Delmenhorster bejubeln „Ball im Savoy“ MSD-Operette feiert mit frivolen Verwechslungen Premiere

Von Jasmin Johannsen

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Delmenhorst. Frech, jazzig und überraschend: Mit der Operette „Ball im Savoy“ hat sich die Musikschule Delmenhorst (MSD) am Samstag im Kleinen Haus selbst übertroffen. Das Publikum zeigte sich von der Premiere begeistert.

Mit stehenden Ovationen und großem Applaus bejubelte das Delmenhorster Publikum am Samstagabend die Premiere der neuen Produktion der städtischen Musikschule (MSD). Die Operette „Ball im Savoy“ kam mit ausgefallenen Verwechslungsspielen und Eifersüchteleien dekadent, frivol und äußerst amüsant daher. Ein gelungener Abend, der die rund 300 Zuschauer in die überbordenden Adelsgesellschaften Anfang der Dreißigerjahre entführte.

Ein Marquis zwischen Angetrauter und Geliebter

Zur Handlung: Der Marquis Aristide de Faublas (Philipp Berse) kehrt mit seiner nicht mehr ganz so frisch angetrauten Frau Madeleine (Sylke Heil) von der Hochzeitsreise zurück. Volle zwölf Monate haben die Eheleute geflittert. Nun ist der Spaß vorbei und Aristide erwartet der Alltag in Nizza, zu dem vor seiner Vermählung auch seine Geliebte, eine gewisse holländische Tänzerin, gehört hat. Eben diese verführerische Tangolita (Eyke Swarovsky) fordert nun ein langversprochenes „Souper“ mit dem Lebemann ein. Treffpunkt ist das Séparée auf dem Ball im Savoy.

Verwechslungsspiel um scheuen Komponisten

Mithilfe seines Freundes, des türkischen Botschaftsattachés Mustafa Bei (Michael Müller), heckt Aristide einen Plan aus. Schließlich soll die eifersüchtige Madeleine nicht misstrauisch werden, wenn ihr Ehemann sie am ersten Abend im gemeinsamen Zuhause alleine lässt. Dankenswerterweise spielt auf dem Ball der öffentlichkeitsscheue Komponist Pasodoble auf. Diesen geben die beiden Freunde als alten Bekannten aus, den sie unbedingt besuchen müssen. Was Mustafa und Aristide allerdings nicht wissen ist, dass hinter dem Komponisten eigentlich die junge Daisy Parker (Ilka Lawendel) steckt, ihrerseits Freundin von Madeleine. Und so nimmt das Verwechslungsspiel seinen Lauf…

Spielfreude und Situationskomik überzeugen

Mit sichtlicher Spielfreude reicherten das Ensemble und das Orchester unter Leitung von Adrian Rusnak die ohnehin amüsante Operette an. Urkomisch ist es, wenn Mustafa seine sechs verflossenen Frauen („Je kürzer die Ehe, desto länger die Freundschaft!“) zum Rapport bittet und nicht nur eine ihn um mehrere Köpfe überragt. Oder Modeschöpfer Monsieur Albert (Johannes Holzenkämpfer) Madeleine mit viel Hüftschwung beibringt, wie eine Kokotte aufzutreten hat, und Tangolita mit breitem holländischem Akzent auf High Heels über die Bühne stöckelt. Dazu spielen die Musiker jazzig auf und entstauben kurzerhand das klischeehafte Bild des Operettengenres.

Ernste Botschaft berührt zum Schluss

Trotz allem Amüsement erinnert das Ensemble allerdings auch an das Schicksal der Originalbesetzung bei der Erstaufführung von „Ball im Savoy“ am 23. Dezember 1932 in Berlin. Die Hauptdarsteller Gitta Alpár, Rosy Barsony und Oskar Dénes, der Komponist Paul Abraham sowie die Librettisten Alfred Grünwald und Fritz Löhner-Beda werden allesamt nur Monate nach der Premiere von den Nationalsozialisten aufgrund ihres jüdischen Glaubens verfolgt, müssen fliehen oder sterben in Konzentrationslagern. „In 13 Jahren wollen Sie, liebes Publikum, von diesen Verbrechen nichts mehr gewusst haben. Und in 85 Jahren werden Sie eine Partei wählen, die verspricht Sie vor dem Fremden zu schützen. Aber im Moment leben wir ja noch alle“, stellt Müller als Komponist Abraham fest. Nicht nur, aber vor allem auch für diese berührenden und nachdenklichen Aussagen spendete das Publikum anerkennenden Applaus.


Wem die Premiere entgangen ist, dem stehen noch sechs Termine zu Verfügung, um am „Ball im Savoy“ teilzunehmen. Weitere Vorstellungen finden jeweils am Freitag, 31. August, 7. und 14. September, um 19.30, sowie am Sonntag, 2. und 9. September, um 16 Uhr im Kleinen Haus statt. Die letzte Aufführung ist am Samstag, 15. September, um 19.30 Uhr. Die Karten kosten zwölf Euro für Erwachsen und fünf Euro für Schüler und Studenten. Sie können in der Musikschule (Schulstraße 19) oder an der Abendkasse erworben werden.

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