Trockenheit in Delmenhorst Hitzewelle: Stadtwerke erwägen Einschränkungen beim Trinkwasser

Von Frederik Grabbe


Delmenhorst. Die Hitzewelle könnte sich diese Woche noch einmal zuspitzen. Angesichts der steigenden Trinkwassermengen erwägen die Stadtwerke Nutzungseinschränkungen. Der Fachdienst Stadtgrün bittet Bürger beim Wässern um Hilfe. Und Krankenhaus und Rettungsdienst erwarten mehr Patienten.

Die Hitzewelle stellt nach wie vor eine große Herausforderung dar. Erhöht sich der Trinkwasserverbrauch in Delmenhorst weiterhin, erachten die Delmenhorster Stadtwerke (SWD) Nutzungseinschränkungen für möglich.

Wasserverbrauch könnte auf 15.000 Kubikmeter täglich steigen

Im Laufe dieser Woche erwarten die Stadtwerke einen Anstieg des Trinkwasserverbrauchs auf 15.000 Kubikmeter am Tag, teilt Sprecherin Britta Fengler mit. Normal sind 11.000 bis 12.500 Kubikmeter. Vor diesem Hintergrund und mit Blick an den Solidargedanken appellieren die SWD daran, sorgsamen mit dem „kostbaren Lebensmittel“ Trinkwasser umzugehen. Rasensprengen oder die Verwendung für Swimming-Pools sollte vermieden werden. Sollte die Wasserabgabe weiter steigen, „muss über Nutzungseinschränkungen nachgedacht werden“. Stadtwerkeprokurist Dieter Meyer beruft sich auf Nachfrage auf die Gesetzeslage bei einer möglichen Gefährdung der Wasserversorgung. In einer Extremlage könnte es möglich sein, dass zeitweise nicht wie gewohnt Wasser geliefert werden könne. Auch ein Verbot etwa fürs Rasensprengen könnte ausgesprochen werden. Dies sei im Mai in Stade der Fall gewesen. „Ein Fall, der bei uns aber noch nie eingetreten ist“, so Meyer.

(Weiterlesen: Deutscher Wetterdienst gibt Hitzewarnung heraus)

OOWV meldet Wasser-Verbrauch auf Rekordniveau

In dieses Horn stößt auch der Oldenburgisch-Ostfriesische Wasserverbands (OOWV), der die Stadt ebenfalls mit Wasser beliefert. Der Wasserverbrauch im Gesamtgebiet habe sich am Montag einem neuen Rekordwert genähert: Die Wasser- und Speicherpumpwerke gaben an diesem Tag 314.330 Kubikmeter Trinkwasser ab. Der bisherige Höchstwert vom 2. Juli 2015 lag bei 316.841 Kubikmetern. Wie die SWD schließt auch der OOWV eine Nutzungseinschränkung nicht aus, sollte sich dieses Niveau halten. „Gemeinsam sollten wir alle prüfen, wo wir tatsächlich Trinkwasser einsetzen müssen – und wo wir es sparen können“, teilte Axel Frerichs, Bereichsleiter für den Betrieb der Wasserwerke, mit.

Fachdienst bittet Bürger um Hilfe beim Wässern

Der Fachdienst Stadtgrün und Naturschutz hingegen bittet die Bürger mit Bezug auf die heißen Tage dieser Woche darum, der Stadt beim Wässern unter die Arme zu greifen. Seit Beginn der Hitzeperiode sei man intensiv damit beschäftigt, städtische Bäume sowie weitere Anpflanzungen zu wässern. Aber: „Da in den nächsten Tagen nicht mit einem Wetterumschwung zu rechnen ist, ist der Fachdienst für jede zusätzliche Wässerung durch Anlieger dankbar. Jeder zusätzliche Eimer Wasser hilft den Pflanzen.“

Rettungsdienst und Krankenhaus erwarten mehr Einsätze

Auch die Feuerwehr und ihr Rettungsdienst rechnen in dieser heißen Woche mit einem erhöhten Einsatzaufkommen, „insbesondere durch hitzebedingte Erkrankungen, wie zum Beispiel Hitzeerschöpfung, Hitzschlag oder Sonnenstich“. Hauptursache sei eine geringe Flüssigkeitsaufnahme. Ältere, chronisch Kranke und Kleinkinder gelten als besonders betroffen. Eine gesonderte Vorbereitung auf die heiße Woche treffe der Rettungsdienst aber nicht. Man sei für die erwartenden Notfälle grundsätzlich ausgestattet, heißt es. In diese Richtung äußerte sich auch Aline Becker, Sprecherin des Josef-Hospitals (JHD). Bislang sei die Hitzewelle aber noch nicht spürbar gewesen. Becker: „Wir stellen vermehrt Trinkwasser zur Verfügung. Mehr können wir nicht tun.“

Wasser fürs Hinterland: Ochtumverband öffnet Fluttore

Um wegen der Trockenheit dem Hinterland Frischwasser zukommen zu lassen, setzt der Ochtumverband an verschiedenen Stauwerken die Fluttore fest. „Das bedeutet, die Gezeiten drücken Wasser aus der Weser die Ochtum und andere Gewässer hinauf. Stauklappen wiederum verhindern das Abfließen von Wasser bei Ebbe“, erklärt Heiko Stubbemann, Verbandsvorsitzender des Ochtumverbands. Auf diese Weise werden Gewässer zwischen dem Stauwerk an der Hasberger Mühle und Varreler Bäke in Höhe des Uhlenbroker Wegs erreicht. Insgesamt rund 350 Hektar Fläche betreffe dieser Effekt. In einigen Fällen helfe das Fluten aber nichts: So liege die derzeit beinahe ausgetrocknete Heidkruger Bäke zwischen Schavkoven und Heidkrug, in der bereits verendete Fische zu sehen sind, schlicht zu hoch. Stubbemann: „Hier hilft nur Regenwasser.“

Fischereivereinschef Roß sieht „nie da gewesenen Sommer“

„Dass Fische verenden, lässt sich bei einer solchen Hitze leider nicht vermeiden“, sagt Detlev Roß, Vorsitzender des Delmenhorster Fischereivereins. Gerade flache Gewässer, wie etwa der Tiergartensee, liefen schnell Gefahr, bei anhaltender Sonneneinstrahlung Sauerstoff zu verlieren. Eine akute Gefahrenlage, wie etwa durch Blaualgenbefall, habe der Verein diesen Sommer aber noch nicht beobachtet. Trotzdem sieht Roß in den Temperaturen im Mai, Juni, und Juli einen bislang „nie da gewesenen Sommer“. Sich auf die Hitze und ihre Folgen vorzubereiten, dafür sieht Roß seitens der Fischer keine Handhabe.


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