Verwaltungssitz zog mehrfach um Raumnot im Delmenhorster Rathaus ist altes Problem

Von Paul Wilhelm Glöckner

Meine Nachrichten

Um das Thema Delmenhorst Ihren Nachrichten hinzuzufügen, müssen Sie sich anmelden oder registrieren.

Die Abfolge von immer neuen als Rathaus genutzten Gebäuden hatte mit der Stoffregen-Rathausanlage – hier in einer undatierten Aufnahme nach dem Ersten Weltkrieg – ein Ende. Foto: dk-ArchivDie Abfolge von immer neuen als Rathaus genutzten Gebäuden hatte mit der Stoffregen-Rathausanlage – hier in einer undatierten Aufnahme nach dem Ersten Weltkrieg – ein Ende. Foto: dk-Archiv

Delmenhorst. Der „Raumhunger“ der Delmenhorster Verwaltung hat immer wieder neue Dependancen erforderlich gemacht. Als erstes richtiges Rathaus diente ein umgebautes Gefängnis.

Nicht zum ersten Mal hat es innerhalb der Delmenhorster Stadtverwaltung Überlegungen gegeben, das Delmenhorster Rathaus zu erweitern. Etwa durch einen Anbau an den Anbau des ehemaligen Polizeigebäudes. Denn fehlende Räumlichkeiten im Verwaltungszentrum zwangen schon immer wieder zu der Schaffung von Dependancen, sodass es für manchen Bürger nicht so einfach sein dürfte, immer das richtige Dienstzimmer zu finden, in dem er sein Anliegen vortragen kann.

Amtsgeschäfte in der Wohnung des Bürgermeisters

Wann das erste Rathaus überhaupt entstanden ist, lässt sich heute nicht mehr mit Sicherheit feststellen. Es kann aber wohl, wie in Edgar Grundigs Stadtgeschichte zu lesen ist, getrost vermutet werden, dass schon im mittelalterlichen Flecken Delmenhorst die Amtsgeschäfte in der Wohnung der damaligen Bürgermeister abgewickelt wurden, dort also wohl erste Amtsräume bestanden.

Die erste Erwähnung eines wirklichen Rathauses stammt aus dem Jahre 1560. Denn damals wurde berichtet, dass es abgebrannt sei. Wo es allerdings gestanden hat, ist dieser Quelle nicht zu entnehmen. Aus dem Jahre 1663 stammt dann ein Hinweis über Ausgaben „beim Bau des neuen Rathauses“. Es ist ein Beleg über zwölf Reichstaler und 23 Groschen. Er wurde ausgestellt, um den Verzehr von Bier und Branntwein durch die Arbeiter und den „aufsichtsführenden Ratsherrn“ zu quittieren.

„Die eine Seite des Rathauses gänzlich versunken“

Neben dem Wildeshauser Tor ist dieser Bau damals entstanden. Er hat bis zum Jahre 1699 seinen Zweck erfüllt. Baufällig geworden, wurde er in diesem Jahr durch Räume im ehemaligen gräflichen Gewächshaus, welches zuvor der Stadt als Spritzenhaus gedient hatte, ersetzt. Weil dieses Gebäude in der Folgezeit fortlaufend umgebaut und renoviert worden ist, hielt es bis 1813 dem Verfall stand. In diesem Jahr aber ist nur noch ein Dienstzimmer benutzbar gewesen, alle übrigen waren nicht mehr geeignet, denn „seit 1802 war die eine Seite des Rathauses gänzlich versunken gewesen“.

Gefängnisumbau schuf erstes richtiges Rathaus

Geldmangel hat damals schon den an sich fälligen Neubau verhindert. Man behalf sich mit der gewohnten Flickschusterei. Das ehemalige Gefängnis am Markt hatte nicht mehr nur die „armen Sünder“, sondern auch die Beamten und Fachleute zu beherbergen. Dazu musste es allerdings umgebaut werden, was 2424 Reichstaler und 31 Groschen gekostet hat. So entstand ein 36 Fuß langes und zwei Stockwerke hohes Gebäude, welches wohl erstmals als wirkliches Rathaus eingeschätzt werden darf.

Wieder ein Privathaus zum Rathaus umgebaut

Doch bald schon schien es, als habe man einen zu kühnen Sprung in die Zukunft gewagt. Die Stadt wurde der Amtsverwaltung unterstellt, ein Schrumpfen der Verwaltung war die Folge. Sogar das Bürgermeisterzimmer konnte wieder in Privaträume verlegt werden und es blieb nichts anderes übrig, als zeitweilig die meisten Räume an die Zollverwaltung zu vermieten.

Doch als Delmenhorst dann nach 1870 zur Industriestadt wurde, änderte sich die Lage wieder vollständig. Ein großer Bevölkerungszustrom erfolgte, man wurde „Stadt erster Klasse“, ein größeres Rathaus musste her. Das ehemalige Gebäude fiel der Spitzhacke zum Opfer – und man baute wieder ein Privathaus zum Rathaus um.

Ende der Notlösungen kam mit großer Anlage

Doch das war dann die letzte Notlösung, denn als man mehrere Dependancen eröffnen musste, wurden endlich Nägel mit Köpfen gemacht. Ein Wettbewerb, aus dem die Architekten Heinz Stoffregen und Gerrit Emmingmann als Sieger hervorgingen, führte zum Bau der großen Rathausanlage. Sie umfasste das heute noch existierende Rathausgebäude mit Wasserturm, der Feuerwache, dem in den 1950er Jahren abgerissenen Arkadengang, dem Ehrenmal und der Markthalle, die in Abschnitten in den Jahren vor und nach dem Ersten Weltkrieg errichtet wurden.

Zuerst war übrigens das neue Wahrzeichen der Stadt, der Wasserturm, im Jahre 1910 fertig. Am 10. September 1914 konnte dann erstmals der Stadtrat im neuen Gebäude tagen.


Weitere Angebote, Produkte und Unternehmen der noz MEDIEN