Hebammen-Mangel Delmenhorster Frauenklinik fordert duales Studium

Von Birgit Stamerjohanns

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Kreißsaal-Helferin Birte Schäfer (links) und Hebamme Claudia Robben würden sich freuen, wenn es mehr Ausbildungsplätze für Hebammen gäbe. Foto: Birgit StamerjohannsKreißsaal-Helferin Birte Schäfer (links) und Hebamme Claudia Robben würden sich freuen, wenn es mehr Ausbildungsplätze für Hebammen gäbe. Foto: Birgit Stamerjohanns

Delmenhorst. Frauenklinik-Chefärztin Dr. Katharina Lüdemann lobt die Westersteder Erklärung des Hebammenverbandes Niedersachsen. Ein dualer Studiengang mit großem Praxisanteil könne den Beruf aufwerten.

Dr. Katharina Lüdemann hat eine Nachtschicht hinter sich. Zwei Operationen mit glücklichem Ausgang – Mütter und Babys wohlauf. Immer an ihrer Seite – und an der der werdenden Eltern: Die Hebammen des Josef-Hospital Delmenhorst (JHD). 14 Geburtshelferinnen arbeiten in der Klinik. „Unsere Geburtshilfe hat einen guten Ruf, daher können wir alle Stellen besetzen“, so Chefärztin Dr. Lüdemann. Aber: Hebammen sind Mangelware, auch in Delmenhorst und Umgebung. Jede dritte bis vierte Frau findet nach der Entbindung keine Hebamme für die Nachsorge. Auf dem Land ist die Situation oft noch schwieriger. Viele Hebammen haben Teilzeitstellen in Krankenhäusern und arbeiten zusätzlich auf selbstständiger Basis in der Vor- und Nachsorge. Sie bieten zum Beispiel Geburtsvorbereitungskurse an oder betreuen die Familien mit ihrem Neugeborenen in den ersten Wochen zu Hause. Dabei fehlen schon lange Hebammen.

Hebammen fehlen

Es gibt zu wenige Ausbildungsmöglichkeiten. Die Hebammenschule in Oldenburg etwa bietet nur 15 Plätze an, die Ausbildung dauert drei Jahre. „Das reicht hinten und vorne nicht“, bringt es Dr. Katharina Lüdemann auf den Punkt. Zumal viele Hebammen gar nicht erst in einer Klinik anfangen, sondern gleich in die Selbstständigkeit gehen. Der Klinikbetrieb ist wegen der Schichtdienste nur schwer mit einer eigenen Familie zu vereinbaren.

Beruf aufwerten

Deswegen fordert der Niedersächsische Hebammenverband in seiner Westersteder Erklärung nun eine akademisierte Ausbildung. Ein duales Studium mit einem großen Praxisanteil würde den Beruf aufwerten, da ist sich auch Dr. Katharina Lüdemann sicher. Sie sieht Vorteile in einer wissenschaftlichen Begleitung, die dem Hebammenberuf zu mehr Ansehen verhelfen könnte: „Die Hebammen müssen endlich ernst genommen werden!“

Bezahlung nicht verlockend

Allerdings: „Auch finanziell muss der Beruf attraktiver werden“, fordert Dr. Lüdemann. Momentan verdient eine Hebamme im Schnitt rund 2800 Euro brutto in Vollzeit. Nicht viel dafür, dass Geburtshelferinnen im Schichtdienst arbeiten, die Nächte auf der Entbindungsstation oft besonders turbulent sind und eine Geburt immer Risiken birgt. „Ich bin fassungslos, dass in der Geburtshilfe die blanke Not herrscht, während offenbar vor der Entbindung genügend Geld für Ultraschalls und verschiedene andere Untersuchungen da ist“, kritisiert die Chefärztin. Es sei höchste Zeit, dass auch für die Hebammen-Ausbildung Geld in die Hand genommen werde.

Studiengang Hebammenwissenschaften

Die Hochschule Osnabrück bietet bereits einen Bachelor-Studiengang in Hebammenwissenschaften an. Nun soll laut der Westersteder Erklärung noch ein Studienstandort im Nordwesten dazukommen. Hebamme Claudia Robben ist seit 1996 in Delmenhorsts Kreißsälen im Einsatz. Sie sieht den Studiengang kritisch: „Durch ein Studium ändern sich erst einmal weder die Arbeitsbedingungen noch die Bezahlung“, so die Hebamme, „es gibt auch keine Unterschiede bei den Einsatzmöglichkeiten.“ Sie selbst arbeitet neben ihrer Teilzeitstelle am JHD noch als selbstständige Hebamme in der Vor- und Nachsorge. Auf keinen Fall dürfe die Hebammenausbildung zu akademisch werden, da sind sich Geburtshelferin und Chefärztin einig.


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