Tag der virtuellen Liebe Online-Dating bei Delmenhorstern beliebt

Von Sascha Sebastian Rühl

Das Online-Dating hat schon zu vielen Ehen geführt. Auch in Delmenhorst gibt es viele positive Beispiele. Foto: Kai Remmers/dpaDas Online-Dating hat schon zu vielen Ehen geführt. Auch in Delmenhorst gibt es viele positive Beispiele. Foto: Kai Remmers/dpa

Delmenhorst. Das Flirten am Bildschirm hat das Leben von vielen Menschen verändert. Anlässlich des „Tags der virtuellen Liebe“ berichtet dk-Redakteur Sascha Sebastian Rühl von seiner Erfahrung mit der Partnersuche im Netz.

Ob Partnerbörse, Dating-App oder Parntervermittlung: Viele Menschen in Delmenhorst haben sich im Internet kennengelernt. Heute ist „Tag der virtuellen Liebe“, wobei der Titel täuscht. Liebe ist nicht virtuell, sie existiert nicht im Internet, aber ihr kann dort durchaus Starthilfe gegeben werden, da man so jemanden findet, dem man sonst vielleicht nicht begegnet wäre.

Internet hat vieles zum Guten verändert

Seit fast einem Jahr bin ich schon verheiratet, den ersten Kontakt zu meiner heutigen Frau gab es damals im Internet. Sie gab mir einen Zaunpfahl-Wink, nachdem ich mir ein weiteres Mal die Informationen in ihrem Steckbrief durchgelesen hatte und sie nicht mehr auf meine Initiative warten wollte. Dann ging es schnell: Über 100 lange Nachrichten flogen von Bildschirm zu Bildschirm, wir tauschten uns zu unseren Persönlichkeiten und Hobbys aus, unterhielten uns über Lieblingsessen und Reiseziele. Dann verabredeten wir uns, nur um uns dann sogar noch einige Tage früher zu treffen. Zu dem Zeitpunkt hatten wir nur ein Bild voneinander gesehen. Der Rest ist unsere (Liebes-) Geschichte, die es ohne Internet vielleicht nicht geben würde.

Besonders beliebt zwischen 25 und 50

Wie das Internet-Portal Singleboersen-Vergleich auf Nachfrage mitteilt, sind allein bei den im Nordwesten beliebten regionalen Singlebörsen Fischkopf.de und verliebt-im-Norden.de rund 380.000 Nutzer unterwegs. „Bei der Altersgruppe ist es so, dass vor allem in den Dating-Apps die meisten jungen Singles zwischen 18 und 25 unterwegs sind.“ Dort kann sich die Partnersuche auch fast ausschließlich aufs Äußere konzentrieren. „Singlebörsen wie LoveScout24 haben das am breitesten gemischte Publikum, hier sind Leute von 18 bis 69 und älter angemeldet.“ Die größte Zielgruppe seien jedoch die 25- bis 50-Jährigen.

Gute Erfahrungen

So wie mir geht auch anderen in Delmenhorst: Das dk wollte bei Facebook wissen, wie die Erfahrungen anderer mit Online-Dating aussahen. „Vor sechs Jahren im Eiltempo und seit zwei verheiratet“, „Nächsten Freitag seit sechs Jahren verheiratet“ oder „Sechs Jahre zusammen und drei davon verheiratet und zwei bezaubernde Jungs“ sind nur ein paar der positiven Rückmeldungen. Die einen trennten vorher 800 Kilometer, die anderen haben bereits vor 17 Jahren die große Liebe über das Netz gefunden.

Viele Vorteile

Das Onlinedating hat Vorteile gegenüber der traditionellen Partnersuche. Vor allem Menschen in Berufen mit unüblichen Arbeitszeiten können praktisch jeden Abend noch kurz auf die Suche gehen. Ausgehen ist da zeitintensiver. Wie Alexandra Langbein von Singleboersen-Vergleich mitteilt, koste das sogenannte E-Dating auch weniger. „Der Mitgliedsbeitrag ist meist günstiger als jedes Wochenende ins Kino, in die Bar oder in die Discothek zu gehen.“ Außerdem hätten so auch Introvertierte eine Möglichkeit, an Verabredungen zu kommen. „Auch wer schüchtern ist, hat hier Chancen, da man mit dem Schreiben anfängt und nicht sofort reden muss. Ein Korb tut virtuell nicht so weh, wie im wahren Leben.“

Vorgegaukelte Wahlmöglichkeiten

Der Verhaltensforscher Dr. Bernhard Fink beschäftigt sich momentan mit Tanz am Hanse-Wissenschaftskolleg in Delmenhorst. Für ihn sind Online-Dating-Portale ein Ausdruck des Wunsches nach Vielfalt. „Es gaukelt uns eine ideale Situation vor. Nämlich in Bezug auf die Wahlmöglichkeiten.“ Wer sich anmeldet, sieht zunächst viele mögliche Partner, stellt aber erst später fest, dass das nicht unbedingt zahlreiche Verabredungen abseits des Bildschirms bedeutet. Nach den ersten paar Absagen herrschte auch bei mir zunächst Ernüchterung. „Es fallen viele essenzielle Signale weg, die wir für eine Entscheidung über das Gegenüber benötigen“, findet der Verhaltensforscher außerdem.

Keine Garantie auf Armors Pfeil

Partnersuche im Internet ist immer noch eine Suche. Wie weit möchte ich für eine Verabredung fahren? Nach welchem Typ suche ich eigentlich? Passe ich auch auf die Beschreibung meines Traumpartners? Gut Ding will auch im Internet Weile haben. Nachrichten mit anstößigen Begriffen oder zum Beispiel auch Anfragen von deutlich älteren Männern können heute am Postfach vorbeigeleitet werden. Dennoch sollten vor allem Frauen bei einem Treffen mit einem Unbekannten Vorsicht walten lassen. Daran sollte man auch als Mann denken: Der Vorschlag, das erste Treffen an einem einsamen Ort stattfinden zu lassen, weckt nicht unbedingt Vertrauen auf der anderen Seite der Leitung.

Einen Versuch ist es wert

Hat Glück beim Online-Dating gehabt: Sascha Sebastian Rühl. Foto: Marie Busse

Für mich und viele andere hat sich die Partnersuche im Netz gelohnt. Manchmal fragen mich Leute, was wohl meine Eltern dazu sagen, dass ich die Liebe im Internet anstatt in der Disco (schlechter Tänzer) oder in einer Bar ( wohl zu schüchtern) gesucht habe. Ich sag mal so: Meine Mutter (60) hat gerade ihren zehnten Hochzeitstag mit meinem Stiefvater gefeiert. Gefunden haben sich beide im Netz.


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