Dürre sorgt für Futterknappheit Delmenhorsts Landwirte verlieren die Hoffnung

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Die Dürre hat die Landwirte so fest im Griff wie seit Jahrzehnten nicht mehr. Weil sie kein Futter mehr auf der Weide finden, kommen bereits viele Milchekühe in den Stall. Foto: dpaDie Dürre hat die Landwirte so fest im Griff wie seit Jahrzehnten nicht mehr. Weil sie kein Futter mehr auf der Weide finden, kommen bereits viele Milchekühe in den Stall. Foto: dpa

Delmenhorst. Die Delmenhorster stöhnen unter der anhaltenden Sommerhitze. Wirklich an die Substanz geht die Hitze aber auch bei den Landwirten der Stadt. Die Landvolk-Verbände Hasbergen und Delmenhorst erwarten hohe Einbußen bei der Ernte und dadurch wenig Futter für ihre Tiere.

Die Delmenhorster Landwirte blicken sorgenvoll auf ihre Felder und Tiere. Die Dürre sorgt für hohe Einbußen, das ist bereits jetzt klar. Ob es noch eine kleine Erleichterung gibt, hängt an der Frage, ob es bald ergiebig regnen wird.

Einbußen von etwa 50 Prozent

Was auf den Feldern rund um Delmenhorst wächst, wie Getreide oder Mais, landet zu einem großen Teil als Futter in den Trögen der Fleisch- und Milchbauern. Aber es kommt nichts mehr nach: Auf den Weiden für Heu oder Gras-Silage steht der dritte Schnitt an. „Der erste Schnitt im Mai war noch durchschnittlich“, sagt Torben Hakemann, Vorsitzender des Landvolkes Hasbergen. „Der zweite Schnitt hatte nur noch etwa 50 Prozent. Beim dritten ist absehbar, dass er so gut wie nicht existent sein wird.“ Das ist eine direkte Folge der Dürre. Das Getreide im Stadtnorden mit etwa 50 Landwirten seines Verbandes sei zu etwa 90 Prozent gedroschen. Gegenüber dem Vorjahr gebe es eine Einbuße von etwa 50 Prozent. Der Mais im Norden der Stadt habe noch Hoffnung: Die Bestände auf typischerweise nasseren Flächen könnten noch eine gute Ernte bringen, wenn bald Regen fällt. „Wenn der ausbleibt, müssen wir aber ebenfalls mit Einbußen von etwa 50 Prozent rechnen“, sagt Hakemann. Für die Landwirte, deren Maisfelder höher, also damit trockener, stehen, käme Regen aber zu spät – selbst wenn er kommt. Ähnliches berichtet Hilmer Schwarting, Vorsitzender des Landvolkes Delmenhorst im südlichen Bereich der Stadt mit gut 80 Adelheider oder Annenheider Bauern. „Die Weiden sind alle. Da ist nichts mehr.“ Beim Mais, der Hitze und Dürre besser erträgt, ist die Hoffnung der südlichen Bauern bereits geschwunden. „Wenn in den vergangenen Tagen Regen gefallen wäre, wäre es noch gegangen. Aber jetzt kommt da nichts mehr.“

Die Reserven kommen in die Futtertröge

Die Folge ist, dass Futter für die Tiere fehlt. Die Bauern aus Hakemanns nördlichem wie auch Schwartings südlichem Verband nehmen zum Teil die Rinder von den Weiden, weil die nichts mehr zu fressen finden, und sie müssen zufüttern. Das geht dann schmerzhaft an die Substanz: Heureserven für den Winter kommen in die Tröge, oder die Tiere bekommen Stroh und Kraftfutter, das zugekauft werden muss. Der Markt für Futter ist angespannt. Die Landwirte, die Getreide verkaufen, machen trotz leicht steigender Getreidepreise nicht den Gewinn, den sie brauchen – mangels Verkaufsmasse. Milcherzeuger wie Hakemann können sich etwas trösten mit einem derzeit anziehenden Milchpreis. Aber manches Vieh landet früher als vorgesehen im Schlachthof. Der Bundesdeutsche Bauernverband fordert nun Liquiditätshilfen für Bauern, deren Ertrag mehr als 30 Prozent unter dem Schnitt der letzten Jahre liegt. „Und wir liegen im Schnitt bei Einbußen um die 50 Prozent“, kommentiert Hakemann.

Wenig Auswirkungen für den Verbraucher

Was bei den Landwirten zu wirtschaftlichen Einbußen führt, das merke der Verbraucher wenig, erklärt Hakemann. Die Preise der Brötchen würden wohl kaum steigen, weil der Mehlpreis einen verschwindend geringen Teil der Produktionskosten ausmache. Kartoffeln würden kleiner werden. Ansonsten bliebe das Problem wenig bemerkbar. Eine mittelfristige Umstellung auf heißere Sommer mit hitzefesteren Feldfrüchten sei ein unsicheres Wagnis – immerhin habe es beispielsweise im vergangenen Jahr einen extrem feuchten Sommer gegeben. Ein bemerkenswerter neuer Effekt: Im Alten Land, hört Hakemann, würde man mittlerweile gute Gewinne mit Nektarinen machen.


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