Fachtagung in der Markthalle Delmenhorst hat bei Radwegen Aufholbedarf

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Delmenhorst. Um Radfahren für alle attraktiv zu machen, muss viel getan werden. Auf einem Fachtag in der Delmenhorster Markthalle wurde klar, welche Baustellen noch bestehen und welche Projekte eine Vorreiterrolle besitzen.

Das Fahrrad ist ein wichtiges Verkehrsmittel in Delmenhorst. Fast ein Viertel aller Fahrten werden mit dem Zweirad unternommen. Beim Fachtag Rad des Kommunalverbunds in der Markthalle haben zahlreiche überregionale Experten am Mittwoch ihr Fachwissen rund um das Thema geteilt.

Deutlich Luft nach oben

In der Stadt gebe es bislang kein angemessenes Angebot für den umweltfreundlichen Radverkehr, räumte Fachdienstleiter Verkehr Hendrik Abramowski ein. Es sei für Delmenhorst wichtig, den 24-prozentigen Anteil des Fahrrads am Verkehr als Ansporn zu nehmen. „Da ist noch deutlich Luft nach oben. Da müssen wir ran und da können wir mehr tun.“

Anteil am Verkehr wächst

Zwei Entwicklungen verliehen dem Fahrradverkehr in Delmenhorst aktuell Aufschwung. „Gerade für Einwanderer ist das Fahrrad hier ein wichtiges Verkehrsmittel“, sagte Abramowski den angereisten Fachleuten. Auf der anderen Seite verbreite sich das Pedelec sehr schnell. „Ich werde zunehmend von Verkehrsteilnehmern überholt, von denen ich das eigentlich nicht erwartet hätte“, scherzte der Radfahrer Abramowksi.

Mit dem Fahrrad zum ÖPNV

Wohin es für Delmenhorst gehen könnte, zeigten andere Fachleute. Intermodalität, also die Nutzung des Fahrrads als Transportmittel zu den öffentlichen Verkehrsmitteln, hat ein „ganz starkes Potenzial“. Das sagte Anne Mechels vom Unternehmen Planersocietät. In anderen Städten und Gemeinden seien sogenannte Mobilitätsstationen geschaffen worden, an denen das Fahrrad sicher abgestellt werden kann. Von dort aus werde dann eine schnelle Verbindung, zum Beispiel in die Innenstadt geboten. „Dabei müssen an Bushaltestellen mindestens Fahrradständer vorgehalten werden.“ Ratsfrau Eva Sassen, die sich schon lange für das Verkehrsmittel Fahrrad einsetzt, forderte außerdem Stellplätze, die breit genug für Räder mit Packtaschen seien.

Anderenorts werden Pedelecs verliehen

Da das Pedelec laut Anne Mechels auf Strecken von bis zu 20 Kilometern vor allem in Städten fast genauso schnell wie Busse oder Autos sei, gebe es inzwischen schon Städte, die kostenlos Pedelecs verleihen oder den Kauf bezuschussten, um ihre Bürger zu Busstationen und Bahnhöfen zu transportieren. Auch Schnellbusse in Stadtzentren seien geschaffen worden. Delmenhorst bietet solche Möglichkeiten bereits. Am Delmenhorster Bahnhof und am Bahnhof Heidkrug gibt es bereits 467 kostenlose Stellplätze für Fahrräder.

Ausbau geplant

Gute Radwege, beziehungsweise ein gutes Netz, wurden als wichtigste Voraussetzung für eine Erhöhung des umweltfreundlichen Radverkehrs eingeschätzt. „Da ist die bauliche Qualität hier eher unterdurchschnittlich. Aber die Radwege sind vorhanden“, betonte der Delmenhorster Fachdienstleiter Abramowski. Den Radverkehr auf die Straße zu bringen und auch Fahrradstraßen nach Bremer Vorbild einzurichten sei ein Ziel der Stadt. Auch der Radschnellweg Oldenburg-Delmenhorst-Bremen und spezielle Radroutenschilder innerhalb der Stadt sollen kommen. „2023 kommt die nächste Evaluation. Vielleicht haben wir bis dahin einen Teil der Route geschafft“, hoffte der Fachdienstleiter.

ADFC lobt Veranstaltung

Burkhard Kühnel-Delventhal, stellvertretender Vorsitzender des ADFC-Delmenhorst lobte die Vergleichsmöglichkeit des Fachtags. „Ich bin erstaunt, welchen Nachholbedarf wir hier bei der Umsetzung von Maßnahmen haben.“ Er sei aber zuversichtlich, dass die erste Fahrradstraße „Route 1“ von Deichhorst in die Innenstadt in diesem Jahr umgesetzt werde. „Das wäre ein sichtbares Zeichen, dass was getan wird.“ Außerdem habe er den Kommunalverbund, den Ausrichter des Fachtags, als wichtiges Bindeglied für Fahrradprojekte kennengelernt.


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