Arbeitskräftenachfrage hält an Schüler und Gesellen drängen auf den Delmenhorster Arbeitsmarkt

Von Frederik Grabbe

Die Zahl der Arbeitslosen hat im Juli leicht zugenommen, bleibt unter 10 Prozent. Der Zuwachs erklärt sich vor allem durch junge Arbeitslose, die die Schule oder die Ausbildung beendet haben. Foto: Julian Stratenschulte/dpaDie Zahl der Arbeitslosen hat im Juli leicht zugenommen, bleibt unter 10 Prozent. Der Zuwachs erklärt sich vor allem durch junge Arbeitslose, die die Schule oder die Ausbildung beendet haben. Foto: Julian Stratenschulte/dpa

Delmenhorst Die Zahl der Arbeitslosen hat im Juli leicht zugenommen, bleibt unter 10 Prozent. Der Zuwachs erklärt sich vor allem durch junge Arbeitslose, die die Schule oder die Ausbildung beendet haben.

Die Zahl junger Arbeitsloser hat im vergangenen Monat stark zugenommen. Das geht aus den neuesten Arbeitsmarktzahlen hervor. Der Grund: Mit dem Schuljahres- und Ausbildungsjahresende haben sich übergangsweise saisontypisch viele junge Menschen arbeitslos gemeldet. Sie sollen aber bald wieder aus der Arbeitslosenstatistik verschwinden.

Arbeitslosenquote bleibt unter der 10-Prozent-Marke

Laut Agentur wurden Ende Juli in Delmenhorst insgesamt 3707 Arbeitslose gezählt, in Ganderkesee 675. In der Stadt entspricht das im Vergleich zum Juni einer Zunahme von zwei Prozent (+71). Der Jahresvergleich allerdings zeigt, dass auf lange Sicht die Zahl kräftig abgenommen hat (-474). Derzeit beträgt die Arbeitslosenquote 9,4 Prozent, vor einem Jahr lag sie bei 10,6 Prozent.

Schüler und Gesellen drängen auf den Arbeitsmarkt

Bei der Zunahme im vergangenen Monat stechen vor allem die Jungen heraus: Bei den unter 25-Jährigen gab es ein Plus von 6,2 Prozent (+24) – die Zunahme sei zwar vergleichsweise hoch, jedoch zeigt der Blick aufs Vorjahr, dass die Nachfrage nach Arbeitskräften stark zugenommen hat: Da hat in dieser Altersgruppe die Arbeitslosenzahl im Juli 2017 noch um 85 zugenommen. Junge Menschen, die eine Ausbildung beginnen, das Studium starten oder frisch ausgebildet ihre erste Stelle antreten, werden aufgrund der guten Konjunktur wohl bald aus der Statistik verschwinden, sagte Karin Kayser, Leiterin der Agentur für Arbeit in Delmenhorst. Für die gute Konjunktur sprechen auch die Zahlen bei den über 50-Jährigen: 140 mehr Männer und Frauen waren vor einem Jahr arbeitslos als heute. Kayser: „Wir erkennen aktuell eine gute Aufnahmefähigkeit des Arbeitsmarktes.“ Gleichwohl bleibt die Zahl der arbeitslosen über 50-Jährigen mit 1127 vergleichsweise hoch.

(Wirtschaftsboom geht an Delmenhorster Langzeitarbeitslosen vorbei)

Vergleichsweise viele Stellen bleiben unbesetzt

Ebenfalls hoch ist der Bestand an offenen Stellen. 728 Jobs haben die Arbeitgeber im Juli ausgeschrieben. Das ist zwar im Vorjahresvergleich leicht weniger (-25) und auch wurden seit Jahresbeginn mit 1138 insgesamt sieben Prozent weniger Stellen gemeldet als 2017 – allerdings sei das ein „nicht gravierendes Niveau“, hielt Regina Krumpe, Teamleiterin Arbeitgeberservice bei der Agentur, fest. Die meisten offenen Stellen gibt es derzeit in den Bereichen Produktion und Fertigung (267), Gesundheit und Soziales, Lehre und Erziehung (156) und Verkehr und Logistik (117).

Hoher Grad an Unterbeschäftigung

Trotz der guten Konjunktur bleibt in Delmenhorst der Grad an Unterbeschäftigung mit 13,7 Prozent hoch: 5590 Männer und Frauen sind derzeit unterbeschäftigt, zählen also offiziell nicht vollständig als arbeitslos, weil sie an Maßnahmen teilnehmen.


Grundsätzliche Daten zum Bereich des Jobcenters Delmenhorst

Mehr als 10.000 Delmenhorster erhielten 2016 Leistungen der Grundsicherung, eine „hohe Zahl“, wie das Arbeitsmarkt- und Integrationsprogramm 2017/2018 festhält. Arbeit oder eine Ausbildung zu finden, sei „unter realen Marktbedingungen“ nur schwer zu realisieren – und wenn, nur auf lange Sicht. Im Juli 2016 hatten 71 Prozent aller Jobcenterkunden keinen Berufsabschluss, nur 11 Prozent wiesen marktnahe Bewerberprofile auf.

Unter ihnen ist die Zahl der Alleinerziehenden mit 1059 „hoch“, wie es in dem Papier heißt. Aufgrund der geringen Quote an Berufsabschlüssen und der schwierigen Betreuungssituation liege ein „besonderes Augenmerk“ auf Alleinerziehenden.

Von 7500 erwerbsfähigen Leistungsberechtigten sind 5000 im Langzeitleistungsbezug, 3300 sind seit länger als vier Jahren ohne Arbeit.

Tiefstwerte in den vergangenen fünf Jahren wurden bei den Zahlen der Leistungsempfänger (7619) und Bedarfsgemeinschaften (5413) erreicht (2011: 7300; 5197). Grund ist laut Integrationsprogramm der Flüchtlingszuzug.

Die Beschäftigungsquote in der Stadt liegt bei 54 Prozent, drei Prozent unter dem Bundesschnitt. Auch wenn im vergangenen Jahr die Arbeitslosigkeit abgebaut werden konnte, liege dies an arbeitsmarktpolitischen Instrumenten, also Maßnahmen des Jobcenters. Exemplarisch steht dafür die Zahl der Unterbeschäftigten von 5840 (Januar 2017: 14,4 Prozent, Januar 2016 13,5 Prozent).

Schwierig sei der Delmenhorster Arbeitsmarkt auch wegen der enormen Pendleranzahl. Gegengerechnet 6700 Menschen pendeln täglich aus der Stadt, um woanders einer Arbeit nachzugehen.

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