Abendessen zum Auftanken Hasberger kommen aus dem Schneckenhaus

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Seit einem Jahr treffen sich vornehmlich Alleinlebende zu einem Gemeindeabendbrot in Hasbergen. Foto: Kai HasseSeit einem Jahr treffen sich vornehmlich Alleinlebende zu einem Gemeindeabendbrot in Hasbergen. Foto: Kai Hasse

Hasbergen. Seit einem Jahr treffen sich vornehmlich Alleinlebende im Gemeindehaus Hasbergen bei Delmenhorst zu einem Gemeindeabendbrot. Hier finden Menschen, die sonst allein wären, Geselligkeit und Unterhaltung.

Wer alt ist, lebt oft allein – weil der Partner gestorben ist oder weil die Freunde und man selbst nicht mehr die Mobilität hat, sich zu treffen. Das sollen öffentliche, aber auch private Gemeinschaften verhindern – Wie das Gemeindeabendbrot Alleinstehender in der Kirchengemeinde Hasbergen: Dort organisieren die Gemeindemitglieder Heike und Horst Bödeker seit einem knappen Jahr eine Gruppe, in der ältere Menschen sich treffen können. Hier ist eine Gemeinschaft entstanden von Menschen zwischen 70 und 85, die sich unter die Arme greift und Gesellschaft findet.

„Gemeinsam statt einsam“

Wenn die Mitglieder der kleinen Gesellschaft sich treffen, gibt es zunächst ein großes Hallo bei der Begrüßung. Dann werden die Mitbringsel ausgepackt und freundlich begutachtet: Frikadellen, Salate, Pasta und vieles mehr. Das Angebot soll ein Abendessen für alle sein. 13 ältere Menschen, überwiegend Frauen, versammeln sich um einen großen Tisch. Schon am Parkplatz wird klar, dass viele von ihren Bekannten der Gruppe mitgenommen wurden – man hilft sich einander und holt sich ab. „Was vermutlich viele von uns animiert hatte, war die Überschrift des Treffens: „Gemeinsam statt einsam“, sagt beispielsweise Karin Wielewicki. Das treffe es recht genau. Niemand will einsam sein. Und dennoch seien es viele oft. „Wir sind manchmal einsam, weil eben allein“, bringt es eine andere Besucherin ganz sachlich auf den Punkt. Viele von den Frauen hier sind bereits verwitwet. Zwölf Jahre, fünf, sechs, oder auch nur drei Jahre. „Nachdem mein Mann drei Jahre tot war, habe ich mir gedacht, ich muss mich umorientieren“, sagt Marion Rohlje, „man muss sich sein Leben wieder aufbauen, und kann nicht immer zu Hause rumsitzen.“ Heute hat sie jeden Tag etwas vor: Gedächtnistraining, Verein, oder eben das Gemeindeabendbrot. Ihr Mann starb bereits vor zwölf Jahren.

Vorbereitung aufs Alleinleben

Relativ frisch verwitwet ist dagegen Karin Wielewicki – seit drei Jahren. Der Übergang in ein neues Leben ohne Partner ging schnell: „Ich hatte früh Zeit, mich damit zu befassen“, sagt sie. Ihr Mann bekam die Diagnose, unheilbar krank zu sein, man gab ihm drei bis vier Jahre. „Es wurde ein halbes Jahr“, sagt sie. Schon in dem halben Jahr hatte sie sich darauf vorbereitet, nach dem Tod ihres Mannes nicht einsam zu sein. „Man darf es nicht unter den Tisch kehren“, meint sie. Und: „Wenn man sich einmal verkriecht, kommt man aus seinem Schneckenhaus vielleicht nicht mehr raus.“ An einem Samstag war ihr Mann verstorben. Am Samstag danach ging sie bereits zu einer Frühstücksrunde der Kirche. Viele hier haben also Trauer hinter sich. Wird da geweint? Nein, heißt es aus der Runde, „aber viel zugehört.“ Aber: „Ich finde, dass weinen dazugehört, und auch in Ordnung wäre“, sagt Besucherin Ute Liebeskind.

Männer tun sich schwer

Eine Sorge haben die Organisatoren Horst und Heike Bödeker: „Die Männer haben es schwer, aus ihrem Schneckenhaus herauszukommen“, sagt er. Bödeker vermutet, dass Männer sich schnell davon abschrecken lassen, dass man üblicherweise etwas für das Abendessen mitbringt. Oft seien sie eben keine geübten und selbstbewussten Köche. „Ich sage immer, sie können doch auch eine Flasche Wein mitbringen. Oder einfach so kommen.“ Ute Liebeskind hingegen glaubt, dass Männer sich auch generell schwer damit tun, Kontakte aufzubauen. Bödeker ist da etwas betrübt. Jeder Mann sei willkommen.

Konfession ist egal

Das Gemeindeabendessen findet immer je nach Beteiligung einmal im Monat im Hasberger Gemeindehaus St. Laurentius statt. Es gibt ein Gebet – aber die Konfession ist egal. Hier soll jeder willkommen sein, in geschützter Atmosphäre, zum auftanken und Lebensmut wiedergewinnen. Bei Fragen kann man gerne unter Telefon (04221) 70240 bei Heike und Horst Bödeker anrufen.


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