Stadt droht Verlust von Spitzenkraft Petra Gerlach auf Absprung aus Delmenhorster Rathaus

Von Michael Korn

Wird Delmenhorst möglicherweise verlassen: Fachbereichsleiterin Petra Gerlach. Archivfoto: Thomas BreuerWird Delmenhorst möglicherweise verlassen: Fachbereichsleiterin Petra Gerlach. Archivfoto: Thomas Breuer

Delmenhorst. Spitzenbeamtin Petra Gerlach steht womöglich auf dem Absprung aus Delmenhorst: Die Fachbereichschefin und Kämmerin hat sich in Hamburg-Harburg für den höheren Dienstposten einer Bezirksamtschefin beworben.

Petra Gerlach, anerkannte Spitzenbeamtin im Rathaus und zuständig vor allem für die städtischen Finanzen, steht womöglich auf dem Absprung aus Delmenhorst: Sie hat sich auf das höhere Amt der Bezirksamtsleitung in Hamburg-Harburg beworben, um einen weiteren Karriereschritt zu wagen. Gegenüber dem dk bestätigte Gerlach ihre Kandidatur, deren Ergebnis sich im September entscheidet. Ungewollt ist sie an der Elbe mit ihrer Bewerbung nach übereinstimmenden Medienberichten in eine Koalitionskrise zwischen CDU und SPD verwickelt.

Mitten im GroKo-Krach

Gerlach, die seit 24 Jahren in der Delmenhorster Verwaltung arbeitet und sich hier kontinuierlich weiterentwickelt hat, kandidiert auf CDU-Ticket für das Amt der Harburger Bezirksamtsleitung und sieht sich einer Gegenkandidatin der SPD gegenüber. Da an der Süderelbe eine GroKo regiert, ist es aufgrund dieser heiklen Bewerberkonstellation zum Krach zwischen den Parteien gekommen, in deren Verlauf die Wahl der neuen Amtsleiterin abgesetzt wurde und das rot-schwarze Bündnis sogar zu zerbrechen drohte. Nach der Sommerpause soll es einen neuen Anlauf für eine gemeinsame Kandidatin geben, berichten der NDR und das Hamburger Abendblatt übereinstimmend.

Größte Anerkennung

Petra Gerlach genießt derweil in Delmenhorst seit Jahren größte Anerkennung als Verwaltungsfachfrau, ohne jedoch in den Rang einer Dezernentin vorstoßen zu können. Der Verwaltungsvorstand ist mit den drei Ressortchefs Oberbürgermeister Axel Jahnz, Erster Stadtrat Markus Pragal und Stadtbaurätin Bianca Urban besetzt – einen vierten Dezernentenposten für politische Wahlbeamte gibt es nicht. Gerlach ist diesem Vorstand und dem OB direkt zugeordnet als „Fachbereichsleiterin für Interne Verwaltungsdienste mit der Funktion Kämmerin“. Diese Aufgabe hat sie vor mehr als einem Jahr übernommen. Zuletzt hat die 46-Jährige in Delmenhorst neben ihren finanztechnischen Kompetenzen geglänzt mit ihren Managementfähigkeiten in der Bewältigung des Flüchtlingszustroms, der Wollepark-Krise und bei der Evakuierung des Stadtteils Stickgras aufgrund der Entschärfung einer Weltkriegsbombe.

Ende der Fahnenstange

Dem dk sagte Petra Gerlach zu ihrer angestrebten beruflichen Neuorientierung, sie habe in Delmenhorst in Bezug auf die berufliche Karriere „das Ende der Fahnenstange erreicht“. Wenn sie denn eine neue berufliche Herausforderung annehmen wolle, dann jetzt. Gerlach bekräftigte, sie habe die Fühler keinesfalls wegen Unzufriedenheit in ihrem derzeitigen Job ausgestreckt. Sie habe im Rathaus stets alle Unterstützung erfahren und sich fortlaufend weiterentwickeln können. Es sei ihr von vornherein klar gewesen, dass alleine wegen ihrer Person keine vierte Dezernentenstelle im Rathaus geschaffen werde. Die Ratsparteien seien in die Personalie noch nicht eingebunden worden, da noch nichts entschieden sei. OB Jahnz sei selbstverständlich von Anfang an über die Bewerbung unterrichtet.

OB stets eingebunden

Der Rathauschef äußerte sich auf dk-Anfrage so über die Situation: „Zu jeder Zeit bin ich vollumfänglich von Frau Petra Gerlach vertrauensvoll eingebunden worden. Da ich mich an die Regeln eines Bewerbungsverfahrens halte, möchte ich weiter nichts dazu sagen. Es ist Angelegenheit der Bewerberin, sich zu äußern. Das verlangt auch schon die immer gute Zusammenarbeit mir ihr und der Politik.“


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