Brazzo Brazzone in Delmenhorst Kauzige Sprüche und Kostüme auf der Burginsel

Von Kai Hasse

Brazzo Brazzone spielte auf der Graftinsel vor etwa 250 Besuchern. Einige konnte die Band schließlich zum Tanzen animieren. Foto: Kai HasseBrazzo Brazzone spielte auf der Graftinsel vor etwa 250 Besuchern. Einige konnte die Band schließlich zum Tanzen animieren. Foto: Kai Hasse

Delmenhorst. Schöne, mitreißende Musik hat die Band „Brazzo Brazzone& The World Brass Ensemble“ beim Musik-Picknick auf der Burginsel gemacht. Etwa 250 Delmenhorster kamen zusammen und ließen sich mitreißen.

Mit angenehmem Mut zur Schrulle kommt Daniel Zeinoun daher – bei der wilden Gründungsgeschichte seiner Band, die er so erzählt. Zeinoun, der nun im Rahmen des 16. Gartenkultur-Festivals auf der Burginsel gespielt hat, hat seine Musik von seinem Urgroßvater Brazzo Brazzone. Der – bis dahin total unbekannt – erschien ihm im Traum und wies ihn an, Musik zu machen. Und der Urenkel gehorchte, fand die Musik des Uropas, sein Instrument, dann ihm ebenfalls gänzlich unbekannte italienische Brüder und Mit-Musikanten, und fertig war die Band, die nun spielte.

Kauz im bizarren Outfit

Etwas kauzig gibt sich der Mann auch auf der Bühne: Ein kleiner Mann in bizarr-buntem Anzug, der unaufhörlich mit einem flirrenden italienischen Akzent redet – und mit seiner Band tolle Musik macht. Alle möglichen Funk- Soul oder Jazz-Evergreens serviert er den Menschen, alles mit einem Bigband-Sound, bei dem die Offbeats das Lied galoppieren lassen. Das ganz klingt wie eine Mischung aus Blues Brothers in italienisch, einer Flamenco-Combo und brasilianischem Carneval. Da sitzt mal eine Harmonie neben dem Original-Stück, oder sie fehlt, und man fragt sich, ob das so soll, aber im Zweifel ist‘s egal, weil es nämlich einfach Spaß macht. Und das soll so.

„Delmenhorste incredibile!“

Das Publikum fand die Musik von Uropa Brazzo prima. Die etwa 250 Delmenhorster saßen auf Decken, nagten an Melonen und nippten am Wein. Zeinoun holte sie von den Stühlen, brachte ihnen Salsa bei: „Den Fuß nach vorn: Bum. Den denselben Fuß – nach hinten: Bum. Sisisisi!“ So leicht ist Salsa. Dann spielt die Band – und tada: Delmenhorst tanzt Salsa. Zeinoun steht vor Begeisterung Kopf: „Delmenhorste incredibile, Bravo! Applauso!“

Ausdruckstanz zwischen den Bäumen

Die meisten Delmenhorster setzen sich später auch wieder, weil sie vielleicht doch nicht die allergrößten Tänzer sind, aber sie haben Spaß. Sie schnippen, wie wenn jeder Schnipp ihre letzte Mission im Leben ist, schaufeln sich mit Fächern Frischluft im Takt zu, proben das akzentuierte Flamenco-Klatschen, verlieren sich im Ausdruckstanz irgendwo zwischen den Bäumen, und trommeln den Takt auf den Bierkästen, auf denen sie sitzen. Ein schönes, funkiges Picknick-Fest auf des alten Grafen Hof. Es wäre auch etwas für Jüngere gewesen. Die blieben aber weitgehend fern. Schade.


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