Neues Buch von Dr. Lars Hochmann Delmenhorster Ökonom will der „Fantasie Futter geben“

Von Marco Julius

Der gebürtige Delmenhorster Dr. rer. pol. Lars Hochmann hat jüngst das Buch „Vom Nutzen und Nachteil der Ökonomik für das Leben“ veröffentlicht. Foto: Hochmann/privatDer gebürtige Delmenhorster Dr. rer. pol. Lars Hochmann hat jüngst das Buch „Vom Nutzen und Nachteil der Ökonomik für das Leben“ veröffentlicht. Foto: Hochmann/privat

Delmenhorst. Der Delmenhorster Lars Hochmann zählt zu den kritischen Ökonomen. Seiner eigenen Fachrichtung wirft er vor, zu wenig Vielfalt zuzulassen.

Wenn Verlage Autoren bewerben, muss man meist etwas vorsichtig sein, darf nicht alles für bare Münze nehmen. Doch im Fall von Lars Hochmann ist dem Transcript Verlag vermutlich eine ganz treffende Beschreibung gelungen. „Für Optimismus zu skeptisch – jedoch nicht frei von Hoffnung und Lust“, so heißt es über den Delmenhorster, der heute in Lüneburg lebt und dort als wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Leuphana Universität beschäftigt ist. „Vom Nutzen und Nachteil der Ökonomik für das Leben – Reflexionen aus einer schwierigen Wissenschaft“ ist die aktuelle Publikation des kritischen Ökonomen, der 2016 promoviert hat, betitelt. Doch zum Buch später.

Mitbegründer der Kleinkunst Bewegung

Hochmann, 30 Jahre jung, hat sich in Delmenhorst, wo er 2007 an der BBS I die Hochschulreife erwarb, einen Namen als Mitbegründer der Kleinkunst Bewegung gemacht, ein Zusammenschluss junger Kulturförderer und Kunstschaffender, die sich getraut haben, Delmenhorster Künstlern eine Bühne zu bieten und bekannte Indie-Künstler in die Stadt zu holen. 2010 ging es richtig los. „Wir haben es geschafft, frischen Wind in die Kulturszene zu bringen“, sagt Hochmann, der eigene Anspruch, Hilfe zur Selbsthilfe zu leisten, also mehr Leute vom Konsumieren zum Machen zu bewegen, der sei dann aber doch irgendwie gescheitert. Im Zweifel für den Zweifel. Für Optimismus zu skeptisch.

Als politisches Wesen begreifen

Womit wir wieder bei Hochmanns neuestem Buch wären, das ein Appell ist. „Wir Ökonominnen und Ökonomen müssen uns wieder als die politischen Wesen begreifen lernen, die wir heute mehr denn je sind“, sagt Hochmann. In den Wirtschaftswissenschaften sei ein Denkstil verbreitet, der auf einen fixen Punkt zulaufe. „Derlei universalgeschichtliche Eindeutigkeiten müssen früher oder später übergriffig werden, letztlich töten und abtöten. Das führt, wie wir heute sehen, zu einer schockierend beiläufigen Vertrocknung der Bildungs- und Einbildungskraft zu vieler Menschen“, kritisiert der Ökonom. „Die Einsicht, dass der Weg in eine neue Gesellschaft über eine neue Ökonomie führt, hat sich bislang nicht nennenswert herumgesprochen“, bedauert Hochmann. Mit seinem Buch will er der „Fantasie Futter geben, was warum wie wo noch möglich ist“. Nicht frei von Hoffnung eben, so wie es der Verlag auf den Punkt bringt.

Gegen den Strich

Selbstoptimierung, der Trend, sich auch in der Freizeit per Fitness-App oder Schrittzähler permanent zu überwachen und zu fordern – Hochmann sieht auch dort die Freiheit gefährdet. Alles müsse immer irgendwie Profit bringen, zielgerichtet sein, es bleibe kein Platz für Vielfalt, für Mündigkeit. Bei der Kleinkunst Bewegung etwa, da sei es eben nicht um Gewinne gegangen, nicht darum, wie man Geld verdient. Die Welt ein bisschen besser machen, das sei ein Ansatz gewesen. Gegen den Strich – darüber nachdenken, wie wir leben wollen. „Was treibt, ist stets die Neugier“, sagt Hochmann. Das habe für ihn in der Kultur gegolten, das gelte jetzt im wissenschaftlichen Betrieb. Wissenschaft sei übrigens eine prekäre Angelegenheit, betont Hochmann. Da muss auch der Ökonom rechnen. Wohin Hochmanns Weg führt? Professur? Noch sei alles offen, sagt er – skeptisch, doch nicht frei von Hoffnung.


Das Buch „Vom Nutzen und Nachteil der Ökonomik für das Leben – Reflexionen aus einer schwierigen Wissenschaft“, Transcript Verlag, kostet 29,99 Euro. Hochmann ist hier unterwegs: www.twitter.com/LarsHochmann

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