Diebstahl und Sozialbetrug Haft für ehemalige Bordellbetreiberin aus Delmenhorst

Von Ole Rosenbohm

Im Berufungsverfahren hat das Landgericht Oldenburg die Strafe für eine frühere Bordellbetreiberin aus Delmenhorst reduziert. Symbolfoto: Volker Hartmann/dpaIm Berufungsverfahren hat das Landgericht Oldenburg die Strafe für eine frühere Bordellbetreiberin aus Delmenhorst reduziert. Symbolfoto: Volker Hartmann/dpa

Delmenhorst/Oldenburg. Mit zwei Jahren Haft „extrem gut weggekommen“, sagte die Staatsanwältin, ist am Dienstag in einem Berufungsverfahren vor dem Landgericht Oldenburg eine 43-jährige Delmenhorsterin. Angeklagt war die ehemalige Bordellbetreiberin wegen Diebstahl wertvollen Schmucks und mehrfachem Sozialbetrug.

Die erste Tat ist lange her: Im Dezember 2013 erschien im Bordell der Angeklagten eine stockbetrunkene Frau mit ebenfalls komplett blauem Partner, die sich erst mit einer Prostituierten im Zimmer vergnügte und dann an der Bar bei der Angeklagten ausweinte. Die Frau berichtete von angeblich 200.000 Euro teurem Schmuck ihrer kurz zuvor verstorbenen Mutter. Und von ihrer Befürchtung, dass sich den jetzt der Vater unter den Nagel reißen könnte, mit dem ihre Mutter schon lange nicht mehr zusammen war.

Wegen der Angst vor dem gewissenlosen Vater habe sie den ganzen Schmuck dabei: „Hier, in dieser Tasche.“ Die Angeklagte muss große Augen gemacht haben. Das Gericht sollte später feststellen, die Geschädigte habe der Angeklagten den Diebstahl sehr leicht gemacht.

Nur scheinbar selbstlos agiert

Am nächsten Morgen waren Handtasche und Schmuck verschwunden und die Bordellbetreiberin zur Hauptverdächtigen geworden. Denn noch in der Nacht hatte sie die beiden Betrunkenen vermeintlich selbstlos in ein „sicheres Hotel“ außerhalb der Stadt gefahren. Später fand die Polizei in der Reserveradmulde ihres Wagens zwei Uhren aus der Sammlung. Das Amtsgericht Delmenhorst verurteilte die Frau im vergangenen Februar in erster Instanz zu zwei Jahren und neun Monaten Haft.

56.000 Euro zu Unrecht ausgezahlt

In das Verfahren eingebaut wurde ein mehrfacher Betrug des Jobcenters. Denn während die Frau, so die Anklageschrift, ihre Bar betrieb und dazu eine zweite Wohnung an Huren vermietete und ein Ferienhaus im Ausland besaß, kassierte sie Sozialhilfe. Bis Ende 2016 sollen in fast fünf Jahren über 56.000 Euro unberechtigt an die Frau ausgezahlt worden sein.

Weil sich die Prozessbeteiligten auf eine Richtung einigen konnten, war die zweite Instanz schnell beendet: Reduzierung des Strafmaßes für die Verteidigung, im Gegenzug ein Geständnis zu den Betrugsfällen. Dass eine Bewährungsstrafe nicht drin war, hatte die Richterin früh deutlich gemacht – allein schon, weil die Angeklagte noch unter Bewährung stand, als sie die Taten verübte.

Buße vermutlich im offenen Vollzug

Als Erstverbüßerin wird die Angeklagte wohl in den offenen Vollzug kommen. 56.000 Euro wird sie dem Jobcenter zurückzahlen müssen, zudem auch den Schmuck aufkommen müssen. Denn dieser ist – bis auf die beiden Uhren – weiter verschwunden. Weil die verstorbene Mutter der Geschädigten kaum Kaufbelege hinterließ, blieben von den angeblich 200.000 Euro Wert nur noch rund 11.000 übrig, die die Angeklagte der Staatskasse erstatten muss. Als Bordellbetreiberin arbeitet sie übrigens nicht mehr.


Weitere Angebote, Produkte und Unternehmen der noz MEDIEN