53-jähriger sitzt länger Internet-Betrug verlängert Haftstrafe für Delmenhorster

Von Ole Rosenbohm

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Ein Betrugsfall gleich Gefängnisstrafe: „Das macht mir keinen Spaß“, sagte Richter Holger Jurisch und riet dem in prekären Verhältnissen lebenden Angeklagten dringend, einem Neustart hinzulegen. Symbolfoto: Michael GründelEin Betrugsfall gleich Gefängnisstrafe: „Das macht mir keinen Spaß“, sagte Richter Holger Jurisch und riet dem in prekären Verhältnissen lebenden Angeklagten dringend, einem Neustart hinzulegen. Symbolfoto: Michael Gründel

Delmenhorst. Wer für einen Betrugsfall gleich eine Gefängnisstrafe ohne Bewährung aufgebrummt bekommt, ist in aller Regel kein Ersttäter. Das gilt auch für den Angeklagten, der jetzt vom Amtsgericht Delmenhorst zu vier Monaten Gefängnis verurteilt wurde.

Der 53-jährige Delmenhorster hatte über die Verkaufsplattform E-Bay ein Mobiltelefon für knapp 95 Euro abgesetzt, das Geld erhalten, die Ware aber nie an die Käuferin geschickt. Eine „Verkettung unglücklicher Umstände“, wie der Angeklagte angegeben hatte (verkauftes Handy plötzlich kaputtgegangen, Konto im Minus, mit Rückzahlung geschlurt), wollte das Gericht aber deshalb nicht sehen, weil es eben nicht das erste Vergehen dieser Art des 53-Jährigen war: Schon elfmal ist der Mann wegen Betruges verurteilt worden, meist zu Geld- oder Bewährungsstrafen, nur einmal – im Oktober 2017 – zu acht Monaten Gefängnis. Damals verknackt wegen zwei ebenfalls nur zur Hälfte zustande gekommenen Geschäfte übers Internet und ebenfalls vom Amtsgericht Delmenhorst.

Zuschlag für Haftstrafe

Die acht Monate sitzt der Angeklagte bereits seit Juni dieses Jahres ab. Mit dem neuen Urteil bildete das Gericht nun eine Gesamtstrafe, mit der sich seine Gefängniszeit noch einmal um zwei auf zehn Monate verlängert – per Gesetz werden für eine Gesamtstrafe nicht einfach nur Strafen addiert, sondern dem Angeklagten ein Abschlag gewährt.

Richter Jurisch hat „keinen Spaß“

Ein Betrugsfall gleich Gefängnisstrafe: „Das macht mir keinen Spaß“, sagte Richter Holger Jurisch und riet dem in prekären Verhältnissen lebenden Angeklagten dringend, einem Neustart hinzulegen. Statt sich mit Betrügereien zu beschäftigen, solle er lieber in seinem erlernten Handwerksberuf arbeiten.

Denn mit der Zahl der Fälle werde der Angeklagte mehr und mehr in die Gefahr geraten, als „gewerbsmäßig“ handelnder Betrüger verurteilt zu werden: „Sie müssen die Biege kriegen, sonst werden das künftig pro Stück sieben oder acht Monate“, sagte Jurisch, der übrigens auch noch Kritik für seine Justiz-Kollegen übrig hatte: Angesichts der Biografie des Angeklagten sei es eine aus seiner Sicht „Kamikaze-Nummer“, eine Bewährungsstrafe nach der anderen zu verhängen.


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