereiche arbeiten dafür Hand in Hand, über den Zustand der Patienten sowie der Angehörigen erfolgt ein ständiger intensiver Austausch. Zum Einsatz kommen dabei auch unkonventionelle Behandlungsmethoden, die in erster Linie Körper und Seele wieder miteinander vereinen sollen. So sind Petra Kondratzki und Kollegin Miriam Stolle nicht nur wie die anderen Kollegen auf der Station für den Zusatzbereich der palliativen Versorgung ausgebildet – die Krankenschwestern verfügen außerdem über eine Ausbildung im Bereich Aromapflege.

Düfte helfen dem Wohlbefinden

Was sich genau dahinter versteckt, haben Kondratzki und Stolle im Zuge der Veranstaltungsreihe anlässlich der Jubiläumswoche der Palliativstation vorgestellt, die gerade im Stadtkrankenhaus gefeiert wurde. „Düfte wirken auch auf das vegetative Nervensystem – sie können uns anregen oder beruhigen, den Schlaf fördern oder auch angenehme Erinnerungen in uns wachrufen“, schildert Petra Kondratzki bei einem Vortrag über unterstützende Behandlungsmethoden.

Mandarine fördert das Loslassen

Auf der Palliativstation offenbar mit beachtlichem Erfolg. „Bei einem Patienten, der nicht zu Ruhe kam, haben wir ein Duftöl zur Beruhigung ins Zimmer getan“, so die stellvertretende Stationsleiterin. Kurze Zeit später habe der Mann endlich wieder in den Schlaf gefunden. In einem anderen Fall ging es auf das Ende zu, schwere Stunden lagen vor dem Patienten und seinen Angehörigen. „In solchen Situationen hilft der Duft von Mandarine ungemein“, berichtet Miriam Stolle. In dem Zimmer wurde eine Duftlampe aufgestellt, was sowohl Patient als auch Angehörige als sehr angenehm empfunden hätten. Kondratzki: „Mandarine fördert das Loslassen. Eine Erfahrung, die wir bestätigen können.“

Kraft der Pflanzen im Einsatz

Doch auch im medizinischen Bereich kommt die Kraft der Pflanzen zum Einsatz. „In der Wundversorgung arbeiten wir mit großem Erfolg mit Rosenhydrolat“, so die ausgebildete Wundfachfrau Kondratzki. Der angenehme Geruch sorge außerdem dafür, dass es auch von den Patienten gut angenommen werde. Auch ein Gemisch aus Olivenöl und Lavendel, das unter anderem bei wund-gereizter Haut verwendet werde, habe sich auf der Station bewährt. „Nach ein bis zwei Tagen Anwendung sehen wir bereits große Erfolge.“

Berührungen durch Decken und Mützen

Ob mit oder ohne Duft: Eine große Rolle spielt auf der Palliativstation auch die Berührung. „Wer nicht berührt wird, der verkümmert“, führt Miriam Stolle aus. Viele der Patienten seien in der Bewegung eingeschränkt, durch Krankheit und Medikamente könnten viele ihren Körper nicht mehr richtig spüren. Petra Kondratzki: „Diesen Patienten kann man durch Begrenzungen ein Gefühl der Sicherheit vermittelt, etwa in dem man ihnen zusammengerollte Decken an die Fußsohlen legt und eine Mütze aufsetzt.“

Mehr Lebensqualität vor dem Lebensende

Zusammen mit Physiotherapeuten, Ergotherapeuten, Psychotherapeuten, Seelsorgern und Sozialarbeitern setzen sich die Ärzte und Pflegekräfte der Palliativstation unter Leitung von Dr. Ales Stanek dafür ein, Menschen, deren Lebensende absehbar ist und die schwer krank sind, zu mehr Lebensqualität zu verhelfen. Neben Medikamenten zur Schmerzreduzierung werden sie in verschiedenen Bereichen therapeutisch versorgt. Ziel ist, dass die Patienten nach Hause zurückkehren oder auf den Hospizplatz wechseln können. Unterstützt wird die Station dabei vom Förderverein Palliativstation Delmenhorst.


Weitere Angebote, Produkte und Unternehmen der noz MEDIEN