Grünen-Antrag im Umweltausschuss Delmenhorster Verwaltung geht Pestizidverzicht zu weit

Von Sonia Voigt

Die Grünen wollen keine Pestizide auf öffentlichen Delmenhorster Flächen mehr. Symbolfoto: Patrick Pleul/dpa-Zentralbild/dpa +++(c) dpa - Bildfunk+++Die Grünen wollen keine Pestizide auf öffentlichen Delmenhorster Flächen mehr. Symbolfoto: Patrick Pleul/dpa-Zentralbild/dpa +++(c) dpa - Bildfunk+++

Delmenhorst. In einer Vorlage für den nächsten Umweltausschuss lehnt der Fachdienst Stadtgrün den Vorschlag der Grünen ab, vollständig auf Pflanzenschutzmittel zu verzichten. Diese seien zum Teil nötig, um Menschen und Bäume zu schützen.

Gegen einen vollständigen Verzicht auf Pflanzenschutzmittel, aber für einen bewussten Umgang mit Pestiziden spricht sich die Stadtverwaltung in Reaktion auf einen Antrag der Grünen aus. Über diesen berät der Umweltausschuss am Donnerstag, 16. August, ab 17 Uhr öffentlich im Rathaus. Darin fordert Marianne Huismann als Fraktionsvorsitzende der Grünen, dass die Stadt und von ihr eingesetzte Dienstleister auf kommunalen Flächen keine chemisch-synthetischen Pflanzenschutzmittel mehr einsetzen.

Fachdienst will Handlungsspielraum

Weitere Forderungen der Grünen, etwa insektenfreundliche Projekte zu unterstützen und Bürger über insektenfreundliches Gärtnern zu informieren, befürwortet die Stadtverwaltung in ihrer Empfehlung an die Ratsleute. Finanz- und Personalengpässe begrenzten Letzteres aber, etwa auf Werbung für den Bienenlehrpfad und den Bürgerparkverein. Beim Pestizideinsatz auf öffentlichen Flächen und besonders Sportanlagen will sich der Fachdienst Stadtgrün und Naturschutz allerdings „Handlungspielraum“ erhalten – etwa bei Schädlingen wie dem Eichenprozessionsspinner, der Menschen gesundheitlich beeinträchtigen könne, oder dem Eichensplintkäfer, der Jungbäume zerstören kann.

Jährliche Berichte vorgeschlagen

Auf Sportanlagen ermögliche vorausschauende Pflege seit 20 Jahren, auf Pflanzenschutzmittel zu verzichten. Für die Reinigung von Kunststoffbahnen und Kunstrasen seien aber zum Teil Herbizide erforderlich. Manche „Nichtgräser“ könnten den Rasen zudem rutschig machen und zu Unfällen führen. Ein „Einsatztagebuch“ über die Verwendung von chemischen Mitteln könne aber Transparenz schaffen, schlägt die Verwaltung vor und bietet jährliche Berichte an. Zudem könne die Delmenhorster Wirtschaftsförderung bei der Verpachtung kommunaler Flächen an Landwirte prüfen, inwiefern ein Verbot des Pestizideinsatzes vertraglich verankert werden kann und welche Einbußen das verursacht. Auch Firmen, an denen die Stadt Mehrheiten hält, könnten zum Pestizidverzicht aufgefordert werden.


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