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Handel mit Kryptowährungen Delmenhorster lässt Computer für sich arbeiten

Von Sascha Sebastian Rühl

Timo Ellermann verdient sein Geld mit Cryptowährungen. Außerdem verkauift der Computerspezialist selbst gebaute Mining Rig Frames, die die Computerbauteile tragen. Foto: Sascha Sebastian RühlTimo Ellermann verdient sein Geld mit Cryptowährungen. Außerdem verkauift der Computerspezialist selbst gebaute Mining Rig Frames, die die Computerbauteile tragen. Foto: Sascha Sebastian Rühl

Delmenhorst. Die einen nutzen Dollar und Euro, die anderen Bitcoin und Ethereum. Ein Delmenhorster Unternehmer „schürft“ nach Kryptowährungen und verdient damit Geld.

Timo Ellermann verdient Geld mit Währungen, die bisher niemand in seinem Portemonnaie hatte. Der 36-jährige Delmenhorster Unternehmer „schürft“ nach sogenannten Kryptowährungen im Internet und verkauft das erforderliche Zubehör an alle, die es ihm gleichtun wollen. Ellermann redet gern über sein Geschäft – schnell und mit vielen Fachwörtern. Zum Beispiel über seine Computer: „Die laufen 24 Stunden, verifizieren die Transaktionen in der Blockchain und sorgen für Konsens.“ Die Fragezeichen in den Augen gibt es für Technik-Laien beim hauptberuflichen Web-Entwickler umsonst.

Alternative Währung

Kryptowährungen wie zum Beispiel die Leitwährung Bitcoin sind digitale Währungen, die nicht von Regierungen gesteuert werden. Der Wert der einzelnen Währungen wird laut Ellermann mithilfe von Hochleistungscomputern berechnet, die dezentral überall auf dem Planeten verteilt sind. Zum Vergleich: Es gibt weltweit über 160 greifbare Währungen. „Es sind derzeit 1607 Kryptowährungen verfügbar“, betont Ellermann.

Wer die Entwicklung unterstützt, verdient Geld

„Wenn ich jemandem ein Bitcoin schicke, muss das ein anderer Computer bestätigen“, zum Beispiel einer von seinen. Dafür, dass er dem Netzwerk dazu Rechenleistung überlässt, bekommt er einen Lohn, natürlich in der jeweiligen Währung. Im Prinzip ist es so, als würde er der Zentralbank seinen Drucker zur Verfügung stellen und ein paar der produzierten Scheine behalten dürfen. „Das Schürfen kostet eine Menge Strom. Das ist die Schattenseite der Kryptowährungen.“ Hierzulande rentiere es sich wegen der hohen Strompreise nicht besonders. „Ich habe viele Kunden in Schweden, Österreich oder Rumänien.“

Maschinen schürfen nach Geld

Im Moment sei der Kurs gering. Ein „Ethereum“, so der Name der von Ellermann genutzten Währung, liegt gerade bei rund 400 Euro. „Im Moment ist der Tiefstpunkt des Jahres. Eine Maschine schafft ein oder zwei Ethereum pro Monat.“ Kryptowährungen unterliegen teils gigantischen Kursschwankungen, was sie als tägliches Zahlungsmittel relativ uninteressant, als Anlageobjekt aber interessant machen. Anfang 2017 konnte man ein Ethereum für rund zehn Euro kaufen und genau ein Jahr später für über 700 Euro wieder verkaufen.

Bereits großen Gewinn erzielt

Der Höhepunkt dieses Booms lag im vergangenen Winter bei 1000 Euro pro digitaler Münze, zu dem Zeitpunkt hat Ellermann einen ordentlichen Gewinn gemacht. Zur selben Zeit lag ein einziger Bitcoin bei fast 20.000 Euro. Dann sank der Kurs dramatisch. Jetzt hortet Ellermann, zahlt mit Euro und wartet auf einen neuen Ansturm auf seine digitalen Währungen. „Ich hoffe auf einen höheren Kurs – und auf die Finca auf Mallorca.“

Nebenjob im Nebenjob

Solange der Kurs gering ist, verdient der 36-Jährige damit Geld, das benötigte Zubehör zu verkaufen. Seine sogenannten „Mining Rig Frames“ bilden einen Rahmen, der die verschiedenen, zum Schürfen notwendigen Computerteile zusammenhält. 2500 Euro kostet ein solcher Bausatz inklusive spezieller Elektronik. „Alles hat in einer Garage angefangen. Als im November 2017 der große Ansturm kam, habe ich gleich eine ganze Tonne bestellt“, erzählt er.

Ständige Innovationen

Seitdem entwickelt er seine Modelle weiter, um international einen Vorteil zu haben. „Mein neues Modell haben die Chinesen noch nicht.“ Eigentlich habe er seine Bausätze auch massenweise in die USA exportieren wollen. „Aber Trump mit seinen Strafzöllen auf Alu kam mir dazwischen“, ärgert er sich. Sein neues Modell sei stapelbar, ein Vorteil für alle, die ganze Räume mit den Geld verdienenden Computer füllen wollen.

Als tägliches Zahlungsmittel verwendbar

Ellermann kann mit seinen den meisten unbekannten Währungen auch im normalen Leben bezahlen. Dazu besitzt er eine besondere Kreditkarte von einem Anbieter, der Krypto- in Landeswährungen umrechnet. „Trete der Revolution bei“ steht auf ihr. „Die Technologie bietet noch ganz andere Möglichkeiten. Es könnten verschlüsselte Systeme für Wahlen darauf laufen. Auch ein dezentral laufendes Facebook ohne Datensammlung wäre möglich“, zählt er die Einsatzmöglichkeiten auf. Die Kreditkarte habe er zwar bei sich, nutze sie aber im Moment nicht, da der Kurs zu niedrig sei, um von der Zahlungsweise zu profitieren.

Weitere Infos im Netz

Auf seiner Internetseite Coin Rush Mining Hardware informiert Timo Ellermann regelmäßig über aktuelle Entwicklungen, stellt Tauschbörsen oder gut laufende Währungen vor und gibt Tipps rund um sein Fachgebiet.


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