Stadt verteidigt Alleingang Delmenhorst sieht Wohnen auf Bahnareal „sehr kritisch“

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Bahnbrache am Winterweg in Delmenhorst: Der Investor muss nun detaillierte Pläne vorlegen, will er das Gelände nutzen. Foto: Michael KornBahnbrache am Winterweg in Delmenhorst: Der Investor muss nun detaillierte Pläne vorlegen, will er das Gelände nutzen. Foto: Michael Korn

Delmenhorst. Ohne Beteiligung der Ratspolitik hatte die Stadt Delmenhorst ein Investorenmodell für das Bahnareal am Winterweg abgelehnt. Sie verteidigt jetzt ihren Alleingang auf Anfrage der CDU.

In der Kontroverse um ein geplantes Wohngebiet auf dem ehemaligen Bahngelände am Winterweg in Delmenhorst-Heidkrug hat die Stadtverwaltung ihren Alleingang bei der Ablehnung der Investorenidee verteidigt. In Reaktion auf einen dk-Bericht über das städtische Abschmettern der Pläne ohne Information und Rücksprache mit der Ratspolitik hatte die CDU umfassende Aufklärung gefordert. Diese leistet die Verwaltung nun im öffentlichen Planungsausschuss am kommenden Dienstag, 21. August (ab 17 Uhr im Rathaus), ohne jedoch ihr Vorgehen zu revidieren.

Bis zu 400 Wohnungen

Die Wohnen & Leben AG aus Bad Soden möchte in unmittelbarer Nähe zur Bahnstrecke Bremen/Delmenhorst bis zu 400 Wohnungen in Geschosswohnungsbau und Einzelhäusern realisieren. In ihrer Antwort an die CDU schreibt die Verwaltung nunmehr: „Die vom neuen Eigentümer für das Areal im letzten Jahr vor­gelegte Zeichnung mit ausschließlich Wohnen und massivem Geschosswohnungsbau entlang der Bahn wurde aufgrund der Lärmimmissionen/Altlasten seitens der Verwaltung sehr kritisch gesehen und abgelehnt. Im Hinblick auf Lärmimmissionen und die erforderliche Bodensanierung wurde dem Eigentümer mitgeteilt, dass es ein tragfähiges städtebauliches Gesamtkonzept für das Areal mit Aussagen zu Lärm, Boden, Erschließung, Nutzungen, Grün, Biotop, Wald, Städtebau etc. geben muss, über das dann in den Gremien zu beraten wäre. Der Antragsteller wurde gebeten, nachzubessern und ein solches Gesamtkonzept vorzulegen. Im konkreten Fall der vom Eigentümer avisierten Bebauung der Bahnbrache am Winterweg waren die vorgelegte Unterlage zu keinem Zeitpunkt beratungsreif. Eine Information der Politik auf Grundlage eines solchen Sachstandes wäre nicht zielführend.“

Erhalt des Biotops

Zu beachten sei, dass für das ehemalige Bahngelände Winterweg/Frühlingsweg ein eindeutiger Beschluss der Politik vom März 2012 über einen Antrag der ehemaligen Grundstückseigentümerin vorliegt. Der Antrag hatte die Schaffung des Baurechts für die Errichtung einer Photovoltaikanlage zum Gegenstand. Der Beschluss beinhaltet darüber hinaus, dass der Erhalt des Biotops und der Waldfläche bei der Planung zu berücksichtigen sind.

Viele Ausschlusskriterien

Die Verwaltung handelt nach eigener Aussage „auf der Grundlage des bestehenden Beschlusses und sieht eine Wohnbebauung sehr kritisch“:

  • Die Nähe zur Bahnlinie Oldenburg – Bremen bedingt erhebliche Immissionen in Form von Lärm und Erschütterungen.
  • Die Kontamination im Plangebiet aufgrund der vorherigen Nutzung durch die Bahn ist zu sanieren. Ob der Schutzanspruch einer Wohnnutzung erreicht werden kann ist völlig offen, genauso wie die Dauer der Sanierungsmaßnahmen.
  • Der Winterweg stellt für eine intensive Nutzung des Plangebietes keine ausreichende Erschließung dar.
  • Eine intensive gewerbliche Nutzung ist nicht möglich aufgrund der in der Nachbarschaft bestehenden Wohnnutzung und entsprechendem Schutzanspruch.

Erst Bodenuntersuchungen

Werden den Angaben zufolge vom neuen Eigentümer andere, vom beschlossenen Planungsziel abweichende Nutzungskonzepte vorgelegt, sind diese anhand aller Randbedingungen zu prüfen und mit einem Ergebnis in die Politik zur Entscheidung zu geben. Dieser Zeitpunkt sei „allein durch eine vorgetragene Planungsidee und ohne Prüfung von noch ausstehenden aussagekräftigen Unterlagen derzeit nicht gegeben“. Nach Aussage des Eigentümers sollen zunächst Bodenuntersuchungen und dann eine Überarbeitung der Planung folgen. Der zuständige Fachausschuss werde eingebunden „sobald entsprechende belastbare Unterlagen vorliegen“.


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