140 Prozent mehr Kosten für Delmenhorst Unterhaltsvorschuss für Trennungskinder: Fallzahlen explodieren

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Die Zahl der Kinder, die einen Unterhaltsvorschuss erhalten, ist in Delmenhorst rapide gestiegen. Nicht einmal jeder vierte Vater zahlt Unterhalt oder ist in der Lage Unterhalt zu zahlen. Symbolfoto: Marcel Kusch/dpaDie Zahl der Kinder, die einen Unterhaltsvorschuss erhalten, ist in Delmenhorst rapide gestiegen. Nicht einmal jeder vierte Vater zahlt Unterhalt oder ist in der Lage Unterhalt zu zahlen. Symbolfoto: Marcel Kusch/dpa

Delmenhorst. In Delmenhorst ist die Zahl der Trennungskinder, die Unterhaltsvorschuss erhalten, drastisch angestiegen. Das trifft noch stärker auf die gezahlten Leistungen zu. Das geht aus einer Antwort der Stadt Delmenhorst auf dk-Anfrage hervor. Grund ist eine Gesetzesänderung. Die Stadt bleibt auf einen Teil der Kosten sitzen.

Weil viele Väter keinen Unterhalt zahlen, springt der Staat mit einem Unterhaltsvorschuss ein. In Delmenhorst ist die Zahl der berechtigten Kinder extrem gestiegen: Lag die Zahl dieser Kinder mit 834 im Jahr 2013 und 767 im Jahr 2016 jeweils zum Jahresende auf relativ konstantem Niveau, stieg sie im Jahr 2017 sprunghaft auf 1341 an. Aktuell erhalten in Delmenhorst insgesamt 1366 Kinder (Stand 1. Juli) einen Unterhaltsvorschuss, teilt der Fachdienst Beistandschaften und Unterhaltsvorschuss mit. Sie leben also bei einem alleinerziehenden Elternteil und erhalten keinen oder nicht ausreichenden Unterhalt. Zwischen 2016 und heute liegt also ein Fallanstieg von fast 80 Prozent – etwa zehn Prozent mehr, als im Bund.

Kosten sind in Delmenhorst um 140 Prozent gestiegen

Zu 90 Prozent sind es die Mütter, die einen Antrag stellen und denen die Mittel für ihr Kind oder ihre Kinder überwiesen werden. Der Anstieg schlägt sich auch auf die ausgezahlten Gelder nieder: Wurden nach Angaben von Fachdienstleiter Thomas Lauts zwischen 2013 und 2016 jährlich um die 1,4 Millionen Euro an Unterhaltsvorschüssen ausgezahlt, stieg dieser Betrag bis 2017 auf 2,06 Millionen Euro. Bis Ende 2018 werden es laut Fachdienstleiter voraussichtlich 3,35 Millionen Euro sein – ein Kostenanstieg von 140 Prozent in zwei Jahren.

Weniger Beschränkungen und die größere Zielgruppe treiben Zahlen nach oben

Woran liegt das? 2017 wurde bundesweit das Gesetz zum Unterhaltsvorschuss reformiert – „seitdem ist die Antragszahl förmlich explodiert“, sagt Fachdienstleiter Lauts. Denn: Für Kinder bis elf Jahre wurde bis zur Reform maximal sechs Jahre lang der Vorschuss gezahlt. Das ist nun aufgehoben. Zudem sind nun auch Zwölf- bis 17-Jährige vorschussberechtigt. Aktuell wird in Delmenhorst 376 Kindern bis fünf Jahre, 580 Sechs- bis Elfjährigen und 410 Zwölf- bis 17-Jährigen der Unterhaltsvorschuss bezahlt. Die Entfernung der Beschränkung und die Weitung der Zielgruppe stehen also hinter den Zahlen. „Dabei war der Bund bei der Finanzfolgeabschätzung bundesweit von einem Zuwachs von 27,5 Prozent der Kinder ausgegangen“, sagt Lauts. Nicht nur in Delmenhorst sind die Fallzahlen durch die Decke gegangen: Vor der Gesetzesreform wurde in Niedersachsen Unterhaltsvorschuss für rund 42.200 Kinder gezahlt, aktuell sind es beinahe 95.000, sagt der Fachdienstleiter unter Berufung auf Landeszahlen. Ein Anstieg von 125 Prozent.

(Weiterlesen: Zu teuer und nicht gerecht – Verbände kritisieren Unterhaltsvorschuss)

Nicht einmal jeder vierte Vater zahlt Unterhalt

In der Natur der Sache sollte eigentlich liegen, dass der „Vorschuss“ auch wieder eingetrieben wird. Diese Rückgriffsquote lag für die Stadt Delmenhorst bis zur Reform bei 22,5 Prozent – nicht einmal jeder vierte (in der Regel) Vater hat also nach der Aufforderung vom Amt Unterhalt gezahlt. Lauts zufolge lag diese Quote immerhin noch 3,5 Prozent über dem Landesdurchschnitt. Einen aktuellen Wert kann die Verwaltung derzeit nicht angeben, weil ihre Mitarbeiter die Vielzahl an Neuanträgen bewältigen mussten. Klar ist: 70 Prozent aller Delmenhorster Kinder, für die ein Antrag gestellt wurde, haben vorher Leistungen nach Hartz IV bezogen. Geht man nach dem Milieu, dürfte also mehr als fraglich sein, ob Väter den Unterhalt überhaupt zahlen können.

(Weiterlesen: Hilfe für Alleinerziehende in Delmenhorst)

Stadt bleibt auf Kosten teilweise sitzen

Auf den Kosten, die die Stadt Delmenhorst beim Unterhaltsvorschuss vorstreckt, bleibt sie teilweise sitzen: 80 Prozent der Gelder, sagt Thomas Lauts, erstattet der Bund der Stadt zurück. Von den Geldern aus dem „Rückgriff“ gehen zwei Drittel an das Land Niedersachsen, ein Drittel kann die Stadt behalten.


Infos zum Unterhaltsvorschuss

Anspruch auf Unterhaltsvorschuss haben Kinder, die bei einem alleinerziehenden Elternteil leben und keinen oder nicht ausreichenden Unterhalt erhalten.

Ab 1. Juli 2017 wird für Kinder bis unter sechs Jahre 154 Euro, für Kinder bis unter 12 Jahre 205 Euro und für Kinder bis unter 18 Jahre 273 Euro monatlich gezahlt.

Die Stadt Delmenhorst informiert hier über den Unterhaltsvorschuss.

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