Kriterien für Fischereiprüfung Angler in Delmenhorst: Was man für den großen Fang wissen muss

Von Sascha Sebastian Rühl


Delmenhorst. Der richtige Haken, die richtige Leine und auch Köder und Rute müssen stimmen: In Deutschland ist vorgeschrieben, dass man nur Angeln darf, wenn man eine Fischereiprüfung abgelegt hat. Was dazu nötig ist, weiß man im Fischereiverein Delmenhorst.

Draußen in der Natur zu sein, die Ruhe und die Stille genießen und natürlich die große Freude, wenn ein Fisch am Haken hängt: Das macht für Stephan Schiller, Schulungsleiter der Fischereiprüfung, die Begeisterung am Angelsport aus. „Mein größter Fang war ein 1,15 Meter langer Hecht in Niedervieland. Oder ein 98 Zentimeter langer und fast armdicker Aal.“ Ein großer Wels habe ihm einmal eine Rute durchgebrochen, die 50 Kilo halten sollte. „Jetzt habe ich aufgerüstet, aber so ein großer hat seitdem nicht wieder angebissen.“ Um Angeln gehen zu dürfen, braucht man in Deutschland einen Angelschein.

Viel Fachwissen notwendig

Bastelei gehört dazu, wenn man den großen Fang machen möchte, erklärt Schiller. „Für die Prüfung wird Ausrüstung auf einem Tisch verteilt und die Prüflinge müssen sie auf einen bestimmten Fisch zusammenstellen“, sagt Schiller. Das vielgehörte Anglerlatein umfasst zahlreiche Fachbegriffe und großes Wissen über das Leben Unterwasser. „Es gibt rund 70.000 Fischarten auf der Welt und 20.000 in unseren Gewässern.“ Da man mit einer Rute immer auf einen bestimmten Fisch angelt, muss man sich auch mit ihm auskennen. Zur Prüfung gehören auch PH-Werte, Temperaturen oder der Einfluss von Strömungen auf ein Gewässer. 16 Unterrichtstage mit je 90 Minuten gibt es vor der Prüfung.

Sport am Hasportsee: Stephan Schiller ist Angelprüfer in Delmenhorst. Er mag die Ruhe und das Erfolgserlebnis an seinem Hobby. Foto: Sascha Sebastian Rühl

Umweltschutz darf nicht vernachlässigt werden

Auch Naturschutz gehört dazu. „Komischerweise wird es für manche, je leerer ein Behältnis wird, immer schwieriger es wieder mitzunehmen“, ärgert sich Schiller. Eigentlich müsste jeder Angler seinen Platz so hinterlassen, wie er ihn vorgefunden hat. Vernachlässigen sollten Prüflinge diesen Teil der Prüfung nicht. „Es gibt sechs Fachgebiete mit insgesamt 60 Fragen. 45 müssen richtig sein, aber man kann auch mit 55 durchfallen, wenn man ein Fach verhämmert.“ Vorgekommen sei das jedoch erst einmal in seinen über 19 Jahren als Prüfer.

Land der Gesetzlosen

Gleich neben der Grenze Delmenhorsts beginnt ein Land der Gesetzlosen, zumindest wenn es ums Angeln geht. „Dort herrscht das Stockangelrecht, jeder Bremer kann mit zwei Ruten angeln gehen.“ Ohne eine Prüfung absolviert zu haben sei das außerhalb Bremens illegal. „Auf Fischwilderei gibt es sonst eine Freiheitsstrafe von bis zu zwei Jahren.“ Die Rechtskunde sollte nicht vernachlässigt werden. Ein kleiner Hinweis: Wer angelt, sollte Fisch mögen. „Nur zum Spaß zu angeln ist verboten. Man darf einen Fisch ohne triftigen Grund nicht wieder ins Wasser werfen.“

Beste Schülerin hat Erfolg mit Welsen

In seinen Jahren als Ausbilder und Prüfer haben ihn manche Schüler auch überholt, gibt er zu. So habe seine Schülerin Ronja Doreen Mindermann in der Vergangenheit solche kapitale Welse gefangen, an denen er bislang gescheitert ist. Wie viele habe sie in jungen Jahren angefangen.

Anfangen in jungen Jahren

Man kann mit zehn Jahren in den Verein eintreten, muss aber mit 14 dann die Prüfung machen. Dann gilt die Zeit bis zur Prüfung als Ausbildung.“ Angeln könnte man in jedem Alter. „Das geht in der Prüfung von 13 bis 78 Jahre“. In jungen Jahren lernt der Nachwuchs praktisch alles, was er für die Prüfung wissen muss. Auch praktisch. Das Auswerfen der Angel, das richtige Halten und auch das Heranziehen eines Fisches, sollte einer gebissen haben, gehören zur Ausbildung. Alleine angeln gehen dürfen unter 14-Jährige nicht, da das Betäuben und Töten der Tiere erfahrenen Anglern überlassen werden muss.


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