Trockenheit in Delmenhorst Wasserverbrauch steigt auf 13.500 Kubikmeter

Von Sascha Sebastian Rühl und Thorsten Konkel

Die Platanen am Hans-Böckler-Platz in Delmenhorst verlieren durch die Trockenheit aktuell mehr Rinde als üblich. Grund zur Sorge besteht allerdings nicht. Foto: Frederik GrabbeDie Platanen am Hans-Böckler-Platz in Delmenhorst verlieren durch die Trockenheit aktuell mehr Rinde als üblich. Grund zur Sorge besteht allerdings nicht. Foto: Frederik Grabbe

Delmenhorst. Mehrere tausend Liter Wasser werden täglich benötigt, um während der aktuellen Trockenheit den Grünbestand in Delmenhorst und Ganderkesee zu pflegen. OOWV und Stadtwerke rufen die Bevölkerung zu einem sorgsamen Umgang mit Trinkwasser auf.

Die Stadt Delmenhorst bewegt wegen der anhaltenden Trockenheit täglich tausende Liter Wasser. Wie Stadtsprecher Timo Frers auf Anfrage mitteilte, ist der Baubetrieb mit einem Transporter mit einem 2000-Liter-Fass sowie drei Schleppern mit 4000-, 7000- und 9000-Liter-Güllefässern befüllt mit Wasser im Einsatz. Aushilfe leistet auch ein Fahrzeug der Freiwilligen Feuerwehr. „Es werden schwerpunktmäßig die frisch gepflanzten Bäume und Sträucher der vergangenen fünf Standjahre gewässert. Zusätzlich auch vereinzelt ältere und geschwächte Bäume und Sträucher“, heißt es. Auch die Rhododendronpflanzen benötigten Wasser.

Bäume leiden

Der Sommer verlange vor allem den Bäumen einiges ab. „Alle Bäume leiden – junge Exemplare ebenso wie ältere. Zudem ist der Rasen vielerorts gelb statt grün.“ Beim Rasen sei allerdings davon auszugehen, dass er sich im Laufe der Zeit – Regen vorausgesetzt – wieder regenerieren wird. Sichtbar werden die klimatischen Bedingungen auch an den Platanen am Hans-Böckler-Platz, die mehr Rinde als sonst verlieren. „Bedingt durch die Trockenheit ist dieses Phänomen stärker ausgeprägt als sonst“, erklärt Volker Stanislaus vom Fachdienst Stadtgrün und Naturschutz. Die Bäume befänden sich zurzeit im Wachstum – das sei stärker als sonst.

Bevölkerung soll bewässern helfen

Die Stadt Osnabrück und auch die Stadt Wildeshausen haben gestern die Bevölkerung bei der Bewässerung von städtischen Bäumen um Mithilfe gebeten. Allerdings nur, wenn Regen- oder Brunnenwasser zur Verfügung stehe. In Delmenhorst wird der Schritt aus Osnabrück nicht als notwendig angesehen. „Eine gut gemeinte PR-Aktion – aber laut den Experten der Stadtverwaltung Delmenhorst nicht wirklich zielführend“, heißt es von Sprecher Timo Frers. „Es schadet natürlich nicht, aber der Bedarf eines Baumes liegt pro Tag bei über 100 Litern Wasser. Da müsste jemand mit der Gießkanne schon sehr häufig laufen, Wasser holen und gießen.“

Landwirtschaft befürchtet geringe Ernten

„Die aktuelle Situation ist fast überall angespannt“, sagt der niedersächsische Landwirtschaftskammer-Präsident Gerhard Schwetje. Auf nicht beregneten Flächen mit sandigen Böden wurde zum Teil nur die Hälfte der normalen Erträge oder sogar noch weniger geerntet. Auch Milchviehbetriebe leiden unter den massiven Folgen der Trockenheit. „Die Grasernte verlief bisher meistens unterdurchschnittlich“, erklärt Schwetje. „Auf vielen Milchviehbetrieben wird jetzt das Futter knapp“, berichtet Schwetje aus der Praxis. Alternativen zu Mais- und Grassilage seien teuer, die Fütterung der Milchkühe werde also kostspieliger. Erschwerend komme hinzu, dass viele Alternativen bereits ausverkauft seien.

1000 Jungbäume brauchen Wasser

Auch die Mitarbeiter des für die Gemeinden Ganderkesee und Hude zuständigen Zweckverbands Kommunalservice Nordwest kämpfen gegen die Trockenheit an: Allein um die etwa 1000 Jungbäume an den Straßen in Ganderkesee ausreichend mit dem so wichtigen Nass zu versorgen, schwärmen die Fachleute täglich mit Traktor und angehängtem Wasserfass aus, berichtet Geschäftsführer Uwe Nordhausen. Gegossen wird mit Leitungswasser. Andere Entnahmestellen, wie etwa Löschteiche, bleiben tabu. „Wir pumpen den Einsatzkräften doch nicht das vielleicht benötigte Löschwasser ab“, betont Nordhausen.

Gemeinde konzentriert sich auf Bewässerung

Großen personellen Mehraufwand verursacht der tägliche Gießeinsatz nicht. „Weil es derart trocken ist, wächst nämlich auch das Unkraut nicht“, erläutert Nordhausen. Die sonst nötigen Pflegearbeiten für Beet und Grün entfallen. Zudem unterstützen Ferienjobber das Personal in diesem Wochen. Der Oldenburgisch-Ostfriesische Wasserverband (OOWV) mahnt weiter zum weiter zum sorgsamen Umgang mit Trinkwasser. Der Wasserversorger ruft dazu auf, unnötiges Rasensprengen mit Leitungswasser zu vermeiden und Poolwasser nicht voreilig auszutauschen.

Hoher Trinkwasserverbrauch

Der erhöhte Wasserverbrauch zeigt sich auch bei den Stadtwerken. Laut Sprecherin Britta Fengler liege trotz der Schulferien die derzeitige Tagesmenge bei rund 13.500 Kubikmetern Trinkwasser pro Tag. Durchschnittlich liege er bei 11.000 bis 12.500. Dabei steige nicht der Verbrauch pro Kopf, sondern pro Haushalt. „Das Trinkwasser wird ja vermehrt für die Gartenbewässerung und Poolbefüllung verwendet.“ Genau da sollte momentan gespart werden. „Wie bereits mehrfach erwähnt, bitten wir unsere Kunden um einen sorgsamen Umgang mit Wasser sowohl beim Sprengen von Rasen, beim Blumengießen als auch beim Befüllen von Schwimmbecken.“

Engpässe nicht möglich

Wasser marsch: Die Freiwillige Feuerwehr Delmenhorst-Stadt ist in diesem Sommer öfter für Bewässerungsarbeiten im Einsatz. Foto: Manuel Titze

Trotz der Trockenheit und der hohen Temperaturen besteht laut Stadtwerken kein Grund zur Sorge, Engpässe seien nicht möglich. „Die derzeitige Abgabe bedeutet noch keine Vollauslastung, so dass noch Reserven vorhanden sind.“


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