Handwerk in Delmenhorst Guter Lohn soll Bäckerberuf attraktiv machen

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Im Bäckereihandwerk gibt es nach Tarifverhandlungen nun höhere Löhne. Symbolfoto: dpaIm Bäckereihandwerk gibt es nach Tarifverhandlungen nun höhere Löhne. Symbolfoto: dpa

Delmenhorst. Bäcker sollen künftig mehr Geld bekommen. Das besagt ein neu abgeschlossener Tarifvertrag in dem Handwerk. Die Chefs regionaler Bäckerunternehmen begrüßen den Abschluss, weil er auch die Attraktivität des Berufs steigern könne.

Um rund zwei bis drei Prozent, je nach Gehaltsgruppe und Arbeitsbereich, sollen die Löhne der Bäcker und Bäckereifachverkäuferinnen künftig steigen. Den Vertrag haben der Bäckerinnungsverband Niedersachsen/Bremen und die Gewerkschaft Nahrung Genuss Gaststätten (NGG) abgeschlossen. Geschäftsführer lokaler Bäckereien nehmen das wohlwollend zur Kenntnis. Aber zum Teil zahlen sie auch bereits jetzt mehr als den tariflichen Lohn.

Kritik an Dumpinglöhnen

Wie beispielsweise Christian Peter Brück. Er ist der Chef in der Bäckerei Becker in der Grünen Straße mit 16 Mitarbeitern. Er bezahle über Tarif. „Aber generell finde ich einen guten Tarifvertrag gut, denn Großbäckereien arbeiten die Menschen zum Teil zu Dumpingpreisen. Das drückt dann die Preise und die Löhne. Gutes Handwerk muss aber anständig bezahlt werden.“ Das gelte auch für die Attraktivität des Handwerks: Die Bäckereibetriebe hätten durchaus Probleme, geeignete Azubis zu finden. Dass es in Großbäckereien zu wenig Geld gäbe, läge aber auch daran, dass sich Arbeitnehmer nicht organisieren. „Wenn sie sich nicht organisieren, dann bekommen sie auch kein gutes Geld“, sagt er.

Delmenhorster meist über Tarif

Wilhelm Haferkamp, Chef der gleichnamigen Bäckerei in Delmenhorst mit rund 200 Beschäftigten und Obermeister der örtlichen Innung, begrüßte die Tariferhöhung ebenso, allein weil die Lebenserhaltungskosten ebenso steigen. Für die Region Delmenhorst hätte der Tarifabschluss aber wenig Bedeutung, weil man nicht im Verbund sei. „Für Delmenhorst ist das also maximal eine Empfehlung.“ Dennoch: Bäcker und Bäckereifachverkäufer der Stadt und umzu würden zum Teil deutlich über Tarif bezahlt. Auch neben dem Tarif werde sich so der Lohn entwickeln. Das kostet die Unternehmen mehr – „aber was uns derzeit mehr zu schaffen macht, ist der steigende Preis des Mehls, durch die vergangene Dürre“, meint Haferkamp. Der Preis des Mehls und die Entwicklung der Löhne zusammen würde dann auch bedeuten, dass die Kunden letztlich auch mehr Geld für Brot und Brötchen werden ausgeben müssen. „Ohne kann es nicht gehen“, sagt der Obermeister.

Mangel an Azubis

Auch Haferkamp erklärt, dass steigende Löhne die Attraktivität des Berufs steigern könnten. Denn wie viele Gewerke kranke auch das Bäckerhandwerk unter Azubi-Mangel. Ein Blick auf die Stellenbörse der Kreishandwerkerschaft Delmenhorst/Oldenburg-Land zeigt: Momentan werden in der Produktion zwei Bäcker und sieben Bäcker-Azubis gesucht, zumeist ab sofort. Im Bereich Verkauf werden fünf Fachverkäufer gesucht sowie 20 Fachverkäufer-Azubis – bei insgesamt zwölf in der lokalen Handwerkerschaft organisierten Betrieben.

Der Tarif, auch wenn laut Haferkamp nicht zwingend für Delmenhorster Betriebe, würde Bäckern nach der Ausbildung 9,46 Euro pro Stunde zugestehen. Nach dem zehnten Gesellenjahr wären es 13,39 Euro pro Stunde. Grob kalkuliert auf einen Arbeitsmonat sind das – acht Stunden täglich und 22 Arbeitstagen monatlich angenommen – rund 1660 Euro monatlich als frischer Geselle und 2350 Euro als Geselle nach zehn Jahren. Für Bäckereifachverkäufer wären es 9,28 Euro die Stunde (rund 1630 Euro/Monat) nach der Ausbildung und 11,52 Euro pro Stunde (gut 2000 Euro/Monat) nach zehn Gesellenjahren.


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