Festwoche eröffnet Palliativstation in Delmenhorst besteht seit zehn Jahren

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Delmenhorst. Mit einer Festwoche begeht die Palliativstation am JHD ihr zehnjähriges Bestehen. Das es diese Station überhaupt gibt, ist keine Selbstverständlichkeit hin, wie Klinikchef Dr. Ales Stanek betonte.

Eine Festwoche? Eine richtige Feier im Josef-Hospital Delmenhorst? Und dann noch für die Palliativstation, von Kritikern gern als „Sterbestation“ bezeichnet? Ja, ja und nochmals ja – so lautet die richtige Antwort auf diese Fragen, das machten gleich zu Beginn JHD-Geschäftsführer Florian Friedel und Dr. Ales Stanek, Chefarzt der Klinik für Anästhesiologie, Palliativmedizin und Schmerztherapie, deutlich. Die Eröffnung der Festwoche zum zehnjährigen Bestehen der Palliativstation hat schon einmal ein Zeichen gesetzt.

„Aushängeschild“ des Krankenhauses

„Wenn wir feiern, dann feiern wir richtig“, sagte Friedel. Zumal man zuletzt nicht wirklich viele Gründe zum Feiern gehabt habe. Der Fall Niels Högel, die desolate wirtschaftliche Lage des Krankenhauses, die in die Insolvenz geführt hat, da sei es klar, dass vielen die Lust zum Feiern vergangen sei. Doch das zehnjährige Bestehen der Palliativstation, „eines der Aushängeschilder des JHD“, sei Grund genug, wieder auf die starke medizinische Seite des Hauses zu blicken.

Stanek machte in seiner Eröffnungsrede deutlich, dass es keine Selbstverständlichkeit ist, dass das JHD über eine Palliativstation verfügt. „Wir mussten zu Beginn viel Überzeugungsarbeit leisten und viele Klinken putzen“, blickte er zurück. Die damalige Geschäftsführung hielt zunächst nichts von einer „Sterbestation“. Doch im Juni 2008 ging es dann doch los. Landesmittel waren ein Argument, aber auch die Beharrlichkeit von Stanek und seinen Mitstreitern führte zum Umdenken. „Wir sind von Beginn an neue Wege der Pflege, neue Wege der Innenraumgestaltung und neue neue Wege der Kommunikation gegangen.“ Innovative Ideen seien in rasend schneller Zeit in handfeste Realität umgesetzt worden. Die Arbeit sei psychisch und physisch oft belastend, aber für Stanek – und dabei bezieht er sein Team mit ein – ist sie oft beglückend. Gelebte Fürsorge und Zuwendung, Liebe zum Leben, die Aufgabe, Menschen am Ende ihres Weges mehr Lebensqualität zu verschaffen, das seien Aspekte der Palliativmedizin.

Schließung nie ein Thema

Stanek machte aber auch deutlich, dass nicht nur die Einführung der Station nicht selbstverständlich war. Auch ihr Fortbestehen sei es nicht. Mit einer Palliativstation nämlich kann ein Krankenhaus kein Geld verdienen. Das machte Friedel klar. Kostendeckend arbeite eine solche Station nicht. „Das liegt nicht daran, dass die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in dem Bereich verschwenderisch wären, das liegt einzig und allein daran, dass trotz aller politischen Bekundungen zur Wichtigkeit von ambulanter und stationärer Palliativmedizin und Hospizen die Vergütung dafür nach wie vor zu niedrig ist“, sagte Friedel. Dennoch, das lobte Stanek, habe Friedel trotz des Kostendrucks nicht einmal eine mögliche Schließung der Palliativstation ins Gespräch gebracht. Im Gegenteil: Man habe die Unterstützung der Geschäftsleitung. „Für mich war zu jedem Zeitpunkt klar, dass wir unser palliativmedizinisches Angebot trotz der unzureichenden Finanzierung weiter aufrechterhalten“, betonte Friedel. Er werde weiter für eine bessere Finanzierung kämpfen.

Förderverein hilft

Finanzielle Unterstützung erhält die Station unter anderem vom Förderverein der Palliativstation, den es seit fünf Jahren gibt. Der Vereinsvorsitzende Dr. Detlev Reichelt, dessen Frau am Aufbau der Station beteiligt und dann 2012 vor ihrem Tod selbst als Patientin auf der Station war, brachte zum Ausdruck, was viele Angehörige sagen: „Warmherzig, kompetent, engagiert, mit viel Empathie“, so arbeite das Team zum Wohle der Patienten.

Die von Stationsleiterin Bianka Klein organisierte Festwoche läuft noch bis einschließlich Samstag und und bietet Infoveranstaltungen, Vorträge, Kabarett und ein Abschlussfest.


Palliativmedizin ist die aktive, ganzheitliche Behandlung von Patienten mit einer nicht heilbaren, fortgeschrittenen Erkrankung mit einer begrenzten Lebenserwartung. Ziel ist es, die verbleibende Zeit so angenehm und beschwerdefrei wie möglich zu gestalten. Dazu gehört in erster Linie die Schmerzreduzierung, aber auch die Behandlung von Symptomen wie Angst, Unruhe, Depression und Luftnot. Die Palliativstation unterscheidet sich bereits in der Einrichtung deutlich von anderen Abteilungen im Krasnkenhaus.

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