Delmenhorster genervt Deshalb ärgern sich Pendler über die Baustelle auf der A1

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Die Dauerbaustelle auf der A1 bei Bremen führt bei Autofahrern zu Frust. Foto: imago/RustDie Dauerbaustelle auf der A1 bei Bremen führt bei Autofahrern zu Frust. Foto: imago/Rust

Bremen. Auto fahren kann Spaß machen, aber viele Pendler aus Delmenhorst sind seit Monaten genervt von den Dauerbaustellen rund um Bremen. Einige haben unserer Redaktion ihre Erfahrungen mit dem täglichen Stau auf der A1 geschildert.

Wenn der Weg zur Arbeit oder nach Hause statt einer halben Stunde bis zu zwei Stunden dauert, kann man schon mal die Nerven verlieren. „Das Nervenkostüm wird immer dünner“, schildert Pendlerin Nina Reibrich im Gespräch mit unserer Redaktion. Sie fährt montags bis freitags von Delmenhorst ins Gewerbegebiet nach Mahndorf, Ortsteil des Bremer Stadtteils Hemelingen. Für die etwa 35 Kilometer über die A28 und die A1 braucht sie normalerweise 43 Minuten, jetzt sind es im Schnitt 58 Minuten. Sofern es keinen Unfall gibt. „Das ist dieses Jahr ganz schlimm“, spricht sie die Unfallserie auf der A1 an. (Weiterlesen: Unfallzahl im A1-Großbaustellenbereich um 70 Prozent gestiegen)

Bahnfahren ist keine Alternative

Besonders stressig ist es für Nina Reibrich, weil sie morgens ihre dreijährige Tochter zum Kindergarten bringen und pünktlich um 15 Uhr wieder abholen muss. Alternativ mit Bus und Bahn fahren kann die 36-Jährige deshalb nicht, das ist ihr zu unsicher. Außerdem gehe es mit Auto trotz Staus immer noch schneller. Und wenn sie den Heimweg antreten will, muss sie sich auf Alternativen zur A1 vorbereiten: „Ohne Google Maps geht nichts“! Deshalb fährt sie häufig über die B75 zurück. (Weiterlesen: Neue Stau-Baustelle im Bereich A 28 und A 1)

Auch Svenja Ludwig schaut jeden Tag bei Google Maps nach, welchen Heimweg sie wählen soll. Sie pendelt ebenfalls montags bis freitags von Delmenhorst nach Sebaldsbrück. Da die 28-Jährige immer um 6 Uhr morgens anfangen muss zu arbeiten, steht sie morgens nicht im Stau und fährt etwa 28 Minuten zu ihrer Arbeitsstelle. Doch zurück sieht es anders aus, manchmal braucht sie bis zu zwei Stunden. Bus und Bahn kommen für sie als Alternative ebenfalls nicht in Frage, das ist ihr zu teuer und sie braucht genauso lange wie mit dem Auto. Als Alternative wählt sie auch oft die B75 für die Rückfahrt, auch wenn Google ihr vorschlägt, trotzdem über die Autobahn zu fahren. „Ich habe aber einfach keine Lust, im Stau zu stehen, auch wenn es nur kurz ist“, erklärt sie.  (Weiterlesen: Chaos-Baustelle auf A1 bei Stuhr nervt noch bis Herbst)


Svenja Ludwig ist sehr genervt über den täglichen Stau auf der A1 und ärgert sich über fehlende Rettungsgassen. Foto: Thomas Schütze

Ärger über fehlenden Sicherheitsabstand

Was beide Pendlerinnen besonders nervt, sind die Autofahrer, die keinen Sicherheitsabstand einhalten, „fast im Kofferraum sitzen“, und sich nicht an das Prinzip des Reißverschlussverfahrens halten. Svenja Ludwig weist in diesem Zusammenhang auf ein weiteres Problem hin: „Wenn mir ein anderer Autofahrer so dicht drauf fährt, dass kaum noch Platz ist, wie will er dann eine Rettungsgasse bilden?“ Das sehe sie sehr oft, dass kaum jemand eine Rettungsgasse bildet. „Das macht mich richtig böse.“ Svenja Ludwig hat zwar selbst noch keinen Unfall gehabt, sie geht aber davon aus, dass es sie irgendwann erwischt, denn sie sieht jeden Tag Unfälle. „Jeder will als erstes in die Lücke“, beklagt sie das aggressive Verhalten mancher Autofahrer. Da sei es kein Wunder, wenn es kracht. (Weiterlesen: Reißverschlussverfahren: So machen Sie es richtig)

Ärger über andere Autofahrer

Andrea Grashorn muss ebenfalls von Delmenhorst nach Hemelingen und Mahndorf, wie sie unserer Redaktion über Facebook schildert. Für eine Strecke von 30 Kilometern braucht sie im Schnitt ein bis zwei Stunden statt 30 Minuten. „Viele Autofahrer nerven mich. Ich halte mich an die 80 Stundenkilometer in der Baustelle und sie drängeln einen weg, weil sie meinen, schneller fahren zu müssen“, ärgert sie sich.  (Weiterlesen: Fly Over wird in Bremen für eine Woche gesperrt)

Jan-Luca Hiller macht ähnliche Erfahrungen und ist von den anderen Autofahrern genervt. Doch eines stört ihn vor allem anderen: „Am nervigsten ist jedoch die Zeit, die man auf der Autobahn verbringt … 90 Minuten für 30 Kilometer sind leider keine Seltenheit.“


Unfälle und Sperrungen sind keine Seltenheit auf der A1 bei Bremen. Foto: nonstopnews


"Schlimmer als der Elbtunnel"

Marcus Knuth muss mehrmals die Woche zwei nervige Baustellen passieren: Er pendelt zwischen Wildeshausen, Bremen und Hamburg. „Anfänglich fuhr ich jeden Tag. Gerne mal eine Stunde in Bremen länger, gerne mal eine Stunde vor dem Elbtunnel länger und gerne mal auch beides zusammen. Normale Fahrzeit ist 1 Stunde und 15 Minuten. Im Extremfall werden es jetzt auch schon mal mehr als 3 Stunden“, schreibt er auf der Facebookseite des Delmenhorster Kreisblatts. Um ein bisschen entlastet zu werden, arbeitet er nun zwei Tage im Homeoffice und übernachtet zweimal in Hamburg. Bahnfahren sei keine Alternative, das dauere zweieinhalb Stunden, sofern die Bahn überhaupt fahre. „Erstaunlich ist, dass mittlerweile der Elbtunnel das kleinere Problem ist“, so sein abschließendes Fazit über die A1.

Auch Patrick Lüken ärgert sich über rücksichtslose Autofahrer auf der A1: „Jeden Tag rauft man sich die Haare und fragt sich, wo die Menschen ihren Führerschein gemacht haben. Sicher macht man auch nicht immer alles richtig, aber ein bisschen mehr Rücksicht im Verkehr wurde einiges angenehmer machen. Leider denkt jeder nur an sich.“ Er berichtet auf Facebook von seiner täglichen Fahrt von Wildeshausen nach Bremen-Hemelingen und ärgert sich vor allem über Verkehrsteilnehmer, die unaufmerksam sind und ihr Handy in der Hand haben, obwohl sie am Steuer sitzen. Ob er Angst vor Unfällen hat? „Ein mulmiges Gefühl habe ich nicht, ich setze mich morgens eher unter Druck, da man nie weiß, was einen heute wieder erwartet und schaffe ich es pünktlich ins Büro!?“

Lob für Bauarbeiter

Benny Rie hat auch kein mulmiges Gefühl, sagt aber von sich selbst, dass er aufmerksamer und vorausschauender fährt. Er meidet seit ein paar Monaten die Autobahn und pendelt lieber über Bremen-Strom und die A281 zwischen Delmenhorst und Hemelingen. Außerdem übt er Kritik an der Planung der Baustellen. „Es werden/wurden Streckenabschnitte gesperrt, lange bevor auf diesem Abschnitt überhaupt gebaut und gewerkelt wurde. Ohnehin, denke ich, wäre eine Aufteilung in Teilabschnitte, falls technisch möglich, viel wertvoller gewesen und hätte unter Umständen nicht für so ein totales Verkehrschaos gesorgt.“

Neben allem Ärger, den er mit den anderen Pendlern teilt, hat er aber auch ein Lob auf Facebook parat: „Fernab jeden Staus, des Stresses und der verlorenen Zeit – einmal ein dickes Lob an die Bauarbeiter der gesamten Baustelle, die bei all den Negativschlagzeilen rund um den A1-Bau unermüdlich weiterarbeiten, und das bei Wind und Wetter … und vor allem bei den heißen Temperaturen der letzten Wochen!“

Weitere Kommentare zum Stau auf der A1 finden Sie auf unserer Facebookseite


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