Beten im Zeichen der Inklusion Delmenhorster Kirchengemeinde feiert inklusiven Gottesdienst

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Die biblische Sprache wird am Sonntag, 19. August, in der Emmaus-Kapelle vereinfacht wiedergegeben. Symbolfoto: dpa/Peter EndigDie biblische Sprache wird am Sonntag, 19. August, in der Emmaus-Kapelle vereinfacht wiedergegeben. Symbolfoto: dpa/Peter Endig

Delmenhorst. Keine verschachtelten Sätze, keine altdeutschen Wörter und keine komplizierten Texte: Der Gottesdienst am Sonntag, 19. August, in der evangelischen Emmaus-Kapelle steht ganz im Zeichen der Inklusion und wird in leichter Sprache gefeiert.

Wenn Lektor Wolfgang Köppen am Sonntag, 19. August, um 10 Uhr beim Gottesdienst in der evangelischen Emmaus-Kapelle mit seiner Predigt beginnt, steht den Kirchengängern kein gewöhnlicher Sonntagsgottesdienst bevor. Er wird das Wort Gottes nämlich in leichter Sprache verbreiten.

Predigt ohne biblische Sprache

Zum zweiten Mal bietet die Gemeinde an der Friedenstraße einen Gottesdienst an, bei dem biblische Texte in einfacher Sprache verlesen werden. Anders als bei herkömmlichen Gottesdiensten wird auf die biblische Sprache verzichtet, die oftmals mit alten deutschen Wörtern und verschachtelten Sätzen gespickt ist. Damit wird Menschen mit Beeinträchtigungen oder Menschen, denen es schwerfällt komplizierte Texte zu verstehen der Zugang zu dem Buch Gottes gewährt.

Fotos, Gebärden und Symbole kommen zum Einsatz

„Die Sätze sind kurz, maximal zehn Wörter lang. Es gibt keine Nebensätze. Die Aussagen der Texte werden stark verkürzt, aber der Kern bleibt erhalten“, erklärt Köppen. Eine spezielle Weiterbildung in leichter Sprache hat er nicht absolviert. Sein Wissen darüber hat ihm die Pastorin Dörte Hartung vermittelt, die in der Laurentius-Kirche auf dem Gelände der Diakonie Himmelsthür in Wildeshausen oft in leichter Sprache predigt. Neben der einfacheren Wortwahl werden auch Fotos, Gebärden und Symbole genutzt. Es wird gesungen und der Gottesdienst wird interaktiver gestaltet, sagt Köppen.

Diakonie-Besucher gaben Anstoß für inklusiven Gottesdienst

Die Idee zu diesem besonderen Angebot ist im Rat der Bungerhofer Kirchengemeinde aufgekommen. Den Anstoß dazu gab der Gottesdienstbesuch einiger Bewohner der benachbarten Diakonie Himmelsthür. „Wir haben uns im Gemeindekirchrat darüber Gedanken gemacht, ob sie der Predigt gut folgen konnten“, berichtet Pfarrer Michael Stulken. Daraufhin habe die Gemeinde das inklusive Angebot ins Leben gerufen.

Zielgruppen-Gottesdienst soll alle Gläubigen ansprechen

Der Gottesdienst spreche zwar eine bestimmte Zielgruppe an, sei jedoch für jeden ein Besuch wert, meint Pfarrer Stulken. „Das kommt allen zu Gute“, sagt er. Auch Konfirmanden könnten davon profitieren und sich den biblischen Texten auf eine andere Art und Weise nähern. Aber auch für regelmäßige Kirchengänger sei die Predigt eine interessante Abwechslung.

Monatliche Messen in leichter Sprache geplant

Predigtlektor Köppen hat nach dem ersten Gottesdienst in leichter Sprache viel positives Feedback erhalten. Sowohl von mit als auch ohne Beeinträchtigung. Nur wenige Kirchen im Oldenburger Land bieten diese speziellen Gottesdienste an, berichtet Köppen. Das Ganze sei noch im Entstehen. In der Bungerhof-Gemeinde soll das Angebot ein fester Bestandteil werden. Monatlich soll ein Gottesdienst in leichter Sprache gefeiert werden. Weitere Termine sind an den Sonntagen, 16. September und 18. November, geplant.

Diakonie und Kirche planen Begegnungsstätte

Im Entstehen sind aktuell auch die Pläne für einen großen Pavillon auf dem Grundstück zwischen der Diakonie Himmelsthür und der Emmaus-Kapelle. „Es soll eine Begegnungsstätte entstehen, unter der später gemeinsame Feste gefeiert werden können“, verrät Stulken die Idee hinter dem Projekt. Für das Bauprojekt werden derzeit Genehmigungen und Fördermittel eingeholt.


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