Gut 30 Gäste bei Nörgler-Stadtführung Zwei Motzköpfe werfen liebevollen Blick auf Delmenhorst

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Delmenhorst. „Nörgeln sie nicht, fehlt ihnen was“, sagen Thomas Meyer und Johannes Mitternacht über ihre Mit-Delmenhorster. Bei ihrer „Stadtführung für Nörgler“ meckern sie zwei Stunden lang und zeigen doch das Schöne an der Stadt.

Gerippe in alten Zinnkisten und eine Burginsel ohne Burg – was Delmenhorst sich vom Glanz der Grafenzeit erhalten hat, begeistert Stadtkirchen-Pfarrer Thomas Meyer und Schauspieler Johannes Mitternacht so gar nicht. Oder doch? Bei ihrer „Stadtführung für Nörgler“, die am Samstagnachmittag mit gut 30 Interessierten am Burginsel-Eingang startete, nahmen die beiden gebürtigen Delmenhorster sehr unterhaltsam die Neigung ihrer Stadt zur Selbstzerfleischung aufs Korn. Und obwohl sie dabei selbst in die Rollen zweier „Motzköpfe“ schlüpften, gelang es ihnen, mit liebevollem Blick viel Wissenswertes über die Delme-Stadt und ihre Geschichte zu vermitteln.

800 Jahre Delmenhorster Desaster

Aber von vorn: „Vor 800 Jahren hat das Desaster in Delmenhorst angefangen“, schaut Johannes Mitternacht zurück. Die ehemals wehrhafte Burg verkam nach dem tödlichen Reitunfall des kinderlosen Grafen Christian 1647, heute erinnern nur noch Teile des Fundaments und der zweite Wassergraben daran. „Erst vergammeln lassen und dann abreißen, das hat in Delmenhorst gute Tradition“, flachsen die Stadtführer. Und ein Zwischenrufer verweist aufs nahe City-Parkhaus. Immerhin, das vom Heimatverein Delmenhorst ermöglichte bronzene Burgmodell am Grafteingang zeigt, wie die Burg mal aussah, lobt Johannes Mitternacht – „aber was das wieder gekostet hat“, hadert Thomas Meyer.

Tolle Aussicht vom „hässlichen Wasserbunker“

Selbst am Graftidyll lässt der selbst erklärte Tiergarten-Fan kaum ein gutes Haar. Und das Beste an Delmenhorst? Die kurzen Wege. „Da ist man schnell wieder raus aus dem Kaff“, sagt Meyer. Den Weg nahmen auch manche Wertsachen. Die Grabbeigaben aus der Grafengruft rissen sich die Oldenburger unter den Nagel, bedauern die Stadtführer. „Delmenhorst wurde von Anfang an von der Metropolregion geschröpft“, mosert Johannes Mitternacht. Doch immer wenn der eine motzt, setzt der andere dem etwas entgegen. Der „hässliche Wasserbunker“ gewährt eine tolle Aussicht. Das teuer erbaute graue Rathaus ist vom Architekten Stoffregen vom Türgriff bis zu den Papierkörben durchdacht.

Einhelliges Lob für Markthalle

Einig sind sich die beiden Ober-Nörgler bis zum Abschlusskaffee in der Stadtkirche nur einmal: Die restaurierte Markthalle überzeugt als stimmungsvoller Veranstaltungsort. Zwei Jahre gingen Mitternacht und Meyer mit der Idee der Nörgler-Stadtführung nach eigener Auskunft schwanger –das hat sich gelohnt. Wer den kurzweiligen, informativen Gang durch Graft und City mitmachen will, hat am Samstag, 27. Oktober, ab 14 Uhr noch einmal die Chance dazu. Der Eintritt ist frei, erbeten werden Spenden und eine Anmeldung unter (04221)12640.


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