Hanse-Wissenschaftskolleg Als Delmenhorst um die Denkfabrik HWK rang

Von Dirk Hamm


Delmenhorst. Das Hanse-Wissenschaftskolleg brachte Delmenhorst vor 20 Jahren auf die Landkarte der renommierten Forschungsinstitute. Das Projekt drohte am Geld zu scheitern.

Es ist noch längst nicht jedem Bürger der Stadt bewusst: Mit dem Hanse-Wissenschaftskolleg (HWK) verfügt Delmenhorst über ein Wissenschaftsinstitut von internationalem Rang. Während dort Fellows aus aller Welt für einen mehrmonatigen Zeitraum frei von akademischen Verpflichtungen ihren Forschungsvorhaben nachgehen, öffnet sich das Haus gleichzeitig immer wieder für die Öffentlichkeit – die Vorträge mit hochkarätigen Wissenschaftlern zu aktuellen Themen lohnen stets den Besuch in dem weißen HWK-Gebäude auf der Anhöhe am Lehmkuhlenbusch.

Gemeinnützige Stiftung mit drei Partnern

Bereits im Oktober 1997 eröffnet, nahm das HWK als eines von weltweit nur rund 25 „Institutes for Advanced Study“ vor 20 Jahren seinen vollen Betrieb auf. Bei einem Festakt am 23. Juli 1998 sprachen der niedersächsische Wissenschaftsminister Thomas Oppermann und die Bremer Wissenschaftssenatorin Bringfriede Kahrs. Das HWK war als gemeinnützige Stiftung von den Bundesländern Niedersachsen und Bremen sowie von der Stadt Delmenhorst gegründet worden.

Eine langwierige Vorgeschichte

Die Standortentscheidung für die bis dahin nicht als herausragender Hort der Wissenschaft hervorgetretene ehemalige Industriemetropole Delmenhorst besitzt eine nach Ansicht von Ex-Oberbürgermeister Dr. Harald Groth, zur damaligen Zeit Mitglied des niedersächsischen Landtags, „spannende und langwierige Vorgeschichte“. Am Anfang stand ein Grundsatzbeschluss der beiden Bundesländer für ein Institut, das wie in vergleichbaren Angeboten in Berlin, Stanford, Princeton und Oxford internationale Kapazitäten als Fellows mit Stipendien interdisziplinär zur Zusammenarbeit einladen sollte. Von diesem Punkt an hat Delmenhorst politisch seinen Hut in den Ring geworfen.

Ministerpräsidenten standen hinter dem Projekt

Ebenso wie Oberstadtdirektor Dr. Norbert Boese und Oberbürgermeister Jürgen Thölke warb Harald Groth für die Bewerbung der Stadt, die von einer großen Mehrheit im Rat unterstützt wurde. Angesichts knapper Haushaltsmittel in den beteiligten Ländern stand das Projekt zeitweise auf der Kippe. Laut Groth standen aber die Regierungschefs Gerhard Schröder in Hannover und Henning Scherf in Bremen zu dem Gründungsvorhaben und bekannten sich zu Delmenhorst als künftigen Standort des Wissenschaftskollegs.

Drei Standorte in der Diskussion

Um den Schwebezustand zu beenden und das Projekt zugunsten Delmenhorsts zu forcieren, galt es nun, ein geeignetes Grundstück für die Ansiedlung der Denkfabrik zu präsentieren. „In Absprache mit der Eigentümerfamilie des Guts Hasport brachten wir die Anlage am Hasportsee mit Skizzen und Plänen ins Gespräch“, erinnert sich Groth. Zwei weitere Standorte standen zur Diskussion: das Expo-Außengelände auf der Nordwolle und das Gelände des früheren Guts Lehmkuhlenbusch, dessen einst prächtiges Herrenhaus ab den 1950er Jahren verkommen und 1973 abgerissen worden war.

Zuschlag für den Lehmkuhlenbusch

Während der vergleichenden Untersuchung der drei Orte, die die Vorbereitungskommission der beiden Länder in Auftrag gab, zog die Eigentümerfamilie des Guts Hasport ihre Zusage zurück, die Anlage einzubringen. Der ehemalige Bremer Stadtplaner Eberhard Kulenkampff, der die Untersuchung vornahm, gab schließlich dem Grundstück am Lehmkuhlenbusch den Vorzug, laut Groth auch angesichts der später noch zugestifteten Entwicklungsflächen Richtung Dummbäke. Die Entscheidung war gefallen: „Die Stadt erstellte zeitnah den Bebauungsplan und brachte sich mit der Zustiftung des Grundstücks am Lehmkuhlenbusch als dritter Stifter in das Projekt mit ein.“


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