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22.08.2018, 08:28 Uhr KOLUMNE

Quergedacht: Vom Neid auf die Wespen

Von Marco Julius

Während die Biene eine Lobby und mit Biene Maja einen liebenswerten Imageträger hat, sind Wespen verlässlich in jedem August das Hassobjekt schlechthin. Foto: Paul Zinken/dpaWährend die Biene eine Lobby und mit Biene Maja einen liebenswerten Imageträger hat, sind Wespen verlässlich in jedem August das Hassobjekt schlechthin. Foto: Paul Zinken/dpa

Delmenhorst. Wespen haben ein Imageproblem. Damit stehen sie nicht allein. Dabei machen sie eine gute Figur, haben Humor und interessieren sich sogar für Kunst. Eine neue Folge „Quergedacht“.

Wer hat nicht alles ein Imageproblem? Das Handwerk, die Bundeswehr, die Automobilindustrie sowieso. Nicht umsonst heißt es ja nicht erst seit dem Diesel-Skandal: Gott schütze uns vor Sturm und Wind – und Autos, die aus Wolfsburg sind. Der Fußballweltverband Fifa hat natürlich auch ein Imageproblem. Stichwort Korruption. Alle Menschen sind bestechlich, sagt die Biene zu der Wespe. Letztere wiederum hat auch ein Problem mit ihrem Leumund. Während die Biene eine Lobby und mit Biene Maja einen liebenswerten Imageträger hat, sind Wespen nämlich verlässlich in jedem August Hassobjekt. Aggressiv seien sie, Teil einer Plage, ja: einer Invasion. Ganz so als seien Wespen der radikalisierte Teil der Bienen, quasi der bewaffnete Arm ihrer honigsaugenden schwarz-gelben Brüder und Schwestern. Der Mensch denkt angesichts der vielen Wespen: Kein Grund zur Panik! Aber Anlass zur Hysterie!

Veitstänze im Café

Und so sind in Außenbereichen der Cafés derzeit wahre Veitstänze zu erleben. Der Mensch windet sich, er fuchtelt mit den Armen windmühlengleich, er schlägt mit der flachen Hand Luftlöcher, er verrenkt sich beim Versuch, das Insekt wegzuwedeln, springt auf, läuft um Tische, kreischt und schreit in spitzen Tönen. Summa summarum gibt er eine ziemlich jämmerliche Figur ab. Die gemeine Wespe hingegen schaut sich dieses unwürdige Schauspiel buddhistisch gelassen an. Am Ende eines langen Sommers ist sie müde. Sie weiß, dass ihr Image nicht zu retten ist. Sie weiß auch, wie neidisch der Mensch ist. Denn sie stürzt sich als Wespe auf kalorienreiche Kost wie Bratwurst, Spaghettieis und Pflaumenkuchen, schwimmt im Bier und taucht in den Milchkaffee – und behält dennoch ihre Wespentaille. Und Humor hat die Wespe obendrein. Fragt eine Wespe die andere: „Interessierst Du Dich für Kunst?“ „Ja, wieso?“ „Dann lass uns mal zu dem Typen da fliegen, dann zeige ich Dir ein paar alte Stiche.“


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