Steigende Zahlen Mehr Auszubildende in Industrie, Handel und Handwerk

Von Frederik Grabbe

Handwerk, Industrie und Handel verzeichnen 4 bis 5 Prozent mehr unterzeichnete Ausbildungsverträge. Foto: Carsten Rehder/dpaHandwerk, Industrie und Handel verzeichnen 4 bis 5 Prozent mehr unterzeichnete Ausbildungsverträge. Foto: Carsten Rehder/dpa

Delmenhorst. Handwerk, Industrie und Handel verzeichnen 4 bis 5 Prozent mehr unterzeichnete Ausbildungsverträge. Und doch hat man den Fachkräftemangel fest im Blick. Denn einige Unternehmen erhalten problematisch wenige Bewerbungen.

Die Wirtschaft verzeichnet in diesem Sommer ein Plus an Ausbildungsverträgen. Das geht aus Angaben der Oldenburgischen Industrie- und Handelskammer (IHK) und der Kreishandwerkerschaft Delmenhorst/ Oldenburg-Land hervor. Allerdings blickt insbesondere das Handwerk einen sich zuspitzenden Fachkräftemangel entgegen.

Zahl der Ausbildungsverträge ist gewachsen

Ein leichtes Plus bei den Ausbildungsverträgen verzeichnet etwa die IHK: So zählte sie am 31. Juli 156 neu eingetragene Ausbildungsverhältnisse in der Stadt Delmenhorst. Das sind 4,7 Prozent mehr, als im Vorjahresmonat. Im Geschäftsbereich der IHK liegt Delmenhorst damit auf dem vorletzten Platz hinter der Wesermarsch (-3,8 Prozent). Das größte Wachstum verzeichnet der Landkreis Oldenburg mit einem Wachstum von 26,5 Prozent auf 301 Lehrstellen. Eine signifikante Relevanz spricht Ludger Wester, Assistent der Geschäftsführung der IHK, diesen Zahlen aber nicht zu. Denn: „Nicht alle Unternehmen beginnen jährlich neue Ausbildungsverhältnisse, andere schließen ihre Verträge später. Hier müssen die Zahlen zum Jahresende abgewartet werden.“ So äußert sich auch der Geschäftsführer der Kreishandwerkerschaft Delmenhorst/ Oldenburg-Land, Hartmut Günnemann, der sich trotzdem über 4,1 Prozent mehr Lehrstellen in seinem Bereich freut. Nach Angaben der HWK wurden bis Ende Juli 280 Ausbildungsverträge unterschrieben.

Kaufmännische Berufe dominieren, Kfz-Mechatroniker beliebt

(Weiterlesen: Zahl der Ausbildungsstellen geht in Delmenhorst deutlich zurück)

Laut IHK dominieren in ihrem Gesamtgebiet insbesondere kaufmännische Berufe. Kaufleute der Industrie, des Einzelhandels, für Büromanagement, im Groß- und Außenhandel nehmen die ersten vier Plätze der unterzeichneten Verträge ein. Fachkräfte für Lagerlogistik folgen auf Platz fünf. Beim Handwerk wurden die Kfz-Mechatroniker und Elektroniker am häufigsten nachgefragt, teilt die HWK mit. Zudem wollen 2018 auffallend viele Tischler oder Augenoptiker werden. In den jeweiligen Bereichen gab es einen Zuwachs von 17 beziehungsweise acht Prozent.

Fachkräftemagel ist trotz Wachstum ein Thema

Trotz des allgemeinen Wachstums bei den Ausbildungsverträgen sieht Günnemann Handwerksbetriebe vor der immer größeren Herausforderung, „eine ganze Reihe von Ausbildungsstellen“ nicht besetzen zu können. Die Homepage der Kreishandwerkerschaft weist derzeit offene 77 Ausbildungsstellen aus (Stand: 31. Juli). Günnemann schätzt, dass weiteren 20 Prozent der Jugendlichen im Handwerk ein Ausbildungsplatz angeboten werden könnte. Er sieht in einigen Bereichen einen ausgemachten Fachkräftemangel: „Manche Betriebe können Aufträge nicht mehr annehmen, weil ihnen schlicht das Personal fehlt.“ Das betreffe etwa die Bereiche Haustechnik, Sanitär, Heizung und Elektrik aber auch Fleischer und Bäcker. Für die IHK erhalten Betriebe in den Bereichen Gastronomie, Handel, Transport und Logistik problematisch wenige Bewerbungen.

Zahl der noch unbesetzten Ausbildungsstellen steigt um 40 Prozent

Viele offene Ausbildungsstellen und weniger Bewerber erkennt auch die Agentur für Arbeit. Im aktuellen Arbeitsmarktbericht schreibt sie, dass die Zahl der Bewerber im derzeitigen Berufsberatungsjahr im Vergleich zum Vorjahr um 8 Prozent auf 773 abgenommen hat. Zugleich wurden 11 Prozent mehr Ausbildungsstellen gemeldet (insgesamt 328). 256 Bewerber waren zuletzt noch unversorgt, eine leichte Abnahme zu 2017. Hingegen waren 100 Stellen unbesetzt – das ist ein enormer Anstieg von fast 40 Prozent im Vergleich zum Vorjahr.


Ausbildungswillige berät die Agentur für Arbeit unter Telefon (0800) 45555500.

Weitere Angebote, Produkte und Unternehmen der noz MEDIEN