Lebenshilfe Delmenhorst Nach 25 Jahren: „Wir wollten nur Normalität“

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Lebenshilfe-Geschäftsführer Erwin Drefs, Vorstandsvorsitzende Heidelies Iden, die neue Leiterin Wohnen und offene Hilfen Tina Cappelmann sowie Bewohnervertreterin Daniela Sänger (von links) in der Hausgemeinschaft Hansastraße. Foto: Kai HasseLebenshilfe-Geschäftsführer Erwin Drefs, Vorstandsvorsitzende Heidelies Iden, die neue Leiterin Wohnen und offene Hilfen Tina Cappelmann sowie Bewohnervertreterin Daniela Sänger (von links) in der Hausgemeinschaft Hansastraße. Foto: Kai Hasse

Delmenhorst. Drei Entwicklungen hat die Lebenshilfe in den vergangenen 25 Jahren gemacht: Kleinere Wohnzusammenschlüsse, mehr Selbstbestimmung der Bewohner, zentralere und integriertere Lage. In den späten 70ern und frühen 80ern sah das noch anders aus.

Normalität wollen sie, die Menschen mit Behinderungen, die von der Lebenshilfe Delmenhorst betreut werden. In der Hansastraße leben bereits seit 25 Jahren Menschen, die eine Betreuung brauchen. Dazu gibt es ein Jubiläumsfest. Die Betreuung ist einen langen Weg gegangen, wie nun die langjährige Lebenshilfe-Vorstandsvorsitzende Heidelies Iden berichtete.

Behinderte am Rande der Gesellschaft

Heidelies Iden gehört zu den Pionieren der Betreuung von Menschen mit Behinderungen, aus eigener Betroffenheit. Sie ist Mutter einer früh verstorbenen Tochter, die Behinderungen hatte. Noch zu Lebzeiten ihrer Tochter fand sie sich mit anderen Eltern behinderter Kinder zusammen und gründete mit ihnen eine Selbsthilfegruppe. Die mietete ein Haus in der Gerhart-Hauptmann-Straße für damals vier Männer mit Behinderungen. Später ging die Gruppe zum Teil in der Lebenshilfe auf. Damals war noch mit mangelndem Verständnis zu kämpfen, auch mit der Stadt, die später Nutzungen bestätigen mussten. „Wir sind der Stadt und den Politikern schon mächtig auf die Nerven gegangen“, sagt Iden heute. Aber sie habe gut mitgezogen, als es um die Einrichtung von Freizeitbereichen für Menschen mit Behinderungen ging. Allerdings fehlte der Integrationsgedanke. Behinderte wurden in Deutschland in großen Einheiten mit bis zu 120 Bewohnern am Stadtrand untergebracht – das war Standard, buchstäblich am Rande der Gesellschaft. „Das war in einer Zeit, als es in Hotels Vergünstigungen für die Gäste gab, wenn auch Menschen mit Behinderungen in dem Hotel waren“, so Iden.

Luxusgedanke vorgeworfen

„Wir wollten kleinere Wohnheime mit weniger Plätzen, und weiter in der Stadt. Uns wurde zum Teil Luxusdenken vorgeworfen.“ Dabei verfolgten die Akteure um Iden damals einen modernen Gedanken, „aber das wussten wir damals nicht“, so Iden. „Wir wollten nur Normalität. Dafür haben wir uns eingesetzt.“ Diesen ursprünglichen Einsatz von Eltern, ihren Kindern einen Zugang zur sogenannten Normalität zu geben, das bezeichnet Erwin Drefs , Geschäftsführer der Lebenshilfe Delmenhorst/Landkreis Oldenburg, als Essenziell. „Das“, sagt er, „das ist Lebenshilfe.“ Und das meint er nicht als Namen seiner Organisation, sondern als den grundlegenden Begriff: Hilfe zum Leben.

Bewohner immer selbstbestimmter

Mit dem Wohnen und der wachsenden Akzeptanz von Menschen mit Behinderungen emanzipierten sich auch die Betroffenen selbst. Bewohnerräte richteten sich ein. Und in der Hausgemeinschaft Hansastraße beispielsweise wurde Drefs zu einer Bewohnerversammlung eingeladen. Zentraler Punkt: Das Wort „Heim“ ist nicht mehr gewünscht. „Wir sind doch kein Heim“, sagt die Bewohnervertreterin der Hansastraße, Daniela Sänger. Das Wort ist zu negativ besetzt, zu unselbstständig. Nun heißen die Häuser Hausgemeinschaften oder Wohngemeinschaften.

Neue Leiterin für Wohnen und offene Hilfe

„Diese Entwicklung wird auch zukünftig so weitergehen“, sagt nun Tina Cappelmann. Sie ist seit Juli die neue pädagogische Leiterin des Bereichs Wohnen und offene Hilfen der örtlichen Lebenshilfe. Die Entwicklung zu Anteilhabe und Selbstbestimmung werde nicht mit dem derzeitigen, modernen Status quo enden. „Es ist eine große Aufgabe, die ich angehen kann mit den Bewohnerinnen und Bewohnern“, sagt sie. Am Wochenende wird sie zusammen mit den Bewohnern und bis zu 250 Gästen das Jubiläum des Hauses feiern.


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