Verwaistes Ex-Bahngelände: Delmenhorst lässt Investor für 420 Wohnungen abblitzen

Von Michael Korn

Hier hat der Investor ein Wohngebiet geplant: Altes Bahngelände am Winterweg im Delmenhorster Stadtosten. Archivfoto: Frederik GrabbeHier hat der Investor ein Wohngebiet geplant: Altes Bahngelände am Winterweg im Delmenhorster Stadtosten. Archivfoto: Frederik Grabbe

Delmenhorst. Das verwilderte und zuletzt durch einen Mordfall ins Gerede gekommene Ex-Bahngelände am Winterweg in Delmenhorst bleibt vorerst ungenutzt: Baulandplänen eines Investors erteilte die Stadt eine Absage.

Die Stadt Delmenhorst hat einen bundesweit agierenden Immobilieninvestor abblitzen lassen, der das verwaiste Bahngelände am Winterweg im Stadtosten (nähe Hotel Thomsen an der Bremer Straße) in ein großes Wohngebiet umwandeln wollte. Kern der Ablehnung für die Pläne ist nach Mitteilung des Rathauses der Bahnlärm an der Strecke Bremen/Oldenburg.

Erinnerung an Mordfall

Zuletzt war das verwilderte, von Ruinen bestandende und mit Minderalöl belastete Areal durch den Mord an einer obdachlosen Frau im November letzten Jahres in den Fokus geraten. Vor 18 Jahren hatte die Bahn die Nutzung des einstigen Ausbesserungswerks und Tanklagers aufgegeben.

Investor aus Bad Soden

Die Wohnen & Leben AG aus Bad Soden führt aktuell auf ihrer Internetseite das Vorhaben in Delmenhorst auf, für das sie die Jahre 2018 bis 2020 kalkuliert hatte. Es würde danach ein neues Großquartier mit bis zu 420 Wohneinheiten in Mehrfamilien- und Einzelhäusern entstehen. Wegen der Lärmproblematik sind die mehrgeschossigen Wohnanlagen als passiver Schallschutz entlang den Gleisen vorgesehen.

Lärm und Altlasten

So hat der Investor das Wohnviertel auf dem Bahngelände am Winterweg in Delmenhorst geplant. Grafik: W&L/Jan Eric Fiedler

Das hat die Stadt allerdings nicht überzeugen können: Auf dk-Anfrage teilte Rathaus-Sprecher Timo Frers mit, dass der Fachdienst Stadtplanung dem Investor für die Planungen abgesagt habe. Grund: Eine Wohnnutzung sei „aufgrund von Altlasten/Lärm dort nicht möglich“. Nach dieser Antwort habe sich der Projektentwickler nicht mehr gemeldet. Verhandlungen gebe es nicht und „ein Wohngebiet wird es nach Auffassung der Stadtplanung dort auch nicht geben“, heißt es weiter. Die Frage nach einer Einbindung der Ratspolitik in die Entscheidungsfindung der Verwaltung ließ die Stadt unbeantwortet. Zur Bildergalerie.


Historie

Zur Historie und Belastung des Geländes (Quelle: Mitteilungsvorlage für den Planungsausschuss am 6. 12. 2016): Östlich des Winterweges befindet sich das ehemalige Ausbesserungswerk einschließlich Tanklager der Deutschen Bahn AG. Dort wurden seit 1914 die betriebstechnischen Einrich­tungen (Halle, Drehscheibe, Lokabstellplätze) genutzt und dienten überwiegend der Wartung, Reparatur und Be­reitstellung von Dampf- und ab den sechziger Jahren von Diesellokomotiven. Auf dem Betriebsgelände wurde 1962 zusätzlich das Tanklager Delmen­horst errichtet. Das Betriebsgelände wird seit 2000 nicht mehr genutzt. In 1999 wurden auf dem Betriebsgrundstück - im Auftrag der Deutschen Bahn AG, Sanierungsmanagement, Hannover - umfangreiche ingenieurgeologische Unter­suchungen durchgeführt. Im Ergebnis wurden erhebliche Bodenverunreinigungen durch Mineralöle sowie leicht­flüchtige halogenierte Kohlenwasserstoffe festgestellt. Im Umweltmedium Grundwasser wurden im Rahmen der durchgeführten Gutachten eine Grundwasserfließrichtung nach Nordosten ermittelt. Die orientierenden Untersuchungen der Altlastenverdachtsflächen (Ausbesserungs­werk/Tanklager) ergaben keinen sofortigen Handlungsbedarf.Zwischen 2002 und 2007 erfolgte der Rückbau des Tanklagers Delmenhorst. Aufgrund der Umstrukturierungen bei der Deutschen Bahn verzögerte sich die weitere gutachterliche Bearbeitung des Projektes, so dass erst in 2010 bzw. in 2014 weitere Detailuntersuchungen erfolgen konnten. Zur Verifizierung des Sachverhaltes wurden zwischenzeitlich auch weitere Grundwasserpegel installiert. Die endgültige Gefährdungsabschätzung wurde der Verwaltung in der Endfassung dann am 9.11.2016 zugestellt. Im Ergebnis wird festgestellt, dass sich aufgrund der derzeitigen (Nicht-) Nutzung keine unmittelbarer Sanierungsbedarf ergibt - allerdings ist ein weitere Überwachung des Grundwassers (Monitoring über mindestens drei Jahre) notwendig. Die Grundwasserfliessrichtung wurde in Richtung Nordnordwest (parallel zum Winterweg) ermittelt, die westliche Abgrenzung der Schadstofffahne wird entlang des westlichen Randes des Winterweges angenommen. Alle Anlieger im Bereich Winterweg wurden über den neuen Sachstand informiert. In diesem Zusammenhang wurde den Anwohnern seitens der Verwaltung ein Verzicht auf jegliche Grundwassernutzung empfohlen.

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