MSD-Ensemble probt für Premiere Musiktheater mit frischem Blick auf verstaubtes Genre

Von Dirk Hamm


Delmenhorst. Mit „Ball im Savoy“ hat sich das Musiktheater-Ensemble der Musikschule wieder einer Operette aus den frühen 1930er Jahren gewidmet. Premiere ist am 25. August.

„‚Ball im Savoy‘? Kennt doch kein Mensch“, sagt Michael Müller etwas provokant und doch zutreffend. Der Leiter der Musikschule Delmenhorst (MSD) arbeitet zurzeit mit dem Musiktheater-Ensemble der MSD intensiv daran, die im Dezember 1932 uraufgeführte Operette mit einstigen Gassenhauern des ungarisch-deutschen Komponisten Paul Abraham wieder einem breiteren Publikum nahezubringen. Premiere ist am Samstag, 25. August, im Kleinen Haus.

Frech-frivole Neuinterpretation

Operette, das klingt für heutige Ohren gehörig nach verstaubten Plots und viel Langeweile. „Ein solches Stück kann man heute nicht mehr in der ursprünglichen Fassung spielen“, ist Müller überzeugt und hat sich vorgenommen, wie schon bei der Erfolgsproduktion der beiden vergangenen Jahre, „Clivia“, einem alten Genre neues Leben einzuhauchen. Frisch, frivol, frech und pfiffig soll das Stück herüberkommen. So wird aus einer der Hauptfiguren, der argentinischen Tänzerin Tangolita, ein Transvestit mit holländischem Akzent, dargestellt von Eyke Swarovsky, der bereits in „Clivia“ mit komödiantischem Talent überzeugte.

„Ball im Savoy“ wiederentdeckt

Insbesondere durch die richtungsweisenden Produktionen der Komischen Oper Berlin gebe es eine moderne und gleichzeitig historische Sicht auf Operette, erklärt Müller. Stücke, die lange Zeit nicht auf den Spielplänen standen, würden so wiederbelebt.

Zu diesen Wiederentdeckungen zählt „Ball im Savoy“. In dem Dreiakter mit Vorspiel – das Libretto stammt von Alfred Grünwald und Fritz Löhner-Beda – nehmen die für das Genre typischen Verwicklungen ihren Lauf, nachdem Madeleine (Sylke Heil) und Aristide (Philipp Berse) von ihrer Hochzeitsreise zurückgekehrt sind. Der verarmte Adelige erhält eine Aufforderung seiner Verflossenen, Tangolita, ihn am Abend beim Ball im „Savoy“ in Nizza zu treffen. Er geht hin, ohne das Wissen seiner frisch Angetrauten; die wiederum taucht ebenfalls im „Savoy“ auf – inkognito.

Auch ernster Hintergrund beleuchtet

Gerade hatte Paul Abraham mit seinen Operettenerfolgen Berlin erobert, da kamen die Nationalsozialisten an die Macht, und der Höhenflug des jüdischen Komponisten endete jäh. Seine Musik wurde geächtet. Mit einer dramaturgischen Klammer bezieht Müller in seiner Inszenierung von „Ball im Savoy“ diesen biografischen Bruch mit ein. „Das Stück soll amüsieren, wir wollen aber auch den ernsten Hintergrund zeigen“, sagt Müller.

Premiere am 25. August

Noch wird immer samstags in der Musikschule kleinteilig an den einzelnen Szenen gefeilt. So fügt sich langsam jedes Einzelstück zusammen. In den beiden Wochen vor der Premiere geht es dann zum täglichen Proben ins Kleine Haus, zum Schluss ist dann auch das Städtische Orchester unter der Leitung von Adrian Rusnak beteiligt. Der erste Vorhang öffnet sich schließlich am Samstag, 25. August, um 19.30 Uhr.

Vorverkauf startet am 13. August

Weitere Aufführungen sind am Freitag, 31. August, Freitag, 7. September, Freitag, 14. September, und Samstag, 15. September, jeweils um 19.30 Uhr. Am Sonntag, 2. September, und Sonntag, 9. September, gibt es Nachmittagsvorstellungen um 16 Uhr. Der Vorverkauf startet am Montag, 13. August, im Büro der Musikschule an der Schulstraße, Telefon (04221) 14113. Die Karten kosten zwölf Euro für Erwachsene und fünf Euro für Schüler und Studenten.


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