Rückgriff auf Tango-Elemente Argentinisches Flair bei Stadtkirchen-Andacht in Delmenhorst

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Innigkeit und Leidenschaft sind zwei Themen des Tangos, die in die Andacht übertragen wurden. Foto: Althausen/Kütemeyer/KettlerInnigkeit und Leidenschaft sind zwei Themen des Tangos, die in die Andacht übertragen wurden. Foto: Althausen/Kütemeyer/Kettler

Delmenhorst. Wie passt der argentinische Tango mit einer Andacht in norddeutschen Gefilden zusammen? Eine Antwort hierauf gab es am Sonntag in der Delmenhorster Stadtkirche.

Tango tanzen – das heißt Aufrichtung und Schönheit. Beide Elemente sollten am Sonntag in einem besonderen Gottesdienst in der Delmenhorster Stadtkirche Wiederhall finden.

Bereits zur Schnupperstunde, in der sich Ungeübte einmal auf dem extra verlegten Parkett im Gotteshaus beim Tango versuchen konnten, waren 50 Männer und Frauen gekommen, teilt das Kirchenbüro mit. Sie drehten eng aneinandergedrückt und paarweise ihre Runden. Wie das geht, zeigten die Dortmunder Tango-Lehrer Michael und Monika Hirsch-Reinshagen.

Kraftvolles und leidenschaftliches Klavier-Spiel

Im anschließenden Gottesdienst fand der Tango ebenfalls Anschluss: Die Pop-Kantorin Karola Schmelz-Höpfner und ihrem Klavierpartner Tim Cronshage spielten im Duo Saul Cosentinos „Tangomania“ am Flügel. Ein kraftvolles und leidenschaftliches Spiel, das das klassische Glockengeläut zuvor ablöste, wie das Kirchenbüro beschreibt.

Nähe, Ruhe und körperhafter Innigkeit

Kreispfarrer Bertram Althausen führte durch die ungewöhnliche Andacht. Musik und Tanz, so Althausen, sei ein Ausdruck für das Gotteslob. Am Sonntag waren alle Besucher aufgerufen, dies durch den Tango auszudrücken. Das Tanzlehrerpaar tanzte zum Psalm 98 „Spielt Gott ein neues Lied“ hinter einer Leinwand, während Althausen zu diesem Schattenbild den Psalm verlas. Nähe, Ruhe und körperhafter Innigkeit ergänzt mit leidenschaftlich-hitziger Klaviermusik – das stand im Zentrum dieses Psalmtanzes. Insofern erhielt das Gotteslob einen deutlich argentinischen Einschlag. Werbung und Verweigerung, Anziehung und Abstoßung seien die Motive hierbei gewesen, so das Kirchenbüro. „Oh, Mensch, lerne tanzen, sonst wissen die Engel im Himmel mit Dir nichts anzufangen“, zitierte der Kreispfarrer Augustinus.

„Die Tangotänzer machen es uns vor“

Aufrichtung und Schönheit sind Themen des Tangos – und die nahm Althausen immer wieder auf. „An der Aufrichtung und Schönheit von uns Menschen lässt sich Gott als Schöpfer wie in einem Bild erkennen.“ Aufrecht durchs Leben gehen, selbst mit ins Gesicht gegrabenen Falten, das mache Schönheit erst aus. Althausen: „Wer sich aufrichtet nach oben – der wird schön sein, schön aussehen, schön strahlen. Die Tangotänzer machen es uns vor.“ Was folgte, waren Gottesdienstbesucher, die sich einordneten in einen Strudel aus Tänzern im Kirchenschiff.


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