Delmenhorster Flüchtling als Azubi In der Werkstatt wird aus Dloevan „Andy“

Von Vincent Buß

In der Delmenhorster Werkstatt des Autohauses Engelbart betreut Kundendienstleiter Martin Meyer (links) den syrischen Azubi Dloevan Alali. Foto: Vincent BußIn der Delmenhorster Werkstatt des Autohauses Engelbart betreut Kundendienstleiter Martin Meyer (links) den syrischen Azubi Dloevan Alali. Foto: Vincent Buß

Delmenhorst. Im neuen Teil der dk-Serie über Ausbildungsberufe geht es um Dloevan Alali. Der Syrer lässt sich im Autohaus Engelbart zum Kfz-Mechatroniker ausbilden.

Vom Reifenwechsler zum Kfz-Mechatroniker in spe: Der syrische Flüchtling Dloevan Alali hat im August eine Ausbildung zum Kfz-Mechatroniker beim Autohaus Engelbart begonnen. Vermittelt hat ihn die Kausa-Servicestelle Delmenhorst. Mit dieser kam Dloevan Anfang 2017 in Kontakt. Sie berät vor allem Jugendliche mit Migrationshintergrund und Geflüchtete in Sachen beruflicher Ausbildung.

Ursprünglicher Berufswunsch: Zahntechniker

Eigentlich wollte der Syrer Zahntechniker werden – doch Jürgen Schulenberg, sein Seniorbetreuer bei Kausa, riet ihm ab. Es gebe zu wenige Ausbildungsplätze. Doch er bemerkte, dass Dloevan handwerklich begabt ist und sich für Autos interessiert. Er nahm Kontakt zu Manfred Engelbart auf.

Der Inhaber und Geschäftsführer des gleichnamigen Toyota-Autohauses reagierte zunächst zurückhaltend. „Wir waren personell eigentlich ausgelastet“, erzählt er. Engelbart hatte aber eine Idee: Dloevan sollte drei Monate lang beim Reifenwechseln helfen. Es dauerte nicht lange, bis der Syrer den Chef begeisterte: „Wir haben gesehen, dass er arbeiten kann, Talent hat und ein feiner Kerl ist.“ Allein die Sprache bereitete Dloevan noch ein paar Probleme.

Aus Syrien vor dem IS geflohen

Schließlich war es noch nicht lange her, dass der Syrer vor dem IS nach Deutschland geflohen war. Seine Familie konnte nicht mitkommen. „Es ist zu teuer“, erklärt der 23-Jährige. Mittlerweile ist er seit zweieinhalb Jahren in Deutschland und lebt alleine in Delmenhorst.

Wegen seiner überzeugenden Mitarbeit im Autohaus konnte Dloevan dort seine Einstiegsqualifikation als Vorbereitung zur Ausbildung zu beginnen. „Sein Deutsch hat Riesenfortschritte gemacht“, berichtet Martin Meyer, Kundendienstleiter bei Engelbart. Anfangs war das anders: „Wenn ich ihm gesagt habe ‚Bau mal eine Glühbirne aus‘, hat er das Rad abgebaut“, erzählt Meyer lachend. Fachlich sei Dloevan aber immer sehr gut gewesen. Letztendlich konnte er deshalb zum 1. August seine Ausbildung zum Kfz-Mechatroniker beginnen.

So läuft die Ausbildung zum Kfz-Mechatroniker ab

Diese dauert dreieinhalb Jahre, wird aber meist um sechs Monate verkürzt. Ein bis zwei Mal pro Woche geht es in die Berufsschule. Das Gehalt beträgt anfangs 780 Euro brutto und steigt im Laufe der Zeit auf 950 Euro. Die Azubis durchlaufen sämtliche Stationen des Autohauses, etwa die Gebrauchtwagenabteilung oder das Lager.

Dloevan möchte in Deutschland bleiben. Und das Autohaus will ihn Engelbart zufolge gerne übernehmen: „Wir sehen in ihm den Nachwuchs, den wir brauchen.“ Für seine Kollegen ist er schon fester Bestandteil des Teams: Weil sie „Dloevan“ nicht aussprechen können, nennen sie ihn einfach „Andy“


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