Flüchtlings-Radio aus Delmenhorst Ben Saad will Fragen der Flüchtlinge beantworten

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Ramzi Ben Saad an seinem Pult. Er will mit seinen Sendungen die Kulturen näher zusammenbringen. Foto: Kai HasseRamzi Ben Saad an seinem Pult. Er will mit seinen Sendungen die Kulturen näher zusammenbringen. Foto: Kai Hasse

Delmenhorst. Eine neue Radiosendung soll Flüchtlingen die Integration in Delmenhorst und umzu erleichtern. Dafür produziert der Tunesier Ramzi Ben Saad nun Beiträge in deutscher und arabischer Sprache. Sie sollen über Flüchtlingsthemen informieren und helfen, bestehende Ansichten zu überdenken.

Unter dem Titel „Neue Nachbarn“ wird es nun eine neue Radiosendung in der Region Delmenhorst geben. Prodiziert wird sie im Nordwolle-Gelände von dem Tunesier Ramzi Ben Saad.

Deutsche spielen guten Fußball. Sie haben mindestens ein Auto, kommen immer pünktlich und sind arrogant. Oder? Und Flüchtlinge aus dem arabischen Raum sind ...wie eigentlich? Und was sind ihre Probleme? Beide Kulturellen könnten mehr voneinander wissen. Das will Ramzi Ben Saad erreichen. „Ich will Fragen beantworten“, sagt er. „Ich greife sie auf, befrage Spezialisten – und gebe die richtige Antwort.“ Seine erste Sendung, die bei Radio Weser TV gesendet wird, thematisiert Hochzeiten in Deutschland und der arabischen Welt, und welche Unterschiede es gibt – und führt zum Thema Familiennachzug: Wer darf kommen, nach welchen Kriterien und wer hat Vorrang.

In Delmenhorst fügt sich alles

„Das Projekt ist in dieser Form einmalig“, sagt Necaattin Arslan, Projektleiter von „Neue Heimat in Niedersachsens Museen“ vom Museenverband Niedersachsen und Bremen bei der Vorstellung des Radioprojektes. 30.000 Euro kostet es, Ben Saad für ein Jahr samt Ausrüstung als Radiomacher einzustellen. Finanziert wird das Vorhaben vom Kultusministerium und dem Projekt „Neue Heimat“ zur kulturellen Integration für Geflüchtete. Sieben Museen im Land wurden gefunden, bei denen mit, für und vor allem von Geflüchteten ein Betrag geleistet wird. Ben Saad ist einer dieser Macher. In seiner Heimat Tunesien war er bereits Radiomoderator. Seine Beiträge, beispielsweise über Korruption, wurden politisch für ihn heikel – der 33-Jährige floh. Der Museumsverband initiierte das Projekt, und gerade in Delmenhorst fügte es sich: Die VHS, in der Ben Saad lernt, das Museum, für das er einen arabischen Audio-Guide erstellt, und der Förderkreis Industriemuseum als formaler Arbeitgeber arbeiten eng verzahnt. „Dieses Projekt passt wunderbar zu Delmenhorst und zum Museum“, sagt Friedrich Hübner, Chef des Förderkreises.

Sendeplatz wird erwartet

Seinen ersten Beitrag über Ehe in den unterschiedlichen Kulturen und den Familiennachzug führt Ben Saad bei der Präsentation seiner Arbeit kurz vor: Eine Mischung aus Umfrage auf der Straße, juristischen Infos, etwas Musik, die Beiträge sind auf Deutsch und Hocharabisch – Hocharabisch, weil die regionalen Dialekte der Sprache von Nordwestafrika bis in den Nahen Osten sehr variieren. Noch erwartet man einen Sendeplatz in der oder den kommenden Wochen – anvisiert ist Donnerstags von 19 bis 20 Uhr. Der nächste Beitrag ist bereits in Planung: Es wird um Kommunikation gehen: „Was heißt Nein in Deutschland, und was heißt es in Arabien?“, erklärt er. Arslan vom Museumsverband gibt einen Hinweis auf die dem Deutschen fremden Konventionen: Fragt man einen Araber, ob er beispielsweise etwas essen will, wird er aus Höflichkeit mehrmals Nein sagen – obwohl er eigentlich will. Arslan: „Beim fünften Mal nimmt er dann etwas.“


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