Landgericht fällt Urteil Delmenhorster Serieneinbrecher geht Entziehungskur an

Von Ole Rosenbohm

Symbolfoto: Volker Hartmann/dpaSymbolfoto: Volker Hartmann/dpa

Oldenburg/Delmenhorst Ein 40 Jahre alter einschlägig vorbestrafter Delmenhorster muss wegen mehrfacher Einbrüche fünf Jahre lang hinter Gitter. Zunächst tritt er eine Entziehungskur an.

Das Landgericht Oldenburg hat am Dienstag für eine größtenteils in Delmenhorst begangene Einbruchsserie eine Haftstrafe von fünf Jahren gegen den geständigen Angeklagten verhängt. Von diesen fünf Jahren wird der 40-Jährige allerdings zunächst nur wenig Zeit absitzen, sondern wohl schon bald eine Entziehungskur für seine Kokainsucht beginnen. Die Staatsanwaltschaft hatte sechs Jahre Haft, die Verteidigung viereinhalb gefordert.

Zehn Einbrüche nachgewiesen

Dem schwer abhängigen Mann wies das Gericht von Juli bis Ende Oktober 2017 zehn Einbrüche nach – acht in Delmenhorst, zwei in Weyhe. Nebenher ging der hafterfahrene und erst wenige Monate vor Beginn der Serie aus dem Gefängnis entlassene Delmenhorster einer Arbeit auf Baustellen nach. Diesen Job habe er nur mit Kokain überstehen können, sagte er aus. Und um immer genügend Geld für die Droge zu haben, hatte der Mann ständig Ausschau nach geeigneten Objekten für Einbrüche gehalten. Einige Taten habe er sogar auf dem Weg zur Arbeit begangen, so der Angeklagte.

Pfandhaus musste sich erklären

In den Prozess verwickelt war auch ein Bremer Pfandhaus, in dem der Angeklagte einen großen Teil seines erbeuteten Schmucks versetzte. Die Strafkammer musste klären, ob das Pfandhaus seiner Verantwortung nicht gerecht wurde und zu einer Einziehung in Höhe des versetzten Schmucks verurteilt werden könnte. Das Gericht entschied sich gegen die Einziehung, da das Pfandhaus seiner Ansicht nach nicht klar erkennen konnte, dass die Gegenstände aus Diebstählen stammen würden. Der Angeklagte sei ja immer nur mit wenigen Schmuckstücken in seiner Tasche ins Leihhaus gekommen, sagte die Richterin, zudem bei unterschiedlichen Mitarbeitern. „Wäre er mit dem Bettlaken voller Schmuck reingekommen, wäre die Sachlage eine andere gewesen.“

Abhängiger Angeklagter nimmt zweite Entziehungskur in Angriff

Nach neun Monaten in Untersuchungshaft wird der Angeklagte nun das zweite Mal in seinem Leben eine auf etwa zwei Jahre ausgelegte Entziehungskur nach Paragraf 64 Strafgesetzbuch versuchen, nach deren Beendigung eine Freilassung auf Bewährung erfolgen soll. Einerseits sei die Aussicht auf Erfolg nicht „exorbitant hoch, weil Sie schon einmal abgebrochen haben“, sagte die Richterin. Auf der anderen Seite setzte sie aber auch auf Alter und Reife des Delmenhorsters. In jedem Fall sei es „Ihre letzte Chance, damit Sie ein erträgliches Leben führen können“.

Verurteilt wurde der Mann zudem auf Einziehung von etwas über 21.000 Euro für nicht mehr aufzufindendes Diebesgut und entstandene Schäden.


Weitere Angebote, Produkte und Unternehmen der noz MEDIEN