Straftat liegt lang zurück Amtsgericht Delmenhorst verurteilt Ukrainer nach sieben Jahren

Von Marco Julius

Das Amtsgericht Delmenhorst hat einen Ukrainer wegen Beihilfe zum Drogenhandel verurteilt. Foto: Volker Hartmann/dpaDas Amtsgericht Delmenhorst hat einen Ukrainer wegen Beihilfe zum Drogenhandel verurteilt. Foto: Volker Hartmann/dpa

Delmenhorst. Das Amtsgericht Delmenhorst hat einen Ukrainer wegen Beihilfe zum Drogenhandel zu einer Gefängnisstrafe von einem Jahr und sechs Monaten auf Bewährung verurteilt. Das Besondere: Das verurteilte Verbrechen liegt sieben Jahre zurück.

2011 weilte der heute 37-Jährige für einige Zeit in Delmenhorst. Sein Vater lebte hier, zudem unterhielt er eine Beziehung zu einem in Szene- und Justizkreisen bekannten Heroinhändler, der zurzeit eine über sieben Jahre lange Haftstrafe absitzt. Der Ukrainer half dem Dealer wohl mit einigen handwerklichen Arbeiten, verkaufte ihm auch auf recht dubiosen Wegen ein schnelles Auto. Und er fuhr den führerscheinlosen Drogenhändler mehrmals zu Abnehmern. Zwei dieser Fahrten sind belegt, bei einer Fahrt auch die ausgelieferte Menge: ein halbes Kilogramm Heroin. Wegen dieser Fahrten wurde der Ukrainer dann per Haftbefehl EU-weit gesucht.

EU-weit gesucht

Vielleicht hat der Mann gar nicht mehr an diese Zeit gedacht, als er sich im März ins Auto setzte, um eine Messe in Italien zu besuchen. Aber an der ungarischen Grenze wurde er festgenommen, 14 Tage später nach Deutschland ausgeliefert. Für ihn begann ein verzweifeltes Dasein: fernab der Heimat einsam im Knast, noch nie so lange getrennt von Frau und Kind. Unter Tränen bedankte er sich, dass er zum zehnten Geburtstag seiner Tochter mit ihr wenigstens ein Skype-Gespräch hatte führen dürfen.

Auch gestand er die Taten. Das war gut für ihn, da so Zeugen nicht gehört werden mussten und so nach einem Prozesstag das Urteil gesprochen werden konnte. Ziel des Angeklagten war ja, so schnell wie möglich nach Hause zu kommen. Dafür zogen Staatsanwalt, Gericht und Verteidigung auch an einem Strang und setzten den Prozesstermin sechs Wochen früher als ursprünglich geplant an. Auch dafür bedankte sich der Mann.

Dank an den Richter

Bei allem Dank machte Richter Holger Jurisch klar, dass der Angeklagte in seinen Augen mehr ins Tatgeschehen eingebunden war, als er zugegeben hatte. Das würde allein schon das dubiose Geschehen um den Verkauf des BMW M5 zeigen – ein Auto, „mit dem man zur Not auch mal Gas geben könnte“.

Letztlich spielten aber nur die beiden Beihilfe-Fälle eine Rolle, weswegen auch Staatsanwaltschaft und Verteidigung eine Bewährungsstrafe beantragten. Die knapp fünf Monate im Gefängnis wurden dem Mann angerechnet. Zudem muss er Verfahrenskosten und 1500 Euro Strafe zahlen. Keine Kleinigkeit für die meisten Ukrainer, deren Monatslöhne nur bei umgerechnet wenigen hundert Euro liegen. Der Angeklagte versicherte, die Raten zu bedienen. Dann wollte er nur noch nach Hause.


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