75. Geburtstag von Mick Jagger „Wir Jungs in Delmenhorst standen auf die Stones“

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Stones-Fan: Johann Peter Eickhorst zeigt seine Lieblinge. Foto: Marco JuliusStones-Fan: Johann Peter Eickhorst zeigt seine Lieblinge. Foto: Marco Julius

Delmenhorst. Mick Jagger, Sänger der Rolling Stones, wird am 26. Juli 2018 75 Jahre alt. Der Delmenhorster Johann Peter Eickhorst (71) ist quasi Fan der ersten Stunde – und bis heute Liebhaber der frühen Stones-Alben.

Nein, Johann Peter Eickhorst gehört nicht zu denen, die sagen, dass früher alles besser war. Der Delmenhorster, 71 Jahre jung, freier Fotograf und Konzeptkünstler, weiß, dass man im Leben nicht nur zurückschauen darf. Aber er kommt dann doch ins Schwärmen, wenn es um Michael Philip Jagger geht, den Mann, den alle nur Mick nennen. Der Frontman der Rolling Stones, der wohl langlebigsten und kommerziell erfolgreichsten Rockband der Musikgeschichte, wird heute satte 75 Jahre alt.

Fünf Mark für eine Single

Als Teenager hat Eickhorst die Stones in den sechziger Jahren für sich entdeckt. „Fünf Mark kostete damals eine Single, eine LP war für Schüler kaum erschwinglich“, erinnert er sich zurück. Dass die Band, die sich 1962 gegründet hat, auch im Jahr 2018 noch auf Tour ist, das hat der junge Johann Peter in den bewegten sechziger Jahren nicht für möglich gehalten. „Das die überhaupt noch leben, vor allem Keith Richards, was der sich so alles reingepfiffen hat“, sagt er lachend.

Jagger als Geschäftsmann

Jagger sei da wohl etwas vernünftiger gewesen, mutmaßt Eickhorst: „Mick war immer schon ein Geschäftsmann. Der hat den Laden bei den Stones am Laufen gehalten.“ Was Eickhorst mit Jagger und Richards verbindet, ist die Liebe zum Blues. „Muddy Waters, Howlin‘ Wolf: Die Stones und andere britische Gruppen haben die Musik ihrer schwarzen Vorbilder erst so richtig populär gemacht“, sagt Eickhorst.

AFN brachte die Musik ins Haus

Rock und Beat im Radio, als junger Fan dieser noch neuen Jugendkultur musste Eickhorst geduldig sein. „Anfangs wurde die Musik ja kaum im Radio gespeilt. AFN war der einzige Sender, der uns die Musik nahebrachte.“ Die Jungs seiner Oberschule, die standen auf die Stones, die bösen Buben, den Protest. „Die Mädchen waren eher für die braven Beatles“, sagt Eickhorst. Er weiß natürlich, dass das schon damals Klischees waren. „Die Beatles waren auch wild. Den ersten Joint hat Mick Jagger aus den Händen von Paul McCartney bekommen.“ Und klar, auch das muss der Stones-Fan heute konstatieren, „die Beatles hatten musikalisch die größere Bandbreite“.

Eickhorst selbst hat ein nahezu enzyklopädisches Wissen, was Musik angeht. Er weiß natürlich auch, dass Mick Jagger niemals in Delmenhorst war. „Aber mit Brian Jones war ein echter Stone hier.“ 1967 war das. Die Geschichte findet sich in dem Buch „Die wilden 60er – Eine Zeitreise in das Delmenhorst der 1960er Jahre“, das Eickhorst 2008 gemeinsam mit dk-Redakteur Thomas Breuer herausgegeben hat. Ein Buch, dass den Einfluss der Rock- und Beat-Musik auf die Jugend in der norddeutschen Provinz bild- und anekdotenreich verdeutlicht.

Jagger stets im Mittelpunkt

Brian Jones galt anfangs als kreativer Kopf der Stones. „Jagger hatte immer ein Problem damit, wenn jemand auf der Bühne mehr Platz beanspruchte. Er wollte keine Nebenbuhler, sondern immer im Mittelpunkt der Band stehen“, sagt Eickhorst. 1969 ist Brian Jones viel zu früh verstorben. Ob die Stones auch mit ihm in die Jahre gekommen wären? Wer weiß. Eickhorst weiß aber sicher, dass er bei den horrenden Eintrittspreisen, die die Stones heute für ihre Konzerte aufrufen, Mick Jagger nicht mehr auf der Bühne erleben wird. „Das mache ich nicht mit. Diese alten Gesichter – und ob überhaupt noch alles live gespielt wird, ist doch auch nicht sicher.“

Die alten Zeiten

Die alten Schallplatten der Stones aber, die holt der leidenschaftliche Sammler Eickhorst heute noch gern raus und legt sie behutsam auf den Plattenteller. Besonders die ersten beiden LPs der Gruppe haben es ihm angetan, auch wenn er von Charlie Watts (77) als Drummer nicht viel hält. Eickhorst spielt jetzt „I‘m a King Bee“ vor. Die Stones haben den Smasher von Slim Harpo 1964 für ihr Debüt-Album aufgenommen. Jaggers Stimme klingt frisch und dringlich. Den Blues liebt das Geburtstagskind Jagger noch heute. So wie Eickhorst. Früher mag nicht alles besser gewesen sein. Missen möchte Eickhorst die alten Zeiten aber nicht.


Wer mehr von Johann Peter Eickhorst hören will: Seine Radiosendung „Sounds and News“ läuft jeden zweiten Donnerstag im Monat von 17 bis 18 Uhr auf RadioWeserTV (UKW 92,5 MHz). Eickhorst spielt dort Oldies und bringt News aus Ðelmenhorst.

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