Kabarett in Markthalle „Fatih Morgana“ polarisiert Delmenhorster Publikum

Von Jasmin Johannsen

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Platte Witze reichen ihm nicht aus: Der Kabarettist Fatih Çevikkollu warb in der Markthalle mit offenen Schuhen um mehr gesellschaftliche Empathie. Foto: Jasmin JohannsenPlatte Witze reichen ihm nicht aus: Der Kabarettist Fatih Çevikkollu warb in der Markthalle mit offenen Schuhen um mehr gesellschaftliche Empathie. Foto: Jasmin Johannsen

Delmenhorst. Fatih Çevikkollu hatte am Freitagabend in der Markthalle keinen leichten Stand bei seinem Publikum. Zwischenrufe dominierten sein durchaus kurzweiliges und hintersinniges Programm „Fatih Morgana“.

Er erklärt, philosophiert, spielt mit Vorurteilen und hält seinem Publikum am Ende auf mitunter durchaus unangenehme Art den Spiegel vor: Der Kölner Kabarettist Fatih Çevikkollu präsentierte am Freitagabend sein Soloprogramm „Fatih Morgana – Analog aber sexy“ in der Delmenhorster Markthalle und nahm dabei kein Blatt vor den Mund. Das kam allerdings nicht bei allen 110 Zuschauern im Rundbau gleich gut an.

Werbung für mehr Empathie

Es war eine Mischung aus Politsatire, Nostalgie und Werbung für deutlich mehr Empathie, die Çevikkollu vortrug. Markige Sprüche wechselten sich mit feinem Wortwitz ab, und wer den Kölner aus den Publikumsreihen störte, der bekam gleich einmal einen verbalen Maulkorb verpasst.

Es nerve ihn, sagte Çevikkollu, immer wieder als Deutscher mit türkischen Vorfahren auf seine Religion angesprochen zu werden und sich automatisch nach jedem islamistischen Terrorakt von radikalem Gedankengut distanzieren zu müssen. „Um Distanz zu schaffen, muss ja erst einmal Nähe da gewesen sein“, erläuterte er seinem Publikum. Raffiniert drehte Çevikkollu sogleich den Spieß um: „Ihr seid doch die Nachfahren der NS-Täter, sprecht ihr euch auch regelmäßig gegen rechtes Gedankengut aus?“ Der Verweis auf die eigene Doppelmoral ging einigen Zuschauern dann wohl doch zu weit, verbissen schüttelten sie mit dem Kopf.

Handynacken statt Tennisarm

Etwas leichter wurde es dann mit dem aktuellen Thema Digitalisierung. „Wir hatten damals auch Handys, aber die waren drei Meter groß, gelb und begehbar“, erklärte er zwei Zuschauern im Teenager-Alter. Dass die Smartphones zwar praktisch sind, aber nicht immer nur Vorteile mit sich bringen, machte Çevikkollu an einem neuen Krankheitsbild fest – dem Handynacken. „Das ist so etwas wie ein Tennisarm, nur dass das Netz woanders steht.“

Störende Zwischenrufe

Der 45-Jährige Comedian hatte es mit seinem Delmenhorster Publikum aber nicht immer leicht. Zwar animierte er seine Zuschauer und Zuschauerinnen immer wieder, an passender Stelle ins Gespräch mit ihm einzusteigen. Einige nahmen dies allerdings zum Anlass als Störenfriede nicht nur den Komiker, sondern auch alle anderen Anwesenden in der Markthalle zu nerven.

Obwohl Çevikkollu die Zwischenrufer gekonnt und schlagfertig in ihre Schranken verwies („Ich komme ja auch nicht in dein Wohnzimmer und versaue deine Witze!“), blieb dennoch am Ende ein fader Beigeschmack. Schade, denn der Kölner trug durchaus hintersinniges Kabarett vor, das trotz einer gelegentlich etwas zu platten moralischen Keule, zum Nachdenken anregte.


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