Ausbildung in Ganderkesee Ausbildung zum Fleischer bringt Herausforderungen mit sich

Von Birgit Stamerjohanns

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„Man muss Blut sehen können und darf nicht geruchsempfindlich sein“: Philip Cießyna macht eine Ausbildung zum Fleischer. Foto: Birgit Stamerjohanns„Man muss Blut sehen können und darf nicht geruchsempfindlich sein“: Philip Cießyna macht eine Ausbildung zum Fleischer. Foto: Birgit Stamerjohanns

Ganderkesee. Philip Cießyna ist im dritten Lehrjahr in der Ausbildung zum Fleischer und mag die Abwechslung in seinem Beruf. Zum Glück kann er auch Blut sehen.

Man sieht Philip Cießyna nicht an, dass er an diesem Morgen um kurz nach 3 Uhr aufgestanden ist, um mit dem Rad von Bookholzberg nach Heide zu fahren. Dort beginnt sein Dienst jeden Tag um 4 Uhr. „Ich fahre immer mit dem Rad“, sagt der 18-Jährige, „bei Wind und Wetter und auch im Winter“. Philip Cießyna macht eine Ausbildung zum Fleischer bei Müllers Wurstdiele Gut Nutzhorn. Jetzt, kurz vor Feierabend um 12.30 Uhr, packt er Fleisch ab. „Mit gefällt die Vielfalt in diesem Beruf“, erklärt Philip Cießyna, „ich kann viele verschiedene Aufgaben übernehmen.“ Dreimal in der Woche kommen Schweinehälften vom Schlachthof, die der Auszubildende und seine Kollegen zerlegen.

Tag des Handwerks war Ausgangspunkt

Der Bookholzberger hat sich intensiv mit seiner Berufswahl auseinander gesetzt. Schon während seiner Schulzeit absolvierte Philip Cießyna verschiedene Praktika. Koch, Maler, Fahrradmechaniker – über all diese Berufe hat der ehemalige Förderschüler nachgedacht. „Zu Müllers Wurstdiele bin ich über den Tag des Handwerks gekommen“, berichtet der angehende Fleischer. Gefallen hat es ihm bei seinem Ausbilder Hergen Kämena auf Anhieb. Vor seiner Lehre absolvierte der 18-Jährige ein Praktikum und half in den Schulferien im Betrieb. „Ein Praktikum ist generell ein guter Einstieg für jeden, der über eine Ausbildung nachdenkt“, findet Hergen Kämena, „ein Lehrling sollte schließlich wissen, was auf ihn zukommt.“

„Man muss Blut sehen können“

Wer sich für eine Fleischer-Lehre entscheidet, sollte nicht nur morgens gut aus dem Bett kommen. „Man muss Blut sehen können und darf nicht geruchsempfindlich sein“, so Philip Cießyna, „es kommt eben vor, dass man Sachen riecht, die man lieber nicht gerochen hätte!“ Dennoch: Als Fleischer löst er nicht nur Knochen aus Schweinehälften, sondern kümmert sich auch um die Zubereitung von Salaten oder Marinaden. Dabei kommt es natürlich auf die richtige Dosierung von Kräutern und Würzmischungen an. Stolz ist Philip Cießna auf den Hackepeter, den Müllers Wurstdiele produziert: „Ich höre immer wieder, dass wir das beste Mett in der ganzen Gegend verkaufen.“

Finanziell nicht attraktiv

Hergen Kämena ist wichtig, dass seine Lehrlinge teamfähig sind und gut mit ihren Kollegen zusammen arbeiten können. Er hat allerdings Schwierigkeiten, Nachwuchs zu finden und auszubilden. Der Schulabschluss ist für Hergen Kämena zweitrangig, aber: „Ein Fleischer muss anpacken können, das möchte ich auch bei meinen Auszubildenden sehen.“ Hergen Kämena wünscht sich, dass die Fleischer-Ausbildung finanziell etwas attraktiver wird: Im ersten Lehrjahr verdient ein Lehrling 440 Euro brutto, im dritten Lehrjahr sind es 620 Euro.

Philip Cießyna ist mittlerweile im dritten Lehrjahr. Nach seiner Ausbildung möchte er gern bei Müllers Wurstdiele bleiben. An das frühe Aufstehen hat er sich inzwischen gewöhnt – mehrere Wecker helfen ihm jeden Morgen dabei.


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