Bestand abgeschmolzen Zahl der Sozialwohnungen in Delmenhorst drastisch geschrumpft

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Die meisten Sozialwohnungen befinden sich in Delmenhorst im Stadtteil Düsternort und befinden sich in der Hand der GSG. Archivfoto: Marco JuliusDie meisten Sozialwohnungen befinden sich in Delmenhorst im Stadtteil Düsternort und befinden sich in der Hand der GSG. Archivfoto: Marco Julius

Delmenhorst. Der Bestand von Sozialwohnungen in Delmenhorst ist in den vergangenen 23 Jahren drastisch gesunken. Zudem steigen die Mietpreise seit Jahren an. Öffentlich geförderte Neubauten will man in Delmenhorst trotzdem nicht übers Knie brechen.

Die Zahl der Sozialwohnungen in Delmenhorst ist in den vergangenen 23 Jahren drastisch gesunken. Hingegen sind in der jüngsten Vergangenheit die Mieten angestiegen. Allein in den vergangenen elf Jahren um 20 Prozent. Vor dem Hintergrund, dass Delmenhorst eine wachsende Stadt ist, müsste also dringend mehr bezahlbarer Wohnraum her – sollte man denken. Zwar befürworten die Akteure Neubauten beim öffentlich geförderten Wohnen – verfallen aber nicht in Hektik.

Zahl der öffentlich geförderten Wohnungen auf ein Siebtel abgeschmolzen

In den vergangenen Jahren ist der Bestand an öffentlich geförderten Wohnungen, die einer entsprechenden Mietbindung unterlagen, „weggeschmolzen“, wie Stadtbaurätin Bianca Urban es ausdrückt. 1995 gab es noch 5433 solcher Wohnungen, 2017 waren es 747. Das ist ein Siebtel des früheren Bestands, zeigt der Wohnungsmarktbericht der Stadt auf. Rund 620 dieser Wohnungen sind übrigens in der Hand der Wohnungsbaugesellschaft GSG, die in Delmenhorst und Stuhr insgesamt 2200 Wohnungen hält. „Mietpreisbindungen von Sozialwohnungen können Laufzeiten um die 40 Jahre haben“, sagt Urban. „In den vergangenen Jahren sind in Delmenhorst Wohnungen massiv aus diesen Bindungen herausgefallen.“

(Weiterlesen: Delmenhorst verfehlt seine Ziele beim Wohnungsbau)

Mietpreise um 20 Prozent angestiegen

Schlimm sei das zunächst einmal nicht, solange die durchschnittliche Nettokaltmiete in der Stadt bezahlbar bleibe. Laut Urban lag diese nach aktuellsten Daten der N-Bank 2016 bei 5,89 Euro pro Quadratmeter im Monat. 2007 waren es noch 4,93 Euro – ein Anstieg von 20 Prozent. Urban: „Lange Zeit gab es in der Stadt einen hohen Leerstand. Heute liegt die Leerstandsquote bei unter drei Prozent. Da ist es klar, dass die Mietpreise allgemein steigen.“ Dennoch bewege man sich preislich in Delmenhorst auf einem vergleichsweise niedrigen Niveau in der Region Bremen/Niedersachsen, sagt Urban. Zum Vergleich: Wird eine öffentlich geförderte Wohnung bezugsfertig, liegt die höchstzulässige Miete zwischen 5,60 und 7 Euro, teilt der Fachbereich Soziales auf Nachfrage mit. Erst nach drei Jahren seien Erhöhungen möglich, und das auch nur in begrenztem Umfang. Durchschnittsmiete und geförderte Mieten liegen also nicht allzu weit auseinander.

Stadt will Förderkonditionen für private Bauherren verbessern

Alles gut also in Delmenhorst? Nein. „Eine Förderung von neuem sozialen Wohnraum würden wir dennoch begrüßen“, meint die Stadtbaurätin. Besonders Älterwerdende mit prekärer Einkommenslage wolle die Stadt mit sozialem Wohnraum versorgen. Die Förderung hierfür sei allerdings durch die günstige Zinslage denkbar unattraktiv. Soll heißen: Auf Förderungen, die zur Folge haben, dass private Bauherren zumindest einen Teil ihrer Wohnungen mietpreislich deckeln lassen, sind diese gar nicht angewiesen. Das sieht auch GSG-Geschäftsführer Stefan Ludwig so: „Die Förderquoten für den Bau von Sozialwohnungen sind einfach zu niedrig und hinken den Baupreisen hinterher. Hinzu kommt eine verlängerte Bauzeit: Allein das Antragsverfahren bei Sozialwohnungen nimmt ein Jahr in Anspruch.“

(Weiterlesen: „Ohne Fördermittel wird bezahlbaren Wohnen nicht möglich sein“)

Landesbündnis arbeitet an Lösungen

Über Lösungen berät gerade das niedersächsische „Bündnis für bezahlbaren Wohnraum“, an dem auch die Stadt Delmenhorst beteiligt ist. Im November sollen erste Erbgebnisse vorgestellt werden, so Urban. Inwiefern diese Delmenhorst selbst weiterhelfen werden, bleibt erst einmal offen. Stefan Ludwig: „Geschosswohnungsbauten mit vier bis fünf Stockwerken zu bauen, ist nur schwer realisierbar. Dafür werden einfach zu wenige Flächen in der Stadt ausgewiesen.“

GSG-Chef warnt vor Bau-Aktionismus

Gleichzeitig warnt der GSG-Chef davor, in Aktionismus zu verfallen, und große Bauprojekte auszurufen: „In den 2000er Jahren herrschte der große Leerstand. 2015 kamen die Flüchtlinge, jetzt haben wir eine hohe Nachfrage, die wir aktuell auch decken können. Aber wer sagt, dass die Flüchtlinge nicht irgendwann wieder in ihr Heimatland zurückkehren, wie es sich bereits stellenweise andeutet?“ Dann würde wieder der Leerstand einstellen. Nur eben in einer verschärfteren Version.


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